Buchtipp: Rise of the Videogame Zinesters

Bücher über Videospiele zu schreiben ist eine Sache, in einem Buch das Medium zu analysieren und zu einer Gegenentwicklung aufzurufen, eine andere. So geschehen bei Anna Anthropys Rise of the Videogame Zinesters (lediglich erhältlich in Englisch). Anna ist Spieleentwicklerin, hat sich jedoch gegen das Establishment verschworen. Warum, und welchen Teil wir dazu beitragen können, Videospiele weniger austauschbare Stangenware, als vielmehr individuelles Kunstobjekt werden zu lassen, verrät sie in ihrem Buch.

Menschen wie du und ich

Rise of the Videogame Zinesters Autorin Anna AnthropyAuch wenn die Autorin selber von gewöhnlichen Videospielen wie Gears of War gelangweilt ist, macht sie doch ziemlich deutlich, dass das Medium eine Kunstform darstellt. „Spiele, digital oder nicht,“ so das Buch, „vermitteln Ideen und Kultur. Ein Aspekt, den sie sich mit Gedichten, Büchern, Musik, Filmen, Skulpturen und Bildern teilt. Ein Bild transportiert die Erfahrung als gemalte Impression, ein Spiel wiederum als ein System aus Regeln.“ Nur doof, dass die Spielentwicklung hauptsächlich von „weißen, jungen und heterosexuellen Männern“ bestimmt werden und somit meist darum kursieren, wie sich „Männer gegenseitig ins Gesicht schießen“.

Die Ideale der Autorin sieht sie dabei in der Wortkreation „Zinesters“ vereint, einer Mischung aus „Fanzine“ (ein von Fans veröffentlichtes Magazin) und „Developers“ (Entwicklern). Möglichst vielen Leuten soll ermöglicht werden, in den zurzeit noch recht „elitären“ Kreis der Spielentwickler einzutreten. Statt auf glattgeschliffenen Massenmarkt-Ramsch sollen individuelle, thematisch breitgefächerte Kreationen das Medium bereichern. Und dabei solle man keinesfalls Angst vor Fehltritten haben – findige Ideen sorgen für frische Impulse und nicht Trittbrettfahrerei. Oder um es mit den Worten der Autorin zu sagen: „Creation is art. It doesn’t need validation beyond that.“ (Erschaffen ist Kunst, es bedarf keiner weiteren Gültigkeitsprüfung)

Viva la Videogame-Revolution

Det Officiella Edge-Dataspelet oder The Official Edge Videogame von Nifflas (Rise of the Videogame Zinesters)

Rise of the Videogame Zinesters ist ein Manifest, das nicht nur Videospiele auf seine Möglichkeiten abklopft, auf Missstände in deren Entwicklung hinweist, sondern auch gleichzeitig zu kreativen Arbeiten auffordert. Dazu gibt die Spieleentwicklerin Einblicke in die Entstehung einiger ihrer eigenen Werke, gibt Interessenten einige leicht(er)verständliche Tools wie GameMaker zur Hand und nennt Beispiele ungewöhnlicher Spielideen. Denn das ist es, was sie bezwecken will: Dass der Leser selber erkennt, dass die Hürde zur Entwicklung eines eigenen Spiels gar keine so große ist, wie uns die Branche eigentlich weiß machen will.

Und das gelingt ihr im Buch vorzüglich. Sie schafft es nicht nur, auf eine interessante und spannende Weise Spiele in ihre elementaren Bestandteile zu zerlegen und ihre Gesichtspunkte zu Videospielen als Kunstform darzulegen, sondern auch, zur Aktivität aufzurufen. Das Buch weckt Lust darauf, selber Spielkonzepte zu entwickeln und kreativ zu sein. Allerdings wirken einige ihrer Ausführungen etwas gedrungen gegen bestehende Videospielcharakteristika zu wettern, denn, auch das sollte man in diesem Zusammenhang nie außer Acht lassen, auch große Entwicklungen tragen einen großen Teil dazu bei, dass Videospiele mittlerweile ebenso zu den Kulturgütern zählen, wie Filme oder Musik. Nur weiterentwickeln könnte sich das Medium sicherlich mit größeren Schritten. Möchtest du vielleicht dazu beitragen?

Anna Anthropys Rise of the Videogame Zinesters ist als englisches Taschenbuchoder als Downloadvariante erhältlich.

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