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Battlefield 3: Close Quarters-Impressionen

Drama, Baby – Drama! DICE veröffentlicht ein reines Infanterie-Map-Pack und kein einziger Artikel kam ohne die dazugehörige „Call Of Duty!“-Keule in den Foren aus. Das übliche „Mimimi“ oder hat der Entwickler die Reihe nun tatsächlich verraten?

Käfighaltung

Natürlich nicht. Wenn DICE künftig nur noch per Volksentscheid seine Karten entwickeln dürfte, würden wir unsere Online-Scharmützel vermutlich noch länger in Wüstenstädten oder Mutter Natur austragen. Trotzdem bleibt ein gesundes Misstrauen: EAs DLC-Politik ist bekanntlich nicht immer vorbildlich, daher wäre eine “Premium-Mitgliedschaft” für mich keine Option.

Ein durchaus waghalsiges Unterfangen! Keine riesigen Areale, keine Vehikel, was Battlefield von der Masse abhebt wird radikal beschnitten und schon wieder sucht DICE damit ganz bewusst die Konkurrenz zum berühmt-berüchtigten Call Of Duty. „Schon wieder?“ Jau! Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Vietnam-Erweiterung für Battlefield: Bad Company 2 damals rein zufällig im Zeitfenster der Vietnam-Variante von Call of Duty: Black Ops gelandet sein soll. Damals gab es aber noch das bekannte Spielgefühl und die Erweiterungen waren lediglich von kosmetischer Natur. Nun probiert man sich auch an Eigenheiten schneller Multiplayer-Shooter in übersichtlichen Gebieten.

Da gibt es nichts zu leugnen. „Ziba-Tower“, „Scrapyard“, „Donya Fortress“, sowie „Operation 925“ wirken wie Cage-Fights. Alle Maps sind für Battlefield-Maßstäbe gradezu winzig und ausgesprochen verwinkelt – irgendwie gar nicht mehr nach unserem Battlefield-3-verwöhnten Geschmack. Zu oft werden wir von einem Gegner überrascht, der grade um die Ecke hopst. Und wenn wir in Sekunden von einer Map-Grenze zur anderen gelangen können, setzt bei uns Beklemmung bis hin zur Klaustrophobie ein. Auch der Variantenreichtum leidet spürbar. Es muss ja auf jeglichen Fahrzeugeinsatz verzichtet werden. Die Karten sind viel mehr auf Geschwindigkeit getrimmt – bis hin zum totalen Übersichtsverlust. Und wir vermissen das Epos: Keine dramatischen Flugzeugabstürze oder kollabierende Gebäude, kein Hörsturz vom Abschuss des Panzers, neben dem wir grade stehen, keine spannungsgeladene Anreise zum Konfliktherd. Kurzum: Hier wird alles aufgefahren, was uns von Call Of Duty vertrieben hat. Wir wollten nie wieder zurück zu Mini-Maps, Dauer-Gehetze, Sekunden-Respawns oder Spray-Kills …

Battlefield-Konzentrat

Was hat Close Quarter dann schon groß zu bieten? Hier brilliert Battlefield 3 im Detail, denn es existiert immer noch die innig geliebte Schlacht-Atmosphäre! Zwar fehlt die Weite, aber auch in kompakter Form weiss DICE die Frostbite-2-Engine auszunutzen und sie haben nicht übertrieben: Auf keiner anderen Map geht soviel zu Bruch wie im Tower oder dem Bürogebäude von „Operation 925“! Ein nicht zu unterschätzendes Feature, denn man hat wegen des fortschreitenden Grads der Zerstörung den Verlauf des Kampfs jederzeit vor Augen. Nahezu jeder Schusswechsel im Porzallenladen erhält durch das Einbeziehen der Kulisse eine ungekannte Wucht.

Durch den allgegenwärtigen kollateralen Schaden, der natürlich auch eine etwas andere Spielweise als bei unzerstörbaren Deckungen erfordert, bleibt das typische Battlefield-3-Gefühl erhalten, denn es fühlt sich authentischer und organischer an als jede andere Puppenhaus-Map. Hier rennt keiner mehr in einer unkaputtbaren Schiessbude rum, die größere Interaktion mit der Umgebung lässt daher nicht nur Call of Duty noch abstrakter wirken. Leider erfüllt nicht jede Map diese Eigenschaft, das verlassene Stahlwerk „Scrapyard“ ist ziemlich stabil, sieht aber dafür am besten aus.

Durch das begrenzte Areal entfallen lange Laufwege zu den Eroberungspunkten oder Shootouts. Die größere Hektik wird durch das bewährte Teamplay etwas aufgefangen. Im Squad fühlen wir uns immer noch am wohlsten und dort haben wir immer noch die besten Überlebenschancen. Lange Flure und kleine Räume konzentrieren die Schusswechsel, verlaufen sich aber auch. Es gibt daher kaum Nadelöhre, wie etwa auf der “Metro”-Map, in der es sich bei einer höheren Spielerzahl regelmäßig an den Treppen staut und in Granaten-Konfetti ausartet. Dafür ist das Spieltempo ungleich höher und fordert mehr Achtsamkeit vor Respawns im Rücken. Aber selbst 32 Spieler können die Maps durchaus handhaben. Es herrscht dann zwar gerne Chaos, aber wer flott leveln will muss nun nicht mehr in die überlaufene Metro.

Genug des Mimimi! Wer Battlefield 3 nur auf Vehikel und Landschaft reduziert, der kann sich diesen DLC wahrlich sparen. Gelegenheitskrieger bekommen hingegen ein bereicherndes Paket mit einer ungewöhnlichen Spielerfahrung. Close Quarter liefert die „Snack-Maps“. Wir sind sofort im Spiel. Keine langatmigen Kämpfe sondern Mann gegen Mann, ausgetragen in Sekunden. Konstante, brachiale Action in einer Umgebung, die nicht weniger faszinierend, ist als die üblichen Battlefield-3-Maps! Ohne das Zerstörungssystem wäre es aber tatsächlich ein vollkommen beliebiges Call-of-Duty-Erlebnis, das der Fan wirklich nicht braucht. Allerdings hat man sich auch recht flott sattgesehen und die Maps erzeugen kaum die Haltbarkeit der Städte, durch die man ansonsten wüten kann. Trotzdem erweitert Close Quarters das Spektrum von Battlefield 3 um eine neue, spannende Facette, die das Hauptspiel natürlich nicht verwässert oder schlechter macht. Im Gegenteil! Ich bin nun sehr gespannt auf das andere Extrem namens Amored Kill!