Impressionen: Portal 2 – Puzzle Maker-DLC

Seit dem 8. Mai hat GLaDOS eine Menge neuer Kollegen. Der Puzzle Maker-DLC macht aus den Portal-Schützen testwütige „Mad Scientists“ und die Labor-Ratten jubeln!

Knobelst Du noch oder baust Du schon?

Verglichen mit anderen Valve-Produktionen ist Portal ein überschaubares Vergnügen. Das Denkspiel ist keine Arena, in der sich ständig Zombies, Cartoon-Figuren oder Weltkriegs-Soldaten die Köppe einschlagen könnten, in Portal ist die Map der Gegner. Und die variiert keine Taktik, will keine Revanche, das Spiel ist nach dem Abspann bezwungen und der Reiz damit größtenteils dahin.

Mit der „Perpetual Testing Initiative“ legen die Entwickler nun einen kostenlosen spielinternen Map-Editor nach, dessen Umfang auf die absolute Essenz heruntergedampft wurde. Jedes bekannte Puzzle-Element ist trotzdem verfügbar und lässt sich in den Kammern vollkommen intuitiv verwenden. Ohne Programmierkenntnisse können Schalter, Hebebühnen, Lichtbrücken, Transportröhren etc. platziert und kombiniert werden. Es ist ein Leichtes portalfähige Oberflächen zu definieren oder die eigenen Räume aus der Ausgangskammer heraus zu schnitzen – man bekommt alles zur Hand, was es für eine typische Portel-Knobelei braucht. Durch das rechtwinkelige Bauklotz-System ist ein einheitliches Maß gegeben, das verwinkelte Detailarbeit vermeidet und sich ausschließlich auf die Lösungspfade konzentriert. Eine Testkammer auszubrüten ist durch die streng limitierten Editionsmöglichkeiten ein extrem eingängiges Unterfangen und steht damit in bester Tradition zum Spiel: leicht zu lernen, schwer zu meistern.

Denn trotz des überschaubaren Werkzeugkasten ist das zimmern einer Testkammer ein ähnliches spielerisches Vergnügen wie ihre Lösung. Steht eine Map in den Grundzügen gilt das Abklopfen auf Bugs, Glitches und unerwünschte alternative Lösungswege. Kreativität und Logik prallen aufeinander, was höchst amüsante Momente nach sich ziehen kann, wenn die Testsubjekte die eigene vermeindlich ausgefuchste Karte komplett anders als gedacht bewerkstelligen. Dass sowas nicht frustet, sondern anspornt, liegt am „umgekehrten“ Rätsel-Charakter.

Occupy Portal

Zum Zeitpunkt des Artikelschreibens sind über die hauseigene Mod-Verteilerstelle Steamworks bereits über 50.000(!) neue Räume verfügbar! Damit setzt sich Portal in nur wenigen Tagen an die Spitze was seinen Spielumfang angeht und liegt damit bereits weit vor den Inhalten eines Skyrim. Allerdings ist natürlich nicht jede Map ein Highlight – im Gegenteil. Einige sind schlicht vertane Zeit, weil Witzbolde ganz offensichtlich unlösbare Rätsel hochladen. Es gibt viel Anspruchsloses, die erste Kreation ist halt eher selten ein Geniestreich und vielen fehlt eine Struktur, sie lassen den Spieler in einem komplett portalfähigen Raum alleine mit nahezu endlosen Möglichkeiten und viel Trial & Error. Die üblichen pubertären Witzchen wie Penis- oder Hakenkreuz-Maps dürfen natürlich auch nicht fehlen, aber man täte dem Ideenpool unrecht, würde man ihn auf die weniger gelungenen Auswüchse reduzieren. Die meisten Innenarchitekten sind ausgesprochen findige Baumeister, die mit sichtlicher Leidenschaft ausschweifende Portal-Komplexe errichten. Es wurden schon klassische Labyrinthe gesichtet. Ein Flipper und eine Mini-Kampagne, die dem Original-Spiel in nichts nachsteht!

Das Bewertungssystem von Steamworks sorgt für etwas Durchblick im Map-Wust und die besten Community-Ergebnisse sind vollkommen berechtigt auf den vorderen Plätzen geparkt. Der verdiente Spitzenreiter Angry Maps ist phantastisch spielbar, großartig ausgetüftelt, hat spektakuläre Script-Sequenzen und optisch so gar nichts mit der Tristesse aus dem Editor gemein, denn der Schöpfer hat sein Meisterwerk komplett mit Valves hauseigenem Tool Hammer erstellt.

Hintergedanken

Hier liegt ein Makel im ansonsten durchweg gelungenem DLC. Man kann Rätsel, aber kaum Atmosphäre erstellen, dabei liegt grade dort ein großer Reiz der Portal-Serie. Angry Maps nimmt einen mit seiner lebhaften Umgebung sofort gefangen, lange Laufwege laden zum Schwelgen in der Kulisse ein, es gibt sogar einen Endgegner! 

Portal war für mich seinerzeit ein typisch trockenes Knobel-Spiel wie viele andere auch. Ich wurde bekehrt, als sich sprichwörtlich die Hintergründe auftaten und plötzlich in den Maschinenräumen mit der Portal-Kanone um die Flucht kämpfte. Das Abstrakte war futsch, es ging nicht mehr um die Rätsel, sondern um GLaDOS, die sich konstant zum kultigen Gegenspieler aufschwang. Vielleicht ging’s auch etwas um Kuchen, aber als klar wurde, dass man aus der Cube-Ausgangssituation ausbricht und sich auch noch eine Geschichte hinter dem Geknobel abzeichnet, bekam das Spiel Tiefe.

Weil der Puzzle Maker keine dekorativen Möglichkeiten bietet, hat jede Map einen neutralen, klinischen Anstrich. Zwar meldet sich Cave Johnson anfangs immer noch launig zu Wort, aber wer etwas Atmosphärisches bzw. Abwechslung hinzufügen will, kommt – momentan? – um den Hammer-Editor nicht herum. Mit dem lassen sich die Karten aus dem dem Puzzle Maker problemlos reinladen und weiterverabeiten, aber dafür braucht es allerdings wieder etwas mehr KnowHow. Der Entwickler der Angry Map ist mittlerweile übrigens bei den Payday-Machern Overkill-Software untergekommen, was bestimmt auch an seiner Visitenkarte lag.

Testergebnis

Für den kurzweiligen Denksport bietet der neuste DLC also einen schier unerschöpflichen Fundus. Und trotz kaum vorhandener Optionen den eigenen Kreationen „Leben“ einzuhauchen, ist bereits nach dem ersten Testraum vollkommen verständlich, warum GLaDOS eine so eine linkische Freude entwickeln konnte, die Labor-Ratten in die „Think-Tanks“ einzukerkern. Sie ist wohl doch nur ein Mensch.

Gewinnspiel: Rayman-Origins- und Rabbids-Merch [beendet] Gewinnspiel: 3x Lockout-T-Shirts [beendet]