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Test: Lollipop Chainsaw

Fuck Yeah! Da ist er wieder, der rotzige, videospielgewordene Punk Goichi Sudas, unter Kennerkreisen besser bekannt als „Suda 51“. Nachdem er in Shadows of the Damned (ingame-Test: 8.5) einen bärbeißigen Dämonenjäger namens Garcia Hotspur auf der Suche nach seiner geliebten Göttergattin durch den Höllenschlund gejagt hat, ist dieses Mal eine wohlproportionierte Cheerleaderin samt untoter Bagage der Dreh- und Angelpunkt seines neuesten Werks. Verstärkung hat sich Suda 51 dabei von James Gunn, dem Drehbuchautoren des  2004er-Remakes von Dawn of the Dead, geholt.

Sie kam, sah und sägte

Lollipop-chainsaw_Bild-01Der Name der zumeist knapp bekleideten Hupfdohle? Juliet Starling. Solltet ihr nach einer Umschreibung ihrer Persönlichkeit suchen, dürfte das Wörtchen „naiv“ sehr trefflich gewählt sein. Die Gute ist so blauäugig wie sie hübsch ist und verbringt am liebsten Zeit mit ihrem Freund Nick oder beim Anfeuern ihres örtlichen Football-Teams, den San Romero Knights. Doch Juliet hat ein Geheimnis: Ihre Familie besteht seit jeher aus Zombiejägern, so dass auch sie diesen ungewöhnlichen Karriereweg in die Wiege gelegt bekommen hat. Und wie es der Zufall so will, findet die Zombieapokalypse direkt vor ihrer Haustür statt.

Leider schaffen es Grasshopper Manufacture nicht, dem Geschehen einen tieferen Sinn zu geben. Lollipop Chainsaw bietet zu keiner Zeit eine klare Motivation für die Action auf dem Bildschirm. Das ist in dem Sinne schade, da Handlung und Charaktere erneut kräftig überzeichnet wurden und der Grindhouse-Stil, den Goichi Suda mittlerweile gepachtet zu haben scheint, so zur Spitze getrieben wird. Allerdings scheint sich Suda 51, ähnlich wie bereits Quentin Tarantino bei seinem Grindhouse-Versuch Death Proof, in seiner Hauptakteurin verrannt zu haben. Abseits ihrer Profession als Zombiejägerin bleibt Juliet zur meisten Zeit ein stereotypes Cheerleader-Dummchen ohne allzu viel Esprit. Was allerdings nicht dagegen spricht, dass das Spiel extrem unterhaltsam ist. Bei einigen Sequenzen können wir uns ein Schmunzeln einfach nicht verkneifen.

Kettensäge im Quadrat

Lollipop-chainsaw_Bild-02In den knappen Minirock von Juliet gezwängt, nehmen wir es, röhrende Kettensäge zur Seite, mit den Zombiehorden auf. Das Grundprinzip ähnelt dabei anderen Actiontiteln wie God of War – heißt: Nahkampf ist Trumpf. Hohe und niedrige Kettensägenhiebe dürfen dabei mit Sprüngen und Pompon-Angriffen kombiniert, zu einer schmerzhaften, Gliedmaßen dezimierenden Schlagkombination ausgeweitet werden. Dabei hagelt es „Zombie-Medaillen“, die im Chop2Shop.zom-Laden gegen neue Angriffsmöglichkeiten, alternative Kostüme oder verlängerte Lebensbalken eingetauscht werden dürfen. Das Spielprinzip folgt dabei strikten Linien, sodass ihr einen Raum meist erst dann verlassen könnt, wenn denn auch brav alle Zombies enthauptet wurden.

Die eigentliche Levelarchitektur gewinnt hierbei keinen Blumentopf. Meist schlagt ihr euch durch Schlauchgänge oder quadratische Areale, die zudem durch unsichtbare Mauern zementiert sind. Doch ein Suda-51-Spiel wäre kein Suda-51-Spiel, wenn das schnellerlernte Spielprinzip nicht regelmäßig durch spannende Ideen aufgelockert werden würde. Da geht’s durch einen Abschnitt mit einer aufgewerteten Kettensäge wie durch einen Rennparcours, wir spielen Zombie-Baseball oder durchleben Level, deren Layout an Videospielklassiker erinnern. Sogar die eingestreuten Quick-Time-Events stören nicht, sondern brechen das gewohnte Gameplay geschickt auf.

Lollipop-chainsaw_Bild-03Lollipop Chainsaw möchte kein Kunstwerk wie Killer 7 sein – Kurzweil möchte man bieten. Und genau diesen bietet der Titel im Überfluss. Wenn wir uns auch durch schablonenartige, schmalspurig inszenierte Level schnetzeln, so schnetzeln wir doch jederzeit mit Freude. Ist die Kettensäge erst einmal am Röhren, gibt es sobald kein Halten mehr. Außerdem reizt uns auch die Highscorejagd ungemein. Dank einer stetig sichtbaren Punkteanzeige, leichtgängiger Steuerung und klarer optischer Rückmeldung juckt es uns auch nach dem in circa sieben Stunden erreichten Spielende noch in den Fingern. Zusätzliche Modi wie „Punktejagd“ oder „Time Attack“ verstärken diesen Effekt noch weiter.

Pixelige Pompons

Suda 51 produziert keine „Highclass-Triple-AAA“-Blender! Hier darf alles ruhig ein wenig ungeschönt und karg aussehen. Schließlich kommt’s auf das Innere an. Lollipop Chainsaw ist da keine Ausnahme. Zwar hat man sich mit Juliet Starling durchaus eine Art Blickfang geschaffen, doch der Rest des Spiels kriecht wie ein beinloser Untoter diesem „Ideal“ hinterher. Seien es schlaksige Animationen, wüste Detailarmut oder nachladende Texturen: Technikfetischisten dürften mit Lollipop Chainsaw nicht warm werden. Aber was dem Titel an technischer Finesse fehlt, macht er mit Stilsicherheit wieder wett. Die Figuren, zumeist angeknabbert wirkende Untote und skurrile Klischee-Charaktere, sind allesamt charmant und auf irgendeine Weise liebenswürdig. Vor allen Dingen der Soundtrack unterfüttert diese Tatsache mit schmissigem Punkrock oder gängigen 60s-/80s-Oldies.

Lollipop-chainsaw_Bild-05Allerdings hätten einige zu pubertäre Witzchen gern der Schere zum Opfer fallen dürfen. Wenn mir ein geretteter Schüler an den Kopf knallt, dass er niemals gedacht hätte von jemandem mit so tollen Brüsten gerettet zu werden, zieht der Schmerz bis in die Zehenspitzen. Neben einer störrischen Kamera ist zudem unverständlich, warum wir jedes der sieben Level in einem Rutsch durchspielen müssen. Es gibt nämlich leider keine Möglichkeit, den Zwischenstand zu speichern. Sollten wir einen der Abschnitte, die jeweils circa eine Stunde Spielzeit beanspruchen, nicht beenden, darf das nächste Mal von vorn anfangen werden. Unschön. Trotzdem ist Lollipop Chainsaw mehr, als die oft zitierte Summe seiner Teile. Mag es technisch auch noch so unausgereift sein, eine extrem unterhaltsame Zeit haben wir mit dem Titel in jedem Fall gehabt.