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Games Essen Seele Auf: Mass Effect 3 – wehret den Enden?

 

Da ist sie wieder, die Fratze des hässlichen Gamers. Nicht, dass unsere Gemeinde arm an hitzigen Themen wäre. Jeder AAA-Titel lockt Miesepeter so zuverlässig aus den Löchern wie morgens die Sonne aufgeht, aber die Wut über fünf Minuten aus über hundert Spielstunden ist ungewöhnlich.

Der Protest betrifft die Enden von Mass Effect 3. Jeder halbwegs informierte Spieler wird über den Unmut gestolpert sein, den Bioware sich mit dem Abschluss der Triologie auf sich gezogen hat. Da es kaum möglich ist über das Finale spoilerfrei zu schwadronieren, verweise ich an dieser Stelle dezent auf eine: *Spoiler-Warnung!*. Weiterlesen also auf eigene Gefahr…

Wo liegt das Problem? Nicht wenige Spieler beklagen sich über zu ähnlichen Enden, die sich augenscheinlich erstmal nur durch die Farbe unterscheiden. Man erfährt, auch abhängig von der Spielweise, eher wenig über Sheps Schicksal oder seine Gefährten, vorherige Entscheidungen lassen kaum Konsequenzen über den Schlusspunkt hinaus erkennen.

Prinzipiell stimmt der Vorwurf. Ich habe sechs Enden freigespielt, jungfräulich und mit importierten Spielstand, mit 50% “Galaxy At War”-Wert und mit 100%. Ja, die letzten fünf Minuten sind sehr ähnlich gestaltet, variieren lediglich dezent im Umgang der Reaper, der Farbe des Strahls, der Länge und der Cast-Auftritte. Haben diese fünf Minuten nun wirklich das Potential, die gesamte Triologie in Verruf zu bringen oder zumindest den dritten Teil zu versauen? Sind alle bestandenen Abenteuer, jede Zuneigung zu den Charakteren auf einmal hinfällig, weil auf den letzten Metern gepatzt wurde? Steht Bioware damit in der Pflicht, gefälligst ein Ende nach Maß zu zimmern?

Es erschreckt mich – wieder mal – mit was für einer Selbstgerechtigkeit und Dreistigkeit nach einem Wunsch-Finale geschrieen wird. Dass Gamer wieder einmal nur Fordern, anstatt sich Auseinanderzusetzen. Daran sollte ich mich gewöhnt haben, aber trotzdem wurmt der Buhai um fünf Minuten Epilog, denn das Ende dauert im Grunde mehr als eine Stunde! Nicht Sheps “Welches Tor wählen sie?” ist das Finale, sondern das Einen der Galaxie, die Allianz der Kulturen gegen die Reaper beschliesst das Epos. Deren bombastische Inszenierung kann niemand ernsthaft anzweifeln. Und es geht immer gleich aus: Shepard kommt weiter als jeder andere Vertreter einer Spezies, weshalb der Katalysator sein Prinzip überdenken muss. Das ist Shepards Erfolg. Für mich wird hier ME geschlossen, der Rest ist Bonus.

Dabei gibt keinen eindeutigen Gewinner oder absoluten Verlierer, keine gute oder schlechte Wahl. Diese Grauzone zieht sich durch die gesamte Triologie, nahezu alle Entscheidungsmöglichkeiten in allen Teilen basieren auf diesem Umstand, daher überraschen diese schwammingen Rausschmeisser überhaupt nicht.

Vermutlich stört es die meisten einfach nur, dass es keinen klassischen Bad Guy zu besiegen und triumphieren gibt. Selbst der Unbekannte vertritt eigentlich menschliche Ziele und die Absichten des Katalysators erschöpfen sich ebenfalls nicht in stumpfen wie diffusen  Herrschaftsansprüchen. Es gibt keinen Imperator, keinen Sauron, kein Schwarz/Weiss. Dadurch wird kaum Katharsis geboten, weil eigentlich alle nur das Beste wollen. Shep bleibt nur übrig an den Details zu schrauben.

