Test: Duck Tales Remastered

Für die meisten Menschen sind 24 Jahre eine ziemlich lange Zeit, auf Enten – deren Lebenserwartung im Regelfall nur 3-5 Jahre beträgt und das auch nur, wenn kein Weihnachtsessen dazwischen kommt – kann sie aber anscheinend ziemlich verjüngend wirken. So haben die über zwei Jahrzehnte bei Dagobert Duck, dem knausrigen Erpel aus Entenhausen, der 1989 seinen ersten Auftritt als Videospielheld hatte, keine Spuren hinterlassen. Das Gegenteil ist der Fall! Noch nie sah die reichste Ente der Welt so gut aus wie in Duck Tales Remastered! Entwickler Way Forward entstaubte den Kulttitel von 1989 und zaubert uns eine liebevolle Hommage an das Original auf alle gängigen Plattformen. Mit Remakes ist das aber so eine Sache, schließlich muss das Spielgefühl des Originals für alte Fans erhalten bleiben, auf der anderen Seite möchten die Entwickler aber auch eine neue Generation von Spielern für sich gewinnen. Ob das mit Duck Tales Remastered gelungen ist erfahrt ihr in unserem Test.

Alles wie gehabt?

Test: Duck Tales Remastered

Der Geldspeicher dient als Tutorial

Die Antwort lautet ja, zumindest was die Geschichte angeht: Dagobert Duck ist die reichste Ente des Planeten, kann es aber einfach nicht lassen, seinen Wohlstand noch zu vermehren. Es kommt ihm daher sehr gelegen, dass gleich zu Beginn von Duck Tales Remastered die Panzerknacker bei einem missglückten Einbruch in Dagoberts berühmten Geldspeicher eine Schatzkarte zurücklassen. Diese verspricht unermessliche Reichtümer und natürlich ist der Erpel mit Frack und Zylinder sofort Feuer und Flamme! Zusammen mit der gefiederten Verwandtschaft reist ihr mit ihm durch die Weltgeschichte und macht euch an die Bergung der Schätze.

Soviel zur Hintergrundgeschichte von Duck Tales Remastered, die sich sehr an der klassischen Zeichentrickserie orientiert. Erwartet daher keine allzu ausgefeilte Story mit Tiefgang, aber hat es die für ein Jump’n Run der alten Schule je gebraucht? Nein, bei Duck Tales Remastered steht einzig und alleine der Hüpf-Spaß im Vordergrund! Auf der anderen Seite begegnet ihr jeder Menge Figuren aus den Cartoons, die allesamt großartig und durch die Originalsprecher vertont worden sind … allerdings nur in englischer Sprache. Eine deutsche Version auf demselben Niveau wäre fantastisch gewesen, wir müssen hierzulande allerdings mit deutschen Untertiteln vorlieb nehmen.

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In 7 Levels um die Welt

Die fehlende deutsche Vertonung ändert allerdings nichts an der fantastischen optischen Aufbereitung der Level. Diese wurden von der Struktur her leicht überarbeitet und erstrahlen dabei in nie gekanntem Glanz: Am Amazonas trefft ihr beißwütige Pflanzen vor einer farbenprächtigen Dschungelkulisse, in dunkleren Gegenden wie Transsylvanien beleuchtet euer Licht die gruselige Umgebung, in den afrikanischen Minen flüchtet ihr wie Indiana Jones vor einem euch hinterherrollenden Gesteinsbrocken. Auch der Mond und der Himalaya wurden gründlich poliert und wollen von euch auf leicht verzweigten Routen erkundet werden. Dabei hilft euch die jederzeit aufrufbare Karte, die euren nächsten Zielpunkt markiert. Aber auch wie in der Vorlage schummelt Duck Tales Remastered sich hier die Levels etwas größer. Durch teilweise doppelte Laufwege wird das Spiel an dieser Stelle etwas gestreckt. Wie auf dem NES und dem Game Boy liegt auch hier der Reiz darin, die ideale Route durch die Level zu finden … und dabei möglichst alle versteckten Schätze zu entdecken.

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Wer im Schnee steckt muss freieren

Trotz der mauen Anzahl von nur sieben Leveln und der begrenzten Möglichkeiten von Onkel Dagobert spielen sich gefühlt alle Regionen in Duck Tales Remastered recht unterschiedlich. So muss im Himalaya eurer Popo-Stock – die einzige Waffe des Erpels – sehr bedächtig eingesetzt werden. Springt ihr mit dem auf Schnee, versinkt ihr im Boden und seid den Gegnern für einen Moment schutzlos ausgeliefert. Und das wollt ihr ganz und gar nicht sein, denn eure anfangs kümmerlichen drei Herzen sind schnell verbraucht. Auch die zwei Leben auf der mittleren Schwierigkeitsstufe gegen schneller flöten als euch lieb ist. Zwar nutzt ihr nur je eine Tasten für den Sprung und den Pogo-Stock, aber wenn ihr hier nicht das Gefühl für das richtige Timing habt werdet ihr nur schwer auch nur einen der Schätze in die Flügel bekommen.

