Test: Far Cry 3

Ein eskalativer Partytrip mit den engsten Freunden in ein exotisches Land klingt in der Theorie schön. Doch wenn der vom DJ am Vorabend organisierte Fallschirmsprung auf eine einsame Insel darin gipfelt, dass alle Gruppenmitglieder gefangengenommen und als Sklaven verschachert werden sollen, sieht die Sache doch etwas anders aus.

Ein Ende kann auch ein Anfang sein

Far Cry 3 Test - Screenshot 1Nachdem ihr euren Gefängnishüter und Psycho-Piraten Vaas kennengelernt habt, flieht ihr, animiert von Jasons großem Bruder Grant aus dem Lager. Dies klappt bis zu dem Punkt gut, an dem Vaas die beiden entdeckt und Grant kaltblütig erschießt. Da es ihm aber offensichtlich Spaß macht Menschen zu jagen, lässt er Jason davonlaufen und eine spektakuläre Flucht durch den Dschungel beginnt. Nach der Rettung durch den Eingeborenen Dennis, bringt euch dieser zu seinem Stammesoberhaupt, der schönen und mysteriösen Citra. Nach dem Erkennen eures Potenzials, hilft sie euch dabei, der ultimative Krieger zu werden. Der Weg zur Befreiung eurer Freunde ist somit geebnet.

Selbst ist der Mann

Zu Beginn von Far Cry 3 lernt ihr, aus Pflanzen Wunder-Spritzen herzustellen. Neben Heilspritzen befindet sich so beispielsweise auch eine Spritze für geringeren Feuerschaden im Repertoire. Des Weiteren lassen sich Tiere nach dem Erlegen häuten, um nützliche Ausrüstungsgegenstände herzustellen. Der Gedanke wurde leider nicht vollständig zu Ende gedacht, da sich zwar jedes Tier töten lässt, jedoch nicht alle verwertet werden können. So kann jeder, der keine Lust hat direkt der Handlung zu folgen, erst einmal die Insel erkunden und alles erlegen, was seinen Weg kreuzt. Der Vorteil einer frühzeitigen Jagd: Ihr könnt relativ fix alle Waffenslots freischalten und die Inventarkapazität erhöhen. Denn am Anfang des Spiels steht euch lediglich ein Waffenslot, sowie ein Rucksack mit begrenzter Aufnahmefähigkeit zur Verfügung.Far Cry 3 Test - Screenshot 2Um alle Gebiete auf eurer Karte “sichtbar” zu machen, müsst ihr die Radiotürme erklimmen, durch deren Einschalten außerdem Gratis-Waffen und käufliche Upgrades im Shop erhältlich werden. Hab ihr nach der Partie aus Klettern, Balancieren und Springen die Spitze eines Turms erreicht und diesen reaktiviert, geht es mit der Seilrutsche wieder zurück an den Boden. Sowohl die Idee der Türme, als auch die Ansicht der unerkundeten Gebiete auf der Karte und das Plündern von Leichen erinnern stark an Assassin´s Creed. Wenig verwunderlich, stammen doch beide Spiele von Ubisoft. Doch auch andere Spiele dienten scheinbar als Inspiration für Far Cry 3. Denn die Kletterpartien, einige der Zwischensequenzen und ein unterirdischer Tempel geben dem Spieler zeitweise das Gefühl in Uncharted gelandet zu sein.

Speichern, Laden und Entsichern

Far Cry 3 Test - Screenshot 3Zu den Verbesserungen des Spiels im Vergleich zum Vorgänger zählt auf jeden Fall die Autosave-Funktion. Geriet man in Far Cry 2 noch in Rage, weil die letzte Speicherung einige Stunden zurücklag, wird in Far Cry 3 auch innerhalb der Missionen zwischengespeichert. Seid ihr außerhalb der Story unterwegs und sterbt beispielsweise während der Jagd, könnt ihr das Spiel am nächsten Radioturm oder Safehouse wieder aufnehmen. Zudem wurde die Reise mit dem Bus, zu dessen Stationen ihr in Far Cry 2 erst einmal gelangen musstet, durch eine Schnellreise-Funktionen ersetzt. Karte öffnen, einen der vorgegebenen Zielpunkte wählen und wenige Sekunden später könnt ihr das Spiel dort fortsetzen. Unterstützt durch kurze Ladezeiten ist die Lösung optimal um schnell von A nach B zu reisen.