Das Finale konnte nur eine No-Win-Option werden. Zwei Spiele lang wurde ein Mythos gefüttert, der sich irgendwie erklären oder auflösen musste. Bioware ist damit für viele an seiner eigenen Qualität gescheitert, schürte durch seine Komplexität und spielerische Vielfalt Erwartungen, die auf ein spezielles Ende für jeden der Millionen Spieler hindeuteten, was aber natürlich nicht erfüllt werden konnte. Stattdessen wird die Triologie so konsequent geschlossen, wie sie eröffnet wurde, Individuelles findet man lediglich in den Details. Das kann man schrecklich finden, weil dem eigenen Liebling kein Abschlussbild vor einem kitschigen Sonnenaufgang vergönnt ist oder keine Pärchen mit zarten Küsschen hinter der Credits posieren. Viel hätte es für ein hollywoodsches 08/15-Finale wirklich nicht gebraucht. Ausser vielleicht Überwindung. Die Erde sieht in Shep keinen neuen Heiland. Keine Michael-Bay-Einstellungen schwelgt über die vielen, selig lächelnden erlösten Rassen und Völker, kein General salutiert vor uns voller Stolz. Keine große Liebe fällt uns überschwenglich in die Arme. Wir sind also doch nicht Bruce Fuckin’ Willis! Shame On You, Bioware!

Daher die Unverschämtheit. Die  Arroganz, die pure Gier der Gamer: eine Petition für ein “besseres Ende” – was auch immer das sein soll. Wenn ich jedesmal einen aufgestachelten Gamer-Mob für ein neues Finale anheizen würde, dann würden sich Entwickler gar nichts mehr trauen. Aber da gibt es zum Glück noch ein paar mit Eiern! Der berühmte Koitus Interruptus in Half Life 2 konnte in keinster Weise am Kult-Status der Reihe kratzen – vielleicht sogar grade deswegen? Kane & Lynch 2 schmeisst Dich so grob aus dem Spiel, wie sich die Gangster während des gesamten Spiels gebären. Der Camcorder-Look vermittelt treffend das Gefühl, dass hier quasi das Band zu Ende sei – die Fans würden’s kapieren.

Du willst miese Enden? Ich habe in drei Modern Warfares die gesamte Erde in Schutt und Asche gelegt, das Ende kommt nicht mal annährend an die besseren Script-Sequenzen während meines Feldzugs heran. Battlefield 3 verpufft ebenfalls elendig in einem runtergedimmten Finish, das man definitiv nicht zu den größten Momenten des Spiels zählen kann. Bei RAGE weiss ich bis heute nicht, ob ich das Finale versehentlich weggeklickt habe, ein Höhepunkt ist im Grunde gar nicht vorhanden. Assassin’s Creed wird regelmäßig mit großen Toleranz-Anforderungen beendet, warum funktioniert es da? Crysis! War das etwa ein “Ende”?! Bei Syndicate erinnere ich mich kaum wie’s eigentlich abschliesst – ich hab’s vor zwei Wochen gespielt. Wo gab’s da etwas zum Unterschreiben?
Und um ehrlich zu sein, ich habe das erste Mass Effect vor wenigen Tagen freudig nochmal ausgepackt, denn auch hier kriege ich das Finale nicht mehr zusammen.

Limbo oder Dear Esther lassen einen komplett in der Luft hängen. Da geht das Spiel im Internet weiter, wenn es um Interpretationsversuche geht. Kaum jemand kommt in diesen Fällen auf die Idee es als Zumutung zu empfinden, sich Gedanken über das Spiel hinaus machen zu müssen. So geht es also auch und vielleicht wollte Bioware ähnlich Virales anregen, aber man hat da wohl das Spitzfindige des Gamers unterschätzt. Andererseits wäre das Ziel erreicht – man spricht jedenfalls darüber.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass das Publikum nicht zwingend den besseren Geschmack gepachtet hat! Ich verweise auf das wohl traurigste Beispiel. Der Film Der kleine Horrorladen, um eine riesige, singende fleischfressende Pflanze namens Audrey, bekam 1986 ein Happy End spendiert, nachdem sie in die Fratze des hässlichen Testpublikums sehen musste. Das ursprüngliche Ende ist ein millionenteueres, surreales Spektakel, in der die Pflanzen Amerika überwuchern und speziell New York den Erdboden gleichmachen. Diese bemerkenswerte und filmhistorisch bedeutsame Sequenz versprüht heute nur noch als krümeliger S/W-Rohschnitt in Youtube eine Ahnung von dem, was den Zuschauern damals entgangen ist, denn – so Regisseur Frank Oz über die Test-Gucker – “The audience hated us”.