Wer es nicht schafft, das versteckte Zusatzherz in jedem der Level aufzuspüren bekommt in der finalen Stage – die einer der beiden neuen Level ist– dann endgültig seine Grenzen aufgezeigt. Fans des NES / Gameboy Originals erinnern sich vielleicht noch an das »Wettklettern« zwischen Onkel Dagobert und seinen Erzfeinden Gundel Gaukeley und Mac Moneysack. Damals hatten die Gegner des Erpels keine Chance … heute dürft ihr nicht auch nur einen Fehler machen, ansonsten wars das mit der Schatzsuche. Und auf den letzten Metern danach kommt es noch härter!

Test: Duck Tales Remastered

Diamonds are a Duck’s best friend

Wie bereits gesagt spielt Geld eine große Rolle im Leben des Erpels. Mit den erspielten Millionenbeträgen könnt ihr in einer Kunstgalerie Bilder freischalten, die den Entstehungsprozess von Duck Tales Remasterd illustrieren. Von den Charakteren angefangen über erste Skizzen der Hintergründe bis hin zu deren finalen Tuschezeichnungen schlägt hier das Herz der Fans höher. Aber Obacht, wie bei der Vorlage ist wichtig wie viel Geld ihr am Ende von Duck Tales Remastered mit Onkel Dagobert gescheffelt habt! Je nach Umfang eures Bankkontos bekommt ihr unterschiedliche Enden präsentiert! Also gebt nicht alles auf einen Schlag aus.

Test: Duck Tales Remastered

Gizmo-Duck hilft mir Raketen aus

Ein besonderes Schmankerl von Duck Tales war schon immer die Musik, die ihr ebenfalls in der Galerie freischalten könnt … und sicher auch werdet! Denn auch hier weiß die Neuinterpretation von Way Forward zu überzeugen. Die alten 8-Bit Chiptunes wurden grandios aufbereitet! Der Trick der Entwickler dabei ist, die wesentlichen Soundelemente so zu belassen wie in der Vorlage und mit zeitgemäßer Instrumentalisierung zu vermischen. Wahlweise kann nach dem ersten Spieldurchgang aber auch auf den original 8-Bit Soundtrack umgestellt werden. In beiden Varianten entwickeln sich die abwechslungsreichen Themes der einzelnen Level zu Ohrwürmern, die ihr nicht so schnell wieder loswerdet!

Old School ist das neue New School

Viele Jump ´n Runs der jüngeren Spielvergangenheit zeichnen sich gerade durch ihren sehr fordernden Schwierigkeitsgrad aus. Duck Tales Remastered macht hier keine Ausnahme: Das Spiel ist vergleichsweise schwer, hält sich damit aber getreu an die Vorlage. Aber keine Angst, auch an Anfänger haben die Entwickler bei Way Forward gedacht. Duck Tales Remastered avanciert durch seine drei verschiedendene Schwierigkeitsgrade also nicht zum Dark Souls unter den Jump’n Runs. Trotzdem richtet sich die Entenhüpferei aufgrund des recht hohen Anspruchs eher an die Fans der ersten Stunde: Kids der 90er Jahre. Es macht einen höllischen Spaß Duck Tales Remastered zu spielen und Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten mit dem Original festzustellen. Oft hatten wir dabei Aha-Erlebnisse und die zwei neuen Levels – ein eher einfach gestrickter Tutorial-Level und der abschließende Level im Schlund eines Vulkans – fügen sich gut in das Gesamtbild des Spiels ein.

Test: Duck Tales RemasteredTrotzdem hat man schnell alles gesehen und der Wiederspielwert wird einzig und alleine durch die Galerie und den Ehrgeiz der Spieler bestimmt. Wer keinen Anspruch auf die perfekte Absolvierung der Level hat und sich mit dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad zufrieden gibt, hat Duck Tales Remastered in 3 bis 4 Std. durch. Zwar rechtfertigt die grandiose Wiederbelebung des altehrwürdigen Klassikers durchaus den Preis von knapp 15 €, allerdings fällt das Spiel eher aus wie ein Kinobesuch: Kurz und knackig. Wir fühlten uns in der Zeit gut unterhalten und legen das Spiel allen Fans des Originals uneingeschränkt ans Herz. Alle anderen sollten zumindest Probe spielen und sich fragen, ob ihnen der nicht ganz so umfangreiche Retro-Spaß das Geld wert ist. Das Spiel knostet knapp 15 €, erscheint für den PC  am 13.8.2013, für die PS3 am 14.8.2013 und die Wii U am 15.8.2013. Schlusslicht bildet die Xbox 360 Version, die erst am 11.9.2013 zu haben sein wird.

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