Kolumne: Diablo 3 und der ungerechte Hype

Wir befinden uns einen Tag vor dem 15. Mai. Die versammelte Videospielgemeinde sehnt sich das Erscheinen von Diablo 3 daher. Die ganze Videospielgemeinde? Nein! Eine von unbeugsamen Spielern bevölkerte Randgruppe hört nicht auf, dem Hype Widerstand zu leisten.

Zu genannter Gruppe darf wohl auch ich mich zählen. Mich, seit dem ersten Super Mario-1UP-Pilz den Konsolen verschrieben, konnten zugegebener Maßen auch nur wenige PC-Spiele hinter dem Fernseher hervorlocken. Aber ja, auch an mir ist ein Diablo oder Diablo 2 nicht spurlos vorübergegangen. Während mich der Erstling jedoch damals durch sein noch recht neues Spielsystem fesseln konnte, reichte diese Faszination für Teil 2 bei weitem nicht mehr. Das gleiche Spiel noch einmal in schön? Warum?

Redundanz verjährt

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Und die gleiche Frage möchte ich mir jetzt, nach einem kurzen Ausflug in die Diablo 3-Beta, auch stellen. Teil Drei ist Teil zwei in schön, mit kleinen kosmetischen sowie anwenderfreundlichen Änderungen. Und deshalb rennt die halbe Nation Blizzard die Bude ein? Stellt sich einen halben Tag in Gamescom-Warteschlangen? Oder bietet ihre Körper für einen verfrühten Beta-Einstand feil? Verjährt die Redundanz eines ewiggleichen Spielprinzips, wenn man uns Videospieler einfach lange genug auf einen Nachfolger warten lässt? Vielleicht sollte diese Strategie an die FIFA-, Call of Duty- oder Assasin’s Creed-Vertriebler dieser Welt herangetragen werden? Vielleicht wurde hier ja eine perfide Marketing-Strategie ausgeheckt: Dem wartenden Kunden einfach vermehrt die Tür vor der Nase zuknallen, sodass dieser nur noch umso mehr hinein möchte.

Und auch wenn Blizzard durchweg gute Qualität abliefert, und sich mit seinen etablierten Serien Release für Release eine goldene Nase verdient, bleibt die schmerzliche Frage zurück, warum gerade ein Branchenriese wie Blizzard nicht mehr Mut für Neues aufbringt. In seinem Firmensitz in Kalifornien ist man ja schließlich nahezu autark. Mit Kassenschlagern wie World of WarCraft ist man in Videospielkreisen ein Phänomen. Warum dann also nur ausgetretene Pfade noch einmal sauberfegen und nicht Unkraut für einen neuen Weg an anderer Stelle jäten? Keines der bis jetzt offengelegten Details zu Diablo 3 konnte mich wirklich in Erstaunen versetzen. Alles wirkt bekannt, wenn auch aufgehübscht – ein old-school-Hack’n’Slay-Happen im Zeitalter monumentaler RPG-Festmahle wie Skyrim oder Mass Effect.

Der Aufruf

Diablo-3-fun_Bild_03Warum also das baldige Erscheinen als einen Nationalfeiertag zelebrieren und Frau samt Kind für den Rest des Jahres wegsperren? Wo wart ihr, als ein Journey dieses Jahr klammheimlich in das PlayStation Network geschlichen ist und dem Medium Videospiel wieder neuen Zunder verliehen hat? Oder als die liebevoll hergerichtete Indieperle FEZ nach langer Entwicklungszeit endlich des Licht des Xbox-Live-Marktplatzes erblickt hat? Ich möchte an dieser Stelle weit weniger eine Lanze für großartige Independent Games brechen, als vielmehr einen Aufruf starten:

Beantwortet mir bitte die brennende Frage, warum ich denn ausgerechnet Diablo 3 dieses Jahr gespielt haben muss. Warum sollte man es unbedingt auf dem Zettel haben? Was ist für euch der triftige Grund, das Erscheinen nicht weiter abwarten zu können?

… während ich auf Antwort warte, gibt‘s einen weiteren Durchgang Journey!

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