Darüber hinaus gibt es nun einen Fähigkeitenbaum, in dem ihr eure verdienten Punkte in neue Fähigkeiten investieren könnt: Heilungs-, Kampf- und Assassinen-Skills. Für manche Fähigkeiten wird das Absolvieren gewisser Missionen oder Aktionen (zum Beispiel drei Granaten-Kills) vorausgesetzt. Far Cry 3 spielt sich allerdings auch ohne Skills schon sehr flüssig und verfügt über ein durchdachtes Deckungssystem. Ob bei offenen Gefechten oder beim Infiltrieren im Meuchelmörder-Stil, die Kämpfe, beziehungsweise Morde, sind spielerisch ausgezeichnet umgesetzt und bieten für jeden Anlass die passende Taktik. Vor allem auf “Hoyts” Südinsel sind Schleichen und ungesehene Morde für einige Missionen elementar. Far Cry 3 Test - Screenshot 4So schafft Far Cry 3 eine gute Balance aus wilden und fordernden Feuergefechten und der Kombination von Schleichtechniken mit dem geräuschlosen Eliminieren von Gegnern. Zu den weniger schönen Neuerungen in Far Cry 3 gehören die recht ermüdenden Boss-“Kämpfe”. Denn so schön auch der Weg zu den Endgegnern ist, so unschön ist der direkte Kampf mit diesen – per Quicktime-Events. Sind diese im Verlauf des Spiels mitunter sinnvoll eingebunden, machen sie die finalen Kämpfe, trotz hervorragender Inszenierung, spielerisch unspektakulär.

Eine Paradies voller Psychopathen

Far Cry 3 Test - Screenshot 6Die Umgebung in Far Cry 3 ist wirklich beeindruckend. Mit viel Liebe zum Detail tummeln sich zahlreiche Tiere auf und um die grünen Inseln. Diese agieren nicht nur mit dem Spieler (greifen an oder flüchten), sondern jagen sich auch gegenseitig und fallen Gegner an. Wasserspiegelungen, ein sich verändernder Himmel und eine gigantische Pflanzenwelt runden das Bild eines tropischen Insel-Abenteuers ab. Far Cry 3 wirbt erfolgreich um die Krone für eines der Spiele mit der dichtesten Atmosphäre 2012. Lediglich Unwetter ziehen unrealistisch schnell auf – teils dauerte es keine 2 Sekunden vom strahlenden Sonnenschein zur Weltuntergangs-Stimmung.

Neben der wunderschönen Flora und Fauna trefft ihr während der Geschichte auffallend häufig auf psychopathisch agierende Personen. Gerade durch diese Charaktere gelingt es Far Cry 3 den Spieler zu fesseln, so dass die circa 20 Stunden “reine” Story-Spieldauer wie im Flug vergehen. Denn die Geschichte schafft eine Atmosphäre, die zum Weiterspielen anregt. Überraschende Wendungen wie der Entweder-Oder-Schluss runden die Handlung um die Rettung eurer Freunde und die Rache für den Tod von Grant ab. An gewissen Punkten hätten wir uns Entscheidungsfreiheit gewünscht, aber das ist angesichts der spannenden Erzählweise Meckern auf hohem Niveau.

