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Games Essen Seele Auf: das große Empören und das bißchen Scheinheiligkeit

Wenn der Gamer von heute eines besonders gut kann, dann ist es das Empören. Das mehr oder weniger künstliche Aufregen über mehr oder weniger banale Umstände. Aber die Ausmaße des Feedbacks über einen Gamescom-Beitrag in RTL-Explosiv überraschten mich dann doch…

Und die Reaktion des angegriffenen Reporters wirft schon eine berechtigte Frage auf – fehlt es Spielern wirklich an Humor? Eine humorvolle Berichterstattung wäre eine Voraussetzung, RTLs Gamescom-Aufarbeitung ist ohne Zweifel eine schlichtweg dumme Inszenierung von gestrigen Klischees. Deshalb stellt sich die viel wichtigere Frage – fehlt es Spielern nicht eher an Coolness?

Ich hätte niemals gedacht, dass ein so blödes, kleines Filmchen einen solchen Sturm der Entrüstung generiert, dass sich RTL zu Entschuldigungen im Netz und via TV genötigt sah. Damals gab es in “Killerspiel”-Debatten *wesentlich* dramatischere mediale Entgleisungen, die bis heute nachhallen und viel mehr Schaden anrichten konnten. Dieses virale Aufgebehren aber steht für mich in keinem Verhältnis zur Bedeutung eines Ausschiss aus den schmierigen Tiefen des Boulevard. Zumal man es den Reportern auch immer noch so leicht macht. Was kann man denn erwarten, wenn Pubertierende mit Bier und in albernen Militär-Kostümen vor RTL-Kameras aufmaschieren? Solches Gebahren ist den Medien eine dankbare Steilvorlage und zementiert den schlechten Ruf, der natürlich gerne zelebriert wird, ist Unterhaltungssoftware doch die größte Konkurrenz für’s TV. “Wie lange spielst du denn so?”, wird scheinheilig gefragt und die Antwort bedeutungsschwanger im Raum gelassen. Dass drei bis vier Stunden TV-Glotzen täglich allerdings auch zum Pensum des gemeinen RTL-Zuschauers gehört, muss man sich natürlich selbst denken.

Es ist interessant, wie RTL sich wohl aus Versehen mit der eigenen Zielgruppe anlegt. Da liegt wohl das große Mißverständnis, denn das Vorführen von Menschen funktioniert ja andernorts hervorragend und ist in ganzen Sendungen Prinzip. Und hier wird’s heuchlerisch. Ich würde mich wohler fühlen, wenn ungleich erniedrigendere Produktionen wie Das Model und der Freak, in der ständig skurille Typen vorgeführt werden, die nicht weit weg von Gamer-Sterotypen in Szene gesetzt werden, ebenfalls einen Knall vor den Bug bekämen. Aber da bleibt die Community merkwürdig still. Gerne sind Gamer schlechte Eltern, die von Supernannys auf die Spur gebracht werden müssen oder verzogene, vereinsamte Bälger in Erziehungscamps etc. Wo bleibt denn da der Aufschrei? Wo ist die Empörung, wenn ein Junge in genässter Hose von einem “Poptitan” gedemütigt wird? Im Gegenteil, sowas ist ist dann ein Facebook- bzw. YouTube-Renner und beschert nebenbei Traumquoten, da ist es mit dem Mitgefühl plötzlich nicht mehr weit her. Es gibt keine Wut in der Community, wenn Menschen im TV drangsaliert werden, sondern ein Publikum. Der “Humor” beschränkt sich auf die Schadenfreude gegenüber anderer. So sollte auch der Gamescom-Bericht funktionieren, aber das exzellent eingespielte, vernetzte aber auch hochsensible und paranoide Opfer wurde von RTL unterschätzt. Offenkundig sitzen da keine Spieler. Trotzdem wäre so viel mehr erreicht, wenn man sich dieser Basis öfter bewusst wäre und durch sie Heidi Klum für ihre Bombardements auf Intellekt, Geschmack und Menschenwürde zu einer Entschuldigung zwingen würde! Sowas müssen dann Politiker(!) oder …buhu… Gutmenschen erledigen. Ein Sorry der Explosiv-Redaktion auf einen bewusst provokanten Report ist ein Phyrrussieg. Wenn überhaupt. Trash-TV ist beliebt, billig zu produzieren und natürlich Wunschdenken, dass man im Netz daran etwas ändern könnte.

Jeder ist sich also doch selbst der nächste. Der Gamer vielleicht sogar etwas mehr. Spieleproduzenten dürften über das Beben im Netz gegen RTL nur müde lächeln. Wenn ein Kopierschutz mal wieder als Verstoß gegen Menschenrechte hochgejazzt wird, werden ganz andere Aufstände mobilisiert mit wesentlich empfindlicheren, sprich: wirtschaftlichen Konsequenzen. Daher, liebe Mitgamer: Coolness ist Understatement. Man muss nicht mit Schaum vor dem Mund jeden feuchten Furz aus dem Sommerloch zum Wirbelsturm verklären, insbesondere dann nicht, wenn nebenan schon längst Land unter ist. Empört Euch! Aber richtig.