Test: Blades Of Time

Manche Spiele sind einfach nicht zum Vollpreis geschaffen, auch wenn sie sich noch so anstrengen. Der X-Blades-Nachfolger Blades of Time ist so ein Kandidat, der zwischen den Big Playern keine gute Figur machen würde. Trotz Ayumi!Nun wildert Baldes Of Time sowieso nicht in der Preisregion seiner nächsten Kollegen God Of War oder Devil May Cry. Da wäre die Luft für die gute Ayumi auch ausgesprochen dünn gewesen, und sie sang- und klanglos erstickt.

Gestatten? Laras kleine Schwester!

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Dabei ist die Gute eine robuste wie rabiate Person. Die Schatzsucherin wird von einem Gildenmeister ins sagenumwobene Dragonland gesandt, das unermessliche Schätze, aber auch reichlich Schlamassel verspricht. Wenn Rezensenten zu faul sind, den Inhalt zu verdeutlichen, klatscht man einfach ein “landet in ein Abenteuer” oder auch “findet sich in Intrigen wieder” in den Text. In diesem Fall habe nicht nur wir keinen Bock auf Story: Ayumi gibt recht viel Blödsinn von sich, als würde der Spieler zum ersten mal in seinem Leben eine Fantasywelt bestaunen. Ein nachvollziehbarer und halbwegs interessanter Handlungsstrang ist die Suche nach ihrem Freund Zero, aber die meiste Zeit lullt uns eine Begleiterin über die politischen Zustände in Dragonland ein, die einem im Grunde komplett egal sind.

Selbst die Entwickler zeigen reichlich Desinteresse an ihrer eigenen Geschichte. In den zahlreichen Cutscenes werden lieber Action und Ayumi zelebriert, als irgendwelche storyrelevanten Situationen. Die sind allerdings wahrlich gelungen und bieten der in vielerlei Hinsicht toll modellierten Heldin eine schöne Bühne. Nahezu jede Einstellung taugt zum Wallpaper und verglichen mit der gewöhnungsbedürftigen Anime-Version von Ayumi in X-Blades ist der neue Realismus eigentlich schon das Highlight des Spiels. Selbst wenn sie nur rumsteht kommt die Amazone nicht ohne Mannequin-Gepose aus, aber das unterstützt treffend den gesamten Trash-Charme.

Stumpfe Klingen

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Als kleines Feature spendiert Gaijin ein Rückspul-Feature ähnlich einem Prince of Persia, mit dem Unterschied, dass mit jedem Rewind auch Ayumi wiederholt wird, was bis zu fünf Rückkopplungen von der Kriegerin ausarten kann. Anfangs ein interessantes Prinzip, wenn man mit diversen geklonten Derwischen auf einen Boss oder Gegner-Pulk eindrischt. Allerdings wurde am System nicht gefeilt, so dass sich nur Ayumis Aktionen wiederholen. Zu oft schlagen Gegner daher in der Wiederholung plötzlich eine andere Route ein und die Kopien kloppen oder ballern ins Leere. Man belässt die Funktion daher lieber für die puppigen Schalterrätsel.

Auch beim Hauptaugemerk, den Kämpfen, herrscht Mittelmäßigkeit. Die Schatzsucherin beherrscht viel zu wenig Kombos, die man auch nicht ausbauen kann. Dafür gibt’s eine handvoll hübsche Finisher und ein paar Zaubereffekte, die man an Altaren etwas aufstufen kann. Sie betritt eine Arena, mischt alle auf und dann geht’s weiter zur nächsten – business as usual. Die Kulissen kann man in Urwald, Schneelandschaft, Wüste und Ruine kategorisieren. Bossgegener werden gerne recycled, neue Waffen oder Ausrüstungen kann man ebenfalls an einer Hand abzählen. Dazu grotesk viel Geklone auch abseits der Rückspul-Funktion. Was bei Soldatenhorden verständlich ist, wird mit den sporadisch auftretenden Menschen-Gruppen vollkommen lächerlich. Da bevölkern Zwanziglinge ein abgestürztes Luftschiff und es wird einem wieder schmerzlich bewusst, dass man es mit einer recht preiswerten Produktion zu tun hat.

Qualität statt Quantität

blades_of_time_screenshot1Blades of Time bietet nicht viel, aber was es anbietet hat hohes Niveau! Die Grafik ist zum Beispiel wirklich klasse! Eine Gegnervielfalt ist vorhanden und ausnahmslos toll gestaltet. Auch die Umgebung lädt oft genug zum Bestaunen ein, die Kämpfe spielen sich sehr flott und flüssig, die Effekte haben Wumms und es macht alleine schon optisch viel Spaß mit Ayumi durch die Welten zu wetzen. Sie ist schon ein Hingucker und weitaus besser gestaltet als jede Lara Croft! Der sporadisch auftauchende Freund Zero macht mit seinem Schranktür-Schwert ebenfalls soviel Eindruck, dass man mit ihm auch mal die Klinge sprechen lassen möchte. Da ist sichtlich viel Liebe ins Detail geflossen und es ist schade, dass die Mittel offenbar nicht zu mehr gereicht haben. Dabei hätte es gar nicht viel gebraucht: Ein paar mehr Schlagvarianten, weniger Story-Gequatsche, bessere Rückspulmechanik und der Titel wäre mit Elan über die “8.0” gehüpft.

Auf dem Gipfel der SoftwarePyramide weht ein nicht ganz so rauher Wind und für den nächsten Sale kann man das Spiel trotzdem durchaus für kleines Geld empfehlen, schon weil der PC nicht wirklich mit einer großen Auswahl an simplen “Dresch-Games” gesegnet ist. Die können ja auch durchaus Spaß machen, wenn sie keine zu hohe Erwartungen erfüllen müssen. Manche Spiele sind eben für’s preisbewusste Vergnügen wie geschaffen.

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