Nebenmissionen

Far Cry 3 Test - Screenshot 7Das gigantische Tropen-Paradies bietet euch außer dem Hauptquest jede Menge kleinerer Missionen. So könnt ihr in den Path of the Hunter-Missionen, in denen ihr Tiere jagen müsst, unter anderem besondere Tierhäute erlangen, die für diverse hochklassige Gegenstände benötigt werden. Um diese aber überhaupt spielen zu können, müsst ihr die Stützpunkte der Piraten einnehmen. Nach der erfolgreichen Übernahme erscheint dann am “Schwarzen Brett” eine neue Jagd-Mission. Darüber hinaus könnt ihr in Wanted-Missionen Kopfgeldjäger spielen und euch den Respekt der Rakyat verdienen. Die Art und Weise, wie die Zielperson eliminiert werden muss, beispielsweise mit dem Messer, wird euch vorgegeben, ein Abweichen führt zum Scheitern der Mission. Außerdem finden sich Shoot ´em all-Missionen im Spiel wieder, bei denen euch unbegrenzt Munition und Gesundheitsspritzen zur Verfügung gestellt werden. Nach Ablauf der Zeit erhaltet ihr, je nachdem wie viele Gegner ihr erledigen konntet, eine Belohnung.

Acht Fäuste für ein Halleluja

Far Cry 3 Test - Screenshot 5Auch der Koop-Modus von Far Cry 3 ist wirklich gut gelungen. In diesem wird eine komplett eigenständige Geschichte um vier Schiffsmitglieder erzählt, welche von ihrem Kapitän verraten worden sind und es mit den Rook-Island-Piraten aufnehmen. Mit bis zu drei Kameraden könnt ihr die Mini-Kampagne, on- oder offline erleben. Nach der Wahl eurer Ausrüstung könnt ihr euch sofort gemeinsam in die Schlacht stürzen. Hauptsächlich geht es darum, Orte zu erreichen, die dicht von Piraten besiedelt sind. Zwischendurch sorgen kleine Mini-Spiele, die gegeneinander ausgefochten werden, für Abwechslung. So werden etwa eine Quad- und eine Sniper-Challenge sinnvoll in die Geschichte integriert und bieten dabei echte Wettbewerbsatmosphäre.

Der Online-Mehrspielermodus gestaltet sich grafisch ebenfalls sehr ansprechend ohne dabei durch unnötig lange Ladezeiten zu stören. Die Karten sind den Orten der Einzelspielerkampagne nachempfunden und bieten euch erstmals ein echt tropisches Multiplayer-Erlebnis. Ihr habt die Auswahl zwischen einem Schnellspiel und der Direktwahl aus vier verschiedenen Spielmodi: Domination, Team Deathmatch, Übertragung und Feuersturm. Der Übertragungsmodus ist Ubisofts Interpretation von Capture The Flag. In Feuersturm müsst ihr das gegnerische Nachschubdepot abfackeln und im Anschluss das Funkgerät erobern.

Far Cry 3 - TestAuch wenn der Mehrspielermodus wie bei vielen Singleplayerspielen etwas „drangeklatscht“ wirkt, kommt bei Far Cry 3 dennoch wirklich Spielfreude auf. Denn neben dem flüssigen Gameplay bietet das Spiel einige Far Cry-Besonderheiten. So könnt ihr bei einer Niederstreckung selbst entscheiden, ob eure Mitspieler die Möglichkeit bekommen euch zu retten oder ihr doch lieber durch ein Respawn in das Spiel zurückkehren möchtet. Für Abwechslung sorgen auch die Tages- und Wochenherausforderungen, die mit Extra-XP belohnt werden.

Durch das Sammeln von Erfahrungspunkten durch Kills oder andere Aktionen steigt ihr auf. Mit jedem Levelfortschritt schaltet ihr so Waffen, Upgrades und Ausrüstungsgegenstände frei. Mit diesen könnt ihr dann eure eigenen Ausrüstungssets erstellen. Alternativ stehen euch auch vier vordefinierte Sets zur Verfügung. Darüber hinaus könnt ihr euren Kampfschrei anpassen, welcher euch auf Knopfdruck beispielsweise Zähigkeit oder Erholung bietet. Schließlich habt ihr noch die Möglichkeit eure eigene Karte zu erstellen oder auf die Maps anderer Spieler zurückzugreifen. Auch wenn vier Spielmodi auf den ersten Blick etwas wenig erscheinen, können das schöne Setting und die freispielbaren Upgrades für eine lange und unterhaltsame Zeit mit anderen Spielern sorgen.Far Cry 3 - Multiplayer

Offizielle Seite: Far-Cry.ubi.com
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