Test: Bang Bang Racing Test: Edifier S2000 Stereo-System

Test: Das Schwarze Auge Satinavs Ketten

Daedalic traut sich was. Erst verfrachten die Hamburger das Schwarze Auge kurzerhand vom Rollenspiel- ins Adventuregenre. Und dann verpassen sie ihm auch noch eine Steam-Pflicht! Letzteres sorgte in Fankreisen bereits im Vorfeld für Diskussionen und mittlerweile ist die Spieleschmiede wohl auch selbst nicht mehr hundertprozentig glücklich damit: Der Start am Freitag, dem Releasetag von Satinavs Ketten, ging jedenfalls etwas in die Hose. Die Käufer der Retail-Version konnten ihr Produkt erst am späten Nachmittag bei Steam freischalten. Die Schuld daran ist wohl bei Steam-Betreiber Valve zu suchen, trotzdem ärgerlich für Daedalic, die bei Deponia noch komplett auf ein DRM-System verzichtet hatten.

Zu ihrem Mut bei der Genrewahl kann man den Hamburgern aber indes nur gratulieren: Satinavs Ketten beweist, dass die Welt eines klassischen Pen-&-Paper-Rollenspiels auch eine schöne Heimstatt für ein stimmungsvolles Point-&-Click-Adventure abgeben kann. Und warum auch nicht? Es gibt hier zwar keine Würfel und Kämpfe, ein ebenso wichtiges RPG-Element aber sehr wohl: Eine Geschichte. Und die hier ist es wert, gespielt zu werden.

Eine Krähenplage sucht das Städtchen Andergast und Aventurien heim. Vogelfänger Geron, der als Kind eine unheilvolle Prophezeiung erhalten hat und als “Hexenbalg” verschrien ist, will helfen. Doch die Krähen sind nur die Vorboten einer größeren Gefahr … Nach einem harmlosen und netten Einstieg schlägt die Geschichte im Verlauf düstere Töne an. Wenn ihr im Schlussdrittel des Spiels schließlich nach Andergast zurückkehrt, erinnert nichts mehr an die idyllischen Gässchen vom Einstieg – der Winter ist da und die Bewohner von Angst und dunklen Visionen gezeichnet. Wie präzise Daedalic mit Satinavs Ketten die Stimmung und die Welt der Rollenspiel-Vorlage trifft, können DSA-Kenner sicher besser bewerten. Aber die Jungs haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Wo geht’s zurück nach Aventurien?

Richtig frei ist man als Entwickler aber natürlich nicht, wenn man sein Baby in eine genau definierte Welt wie die des Schwarzen Auges setzt. Vielleicht wollten die Jungs von Daedalic da mal kurz ausbrechen? Geron haben sie neben seiner Reise durch Aventurien jedenfalls auch einen Ausflug in ein Feenland aufgebrummt. Aufgebrummt deshalb, weil diese Episode für mich einen ziemlichen Bruch im Spiel darstellt. Bis dahin und danach sind die Rätsel größtenteils logisch, nicht übermäßig schwer, aber auch nie langweilig. Mit genug Nachdenken, genauem Lesen und ein wenig Ausprobieren kommt man auf alle Lösungen. Schön ist übrigens auch, dass  mit Satinavs Ketten mal wieder ein Adventure Dialogrätsel bietet.

Aber zurück zum Ausflug ins Feenland: Hier herrschen andere Gesetzmäßigkeiten als in Aventurien. Wasser kann auch nach oben fließen, Jahreszeiten ändern sich mit einem Klick und die Rätsel folgen einer gänzlich anderen Logik. Sie sind zugegebenermaßen kreativ, jedoch auch deutlich schwerer als die übrigen, gerade weil hier mit Hinweisen ziemlich gegeizt wird. Das ließe sich noch verschmerzen, aber auch die Stimmung im Feenland ist eine komplett andere als im restlichen Spiel. Ich vermute mal, dieser Bruch ist durchaus gewünscht, aber als gelungen würde ich ihn nicht bezeichnen.

Eine Bereicherung sind hingegen die Zerdepper-und-Reparier-Rätsel. Geron ist ein DSA-Magiedilettant und als solcher kann er Magie nur auf eine Weise einsetzen: Er kann Glas, Ton und ähnliches durch Geisteskraft zerstören. Sein Sidekick Nuri, eine etwas naive, aber liebliche Fee, kann zerbrochene Dinge hingegen wieder heil werden lassen. Das ist für einige schöne Rätsel gut, gerade im Zusammenspiel. Unterm Strich bleiben zwölf bis 20 Stunden großteils gelungener Rätselkost – je nachdem wie lang ihr im Feenland hängt und ob ihr die optionalen Kombinations- und Aktionshilfen nutzt. Und bevor ihr fragt: Ja, eine Hotspotanzeige bietet Daedalic natürlich auch wieder an.

Schön (fast) bis ins Detail

Optisch ist Satinavs Ketten ein echter Genuss. Die Hintergründe sind handgezeichnet und transportieren richtig viel Stimmung. Im Hinblick aufs vergleichbare, aber drei Jahre alte Whispered World liefern die Hamburger hier weit schönere 2D-Szenerien ab. Und auch neuere Konkurrenztitel mit handgemalten Hintergründen, wie etwa The Lost Chronicles of Zerzura (ingame-Test: 8.0) lässt Daedalic mit Satinavs Ketten hinter sich. Flackernde Lampen, wehende Fahnen und andere immer wieder mal in die Hintergründe eingestreute Animationen beleben die Orte zusätzlich. Auch die in Holzschnitt-Optik gehaltenen Zwischensequenzen sind gelungen.

Das-Schwarze-Auge-Satinavs-Ketten-Screenshot-04Dass das Budget für Satinavs Ketten sicher nicht das größte war, merkt man eigentlich nur an den Gesichtsanimationen während der in Nahaufnahme ablaufenden Gespräche. So richtig lippensynchron unterhalten sich die Protagonisten hier nicht. Anders als beim eben erschienenen Memento Mori 2 (ingame-Test: 6.5) und seiner realitätsnahen Darstellung fällt das aber nicht groß ins Gewicht: Gezeichneten Charakteren verzeiht man diese Abweichungen eben weitaus leichter. Ein Wiederhören gibt es mit Sascha Draeger, der neben Tim von TKKG schon manchen Adventurehelden (eben erst in Memento Mori 2) seine Stimme verliehen hat. Den Charakter von Geron trifft er gut und auch sonst bekommt ihr fast durchweg gute Sprecher zu hören. Ebenso wie einige atmosphärische Musikstücke, uns hat es hier besonders das Titelthema angetan.