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Games Essen Seele Auf: Post von der Fachpresse

Über die Meinungs-Differenzen zwischen Fachpresse und User lassen sich hübsche Screenshot-Klickstrecken schaukeln, aber woher rühren eigentlich diese teilweise enormen Unterschiede, in denen man auch waschechte Rivalitäten zwischen Tester und Spieler deuten kann?

Das ist schon etwas befremdlich. In schöner Regelmäßigkeit bekommt die Fachpresse die wildesten Behauptungen zur Wertungsfindung an den Kopf geworfen. Die Publisher würden das Endergebnis mit finanziellen Mitteln mainpulieren, man lasse Wertungen abstimmen, weil in den Redaktionen nur blind ergebene Fanboys vegetieren , denen man eh alles aufschwatzen kann. Die Fachpresse wird zwar trotzdem gelesen, aber Vertrauen gab es höchstens früher mal, wo bekanntlich alles objektiver war. Ein Blick auf Metacritic offenbart allerdings nicht weniger Befremden über die Beeinflussung seitens der Ankläger. Der 81% für Call of Duty Modern Warfare 3 der Fachmänner/frauen steht eine 2 von 10 der User-Wertung entgegen. Wer hat denn nun recht? Wer ist weniger subjektiv?

Vielleicht sollte man mal einen Schritt zurücktreten und sich das Gebahren von uns Gamern etwas genauer betrachten. Kein Zocker kann ernsthaft behaupten, dass der Unterhaltungswert des letzten Call of Duty unter dem einer Germanys Next Topmodel-Versoftung angesiedelt sein soll. Und kaum jemand wird anzweifeln, dass ein beträchtlicher Teil der Wertung bewusst mit Negativ-Urteilen runtergezogen wurde, anders ist die Diskrepanz nicht zu erklären – aber wieso? Woher kommt der – man kann es kaum anders umschreiben – blanke Hass auf ein banales Action-Spiel? Ist das alles eventuell nur ein Gag oder doch ein Kreuzzug für mehr spielerische Qualität? Occupy Metacritic! Vermutlich ist von allem etwas dabei.

Es ist der dritte Teil einer Serie, die noch nie durch Innovationen von sich Reden machte, der Aufwand und Inszenierung stets wichtiger war als spielerischer Tiefgang.  Für MW2 wurde seinerzeit Hollywood-Komponist Hans Zimmer ins Boot geholt, diesmal hat der Oscar-Preisträger Paul Haggis am Script gewirkt, man darf also nicht vollkommen überrascht bzw. verärgert sein, dass zum sechsten(!) mal in Folge ein Call of Duty seine Popcorn-Action zelebriert. Aber ist das Grund genug für eine 2 von 10-Abstrafung? Ist dem Endverbraucher daher mehr zu trauen als der geblendeten Fachjournallie, oder erteilt sich hiermit das Gamervolk nicht doch ein Armutszeugnis, das aus Herdentrieb, Anonymus-Sabotage-Romantik und/oder der simplen pubertären Rebellion den endgültigen Anspruch auf Wahrheit für sich deklarieren möchte?

Im Internet-Zeitalter ist es ausgesprochen bequem, gegen irgendetwas zu sein. Diskussionen kann man unter Nicks abwickeln und jederzeit abwürgen, wenn einem die Argumente ausgehen. Für die Wertschätzung reicht ein Klick auf eine Zahl und sobald man mit solch unkomplizierten Maßnahmen gegen Konzerne wettern kann, ist es natürlich auch ein willkommenes Instrument zur Provokation.  Selbst die misstrauisch beäugte Fachpresse kann sich den “Anti-Hypes” zuweilen nicht entziehen und macht sich gerne mal zum willigen Mitstreiter gegen die dunklen Imperien. So schnell konnte man gar nicht gucken, wie eine News von der PCGames plötzlich verschwand, in der “Wertungsmanipulation” gewittert wurde, nur weil ein MW3-Entwickler um eine ehrliche Meinung auf Metacritic bat. Ausnahmsweise.

War die Fachpresse früher wirklich seriöser? Ich lese Games-Magazine seit die PowerPlay noch eine Beilage in der Happy Computer war. Ich verpasste kaum eine Ausgabe des Amiga Joker und lese bis heute gerne die Kollegen der PCGames bzw. Gamestar. Der einzig gravierende Unterschied ist mir allerdings bei uns Lesern aufgefallen. Wenn uns ein Spiel egal war, dann war es uns auch einfach egal. Früher haben wir Spiele noch gemocht und keine keifenden Attacken initiiert, wenn uns ein Titel mal nicht zusagte. Diesen Eindruck hege ich weiterhin bei der Vielzahl der heutigen Redakteure, deshalb hat deren Urteil für mich ein größeres Gewicht als jeder Brandbrief eines CoD-Antipathen. Oder man vertraut einem Fakt, der die dramatische Schizophrenie der Spiele-Konsumenten auf den Punkt bringt: 2 gegen 12 000 000! So viele MW3-Exemplare wurden bisher verkauft. Ganz objektiv betrachtet.