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Kolumne: Tomb Raider und die Frage ob besser alt oder neu

Mit dem Risiko abgedroschen zu klingen, nehme ich es auf mich zu behaupten: Lara Croft ist eine Legende! Wie sonst soll ich eines der bekanntesten Gesichter der Videospielgeschichte beschreiben? Tomb Raiders Lara Croft steht für sich allein. Mit neun Spielen, zwei Blockbustern, einer unendlichen Schar von weiblichen Cosplayerinnen, Messebabes und neuerdings Crossdressern, ist Lara nicht leicht zu übersehen.

Doch was macht die Videospielmuse zu dem was sie ist? Klar, die Optik spielt eine immense Rolle. Ja, ich meine die vollen Lippen, ihre C-Oberweite oder die immer knapper werdenden Outfits. Doch Optik hin oder her, mir wäre Lara nicht ans Herz gewachsen wenn sie nicht ein robuster, runder Charakter gewesen wäre. Sie hat viele Ähnlichkeiten zu ‚Wonder Woman‘ mit ihrem Körper und ihrer Affinität für Waffen. Doch eines hat Madam Croft, das ‚Wonder Woman‘ niemals besitzen wird: Sie hat einen starken Willen!

Allein, allein oder Die Frage nach dem was ist besser …

Tomb Raider Screenshot 01An ihr kann nicht mehr viel verändert werden, ohne ihre Authentizität zu untergraben und ohne den Charakter zu gefährden. Deswegen dachten sich auch die Entwickler des jüngsten Tomb Raider Abenteuers, Crystal Dynamics, die Serie gänzlich zu ‚rebooten‘ und Lara auf Zeitreise zu schicken.  Die neue, „bessere“ Version ist blutjung, nicht sonderlich erfahren, dafür aber durch quälende Erlebnisse überstrapaziert. Denn im neuen Tomb Raider geht’s ums Überleben. So wird dem armen Mädel die Freundin gekidnappt, sie sieht sich auf einer einsamen Insel gestrandet, wird fast vergewaltigt (ehe sie dem Typen in letzter Minute die Birne wegballert) und zudem muss zudem gegen den Hungertod ankämpfen.

Muss das sein? Berechtigt die Vergewaltigungsgeschichte den späteren Lauf der Geschichte, weil versucht wird, Lara abzuhärten? Ich meine Spiderman war nie ein sexuelles Opfer, nein, männliche Figuren werden durch das Wegsterben der Familie oder durch irgendwelche Mutationen abgehärtet. Aber um einen starken weiblichen Charakter in Videospielen zu erschaffen, muss dieser unbedingt in seiner Vorgeschichte Opfer sexueller Belästigung sein?

Tomb Raider Screenshot 02Der ausführende Produzent Ron Rosenberg meint, das Ziel der wiederholten Härteprüfungen sei es, den Spieler zu sensibilisieren indem dieser das Gefühl hat, Lara beschützen zu müssen. Er führt aus, dass sich männliche Spieler im Regelfall nicht mit Lara Croft identifizieren und somit auch nicht in sie hineinversetzen können. Ihr könnt euch ungefähr vorstellen, für wie viel Aufregung diese Aussage gesorgt hat. Denn Fräulein Croft ist nicht Fräulein Croft, weil sie multiple Traumas und ‚Nahtod‘ Erlebnisse durchlebt hat. Wie auch Tomb Raiders Creative Director Noah Hughes erwähnte, überrascht Lara Croft in erster Linie durch ihre Menschlichkeit. Man ist geneigt sie als echten Menschen zu betrachten und dieser Tatsache wird mit dem forciert erscheinenden Inseldrama kein Kompliment gemacht.

Nerdige Angelegenheit

Ich muss zugeben, nach Tomb Raiders E3-Auftritt war ich auch am Spekulieren, ob ich die jüngere Version überhaupt ernst nehmen kann. Damit ihr mich nicht missversteht: Ich bin PC-Spielerin, neben Warcraft oder Age of Empires war vor allen Dingen Tomb Raider, das dauerhaft in meinem Laufwerk rotierte. 1997 begab ich auf die Suche nach dem Xian Dolch. Laras Abenteuer begleiteten mich während meiner Jugend. Ich war ein Fangirl durch und durch, sammelte Gamesmagazine mit Lara auf dem Cover, schrieb meine eigene Fanfiction und all solch nerdige Angelegenheiten. Doch jetzt, nach der E3 2012, frag ich mich ob mir der Sinn für Humor fehlt. Denn momentan kann ich mich nicht für die jüngste Crystal Dynamics Produktion begeistern. In kurzer Zeit wird sich ja herausstellen ob ich die 21 jährige Croft voreilig verabschiedet habe oder sich eine neue Spielsucht entwickelt. Momentan blicke ich etwas gelangweilt und skeptisch auf die Zukunft Tomb Raiders