Games Essen Seele Auf: Noob! Na und?

Battlefield 3-Beta. Mitten in der Metro zünde ich den Raktenwerfer und bevor das Geschoss den Lauf verlässt weiss ich bereits, was dafür zurück kommt. Nach dem Einschlag rattern dementsprechend die “Noob”-Titulierungen durch den Chat.

Im Grunde ist der Begriff ja eher sympathisch. Ein “Noob” umschreibt ja lediglich einen Amateur bzw. Anfänger und ist damit noch einer der gewählteren Ausdrücke für Online-Schmähungen. Es spricht sehr für die Community, dass kein derberer Ausdruck zum geflügelten Wort auserkoren wurde. “Noob” klingt harmlos, fast wie ein Kosename. Kaum zu glauben, dass man sich in Momenten höchster Frustation den Abstieg in tiefste verbale Niederungen verkneift und dem Gegner lediglich das Glück eines Anfängers unterstellt. Selbstverständlich bleibt der Hohn im Vordergrund. Das Geringschätzen einer Leistungen, die tatsächlich glücklich gewesen sein kann, aber auch eine einfallslose Spielweise muss sich zuweilen trotz respektabler K/D-Ratio dieses Urteil gefallen lassen.

Es wäre einfach sich an notorischen Nörglern, Trash-Talkern oder verbalen Rambos abzuarbeiten. Ein Wutausbruch kommt zwangsläufig in jedem Online-Wettstreit irgendwann mal zum Vorschein, aber der Gehalt der Diffamierung richtet sich auch an den persönlichen Ehrgeiz. Wer keinerlei Ambitionen hegt in einem Spiel bzw. Match überhaupt erstmal ein “Pro” zu werden, dem ist auch der spontan in Erinnerung gerufene Neulings-Status wohl eher schnuppe. Klar will man gewinnen – aber zu jedem Preis? Will ich hunderte Stunden in ein Spiel versenken, um irgendwann auch mal Einsteiger runterputzen zu können?

Ich, der Level 7-Noob habe u.a. einen Level 30-Veteranen am M-Com zerbombt. “Noob” ist im diesem Fall eine Feststellung mit immensem Wahrheitsgehalt, auf die ich freundlichweise aufmerksam gemacht wurde, um mir bloss nichts auf diese Aktion einzubilden. Das ist gut zu wissen, allerdings liegt es mir sowieso fern, irgend jemanden etwas in einem Online-Spiel beweisen zu wollen. Ich habe da noch nie Anspruch auf eine sonstwie geartete Professionalität entwickelt. Online-Gaming ist für mich im besten Fall kein Wettkampf, sondern ein kollektives Erlebnis! Kein Messen von Skills, sondern das gemeinsame Bestehen eines Abenteuers. Dummerweise weiss das keiner meiner Gegner. Oder zum Glück – wer weiss, was ich mir als Gelegenheits-Zocker ansonsten anhören müsste.

Jaja. …”Weichei!” …”Warmduscher!” …”Koop-Player!”. Stimmt! Ich liebe entspanntes, kooperatives Spielen, aber auch so mancher Online-Krieg muss mich Teilzeit-Soldaten aushalten. Dann muss zumindest die Stimmung passen und Battlefield 3 bietet mit seiner mehr als oppulenten Gestaltung die dichte Atmosphäre, die ich einfach geniessen kann. Ein paar Kills sind ein ein netter Bonus, ein Gewinn ist ein Happy End, aber das Game muss mich in erster Linie einnehmen. Battlefield 3 ist in seiner Detailverliebheit wie geschaffen für ein paar Runden mitreissende Kriegs-Action. Feuere ich eine Rakete in ein gegnerisches Squad, dann um den Schweif zu beobachten, das Lichtspiel, der wuchtige Einschlag, das Zertrümmern der Umgebung unter phantastischen Soundeffekten. Mir geht’s um den Moment, nicht um das Ergebnis und sowas kann mir auch ein anschliessender “Noob”-Ticker nicht versauen.

Die ersten Plätze auf dem Scoreboard sind mir merkwürdig egal. Ich muss kein MP-Game bis zur absoluten Perfektion beherrschen, dieser Anspruch ist mir seit jeher vollkommen fremd. So toll Battlefield 3 auch sein dürfte, ich werde da immer ein “Noob” bleiben. Und das gerne, denn trotz aller Leidenschaft zum Online-Gaming bleibt das virtuelle Bashing zu abstrakt, mein Gegenüber zu anonym, als dass ich es persönlich und damit ernst nehmen könnte.

Willst Du mir wirklich einen reinwürgen, dann musst Du mich in der Eckkneipe am Kickertisch schlagen und lass’ dann Auge in Auge den “Noob” los. Den hab’ ich da aber noch nie gehört. Vermutlich, weil sich selbst in der versifftesten Alk-Gruft jeder Dart-, Karten-, Billiard- oder eben Kickerspieler seiner Herkunft bewusst ist. Wir waren alle mal Noobs. Am Tisch und auf dem Schlachtfeld.

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