Test: Memento Mori 2

Das tschechische Heavy Rain also. Im Heimatland des EM-Viertelfinalisten und Entwicklerstudios Centauri Production stellen einige unserer Kollegen derzeit schon mal hochtrabende Vergleiche an. Und ja: Die 3D-Engine von Memento Mori 2 ist stark. Nicht ganz so potent wie die von Heavy Rain, aber unter traditionellen Point & Click Adventures definitiv ganz weit vorne. Scharfe und detaillierte Texturen und dazu viele wirklich schöne Lichteffekte: Die tschechischen Programmierer beherrschen ihr Handwerk augenscheinlich. Rein optisch könnte Memento Mori 2 ein echter Genuss sein – wenn, ja wenn nicht die Animationen das Vergnügen trüben würden.

memento mori 2 - TestStichwort Uncanny-Valley-Effekt: Je realistischer die Gesichter eines Videospiels, umso genauer müssen sie animiert sein. Und das sind sie hier leider nicht. Beim Sprechen zuckt kaum ein Muskel, der Blick ist stur, die Pupillen bewegen sich fast nicht und die Emotionen bleiben auf der Strecke: Die Mimik der Protagonisten ist oft unpassend und unglaubwürdig, die Gesichter gleichen manchmal Masken. Nicht dass das hier katastrophal wäre, ganz sicher nicht. Aber bei einer derart realitätsnahen Grafikengine müssen die Gesichtsanimationen einfach genau sitzen, damit die Immersion nicht leidet.  Der Animationsgrad eines Heavy Rain ist für ein Adventure und seine begrenzte Zielgruppe sicher zu hoch gegriffen. Aber es wäre viel für die Atmosphäre gewonnen, wenn Memento Mori 2  in etwa das Niveau eines Silent Hill Shattered Memories erreichen würde – und das erschien vor ein paar Jährchen für knapp 30 Euro auf der nicht gerade als Grafikmonster verschrienen Wii.

Erst mau, dann mysteriös

Dass die Atmosphäre von Memento Mori 2 lange nicht so richtig zu packen weiß, ist neben dem beschriebenen Uncanny Valley-Effekt auch durch den langatmigen Einstieg bedingt: Die aus Teil eins bekannten Protagonisten Max und Lara sind während ihrer Flitterwochen in Kapstadt einem Kunstraub auf der Spur. Dass die Hochzeitsreise in Arbeit ausartet, liegt an Laras Job bei Interpol. Zunächst steuert ihr aber Künstler Max, der bald von düsteren Visionen geplagt wird. Die Geschichte nimmt erst Fahrt auf, als Max einen Unfall hat und seine Leiche nicht gefunden wird. In der Folge wird es langsam, aber stetig spannender. Verschwörungen, Beschwörungen, blutige Rituale, Morde – Memento Mori 2 entwickelt sich zum ausgewachsenen Mystery-Thriller.

Die Inszenierung hätte daher in den ersten vier, fünf Stunden deutlich straffer sein können, denn strecken hätten die Entwickler ihr Spiel eigentlich nicht brauchen. Der Umfang ist im Vergleich mit anderen Adventures der letzten Jahre auf jeden Fall  überdurchschnittlich, auch weil euch schon einige knackige Rätsel aufgetischt werden. Die Qualität schwankt dabei ziemlich. Am spannendsten ist der Part der klassischen Polizeiarbeit. Ihr müsst Fingerabdrücke sichern, Dokumente rekonstruieren oder an Tatorten Indizien finden. Das hört sich nach Arbeit an und ist es auch. Wer sich Akten nicht genau durchliest, ermittelt da schnell ins Blaue hinein. Gerade später hätten ein paar Hinweise mehr, was eigentlich gerade für die Ermittlung zu tun ist, nicht geschadet.

Keine Scheren, aber konstruierte Rätsel

An den Minispielen hätte Centauri Production dafür sparen oder zumindest eine Skip-Option einbauen können. Uns waren das definitiv ein paar langwierige Puzzles und öde Aufgaben zu viel. Auch konstruierte Inventar-Rätsel haben uns immer wieder aus der Atmosphäre gerissen. Ein Beispiel aus dem ersten Akt: Um euch Zutritt zu einem Gebäude zu verschaffen, müsst ihr unter anderem aus einem Karton ein Logo einer Firma schneiden. Eine Schere habt ihr nicht, aber da liegt ja auf einem Balkongeländer über euch eine Gartenschere auf einem Blumentopf. Damit die Gartenschere runterfällt, wollt ihr mit einem Schlauch von unten gegen den Blumentopf spritzen. Leider passt die Düse des Schlauchs vom Durchmesser her nicht zu selbigem. Deshalb schnippelt ihr euch mit einem Zigarrenschneider ein Stück vom Schlauch, stellt aus diesem mit einem im Museum stehenden Papierschneider einen Versiegelungsring her, packt diesen in den Schlauch, bringt die Düse an, spritzt gegen den Blumentopf und schneidet schließlich das Firmenlogo aus. Gängige Adventure-Logik? Mit Indy im Dschungel, mit Bernard auf Zeitreise oder mit Rufus auf einem Schrottplanet würde ich mir diese Rätselkette ja noch eingehen lassen. Aber in einem auf Realismus ausgelegten Abenteuer im Kapstadt des 21. Jahrhunderts, in dem es an Bau- und Supermärkten sicher nicht mangelt, wo das eigene Nobel-Hotel sicher nicht ohne stinknormale Schere auskommt?

Beispiele dieser Art gibt es gerade zu Beginn leider zu viele. Ebenso wie Füllaufgaben. Wolltet ihr schon immer mal in einem Adventure den Papierstau eines Druckers beheben? Hier ist euer Spiel. Die Inszenierung wäre ohne diese Streckungen deutlich packender. Denn Memento Mori 2 hat schon Potential. Bis ihr eines der verschiedenen Enden zu sehen bekommt, gibt es durchaus auch atmosphärische Momente und spannende Wendungen. An Komfortfunktionen wie Hotspotanzeige und Schnellreise wurde nicht gespart und auch die Sprecher, in den Hauptrollen „TKKG-Tim“ Sascha Draeger und „Buffy“ Nana Spier, verrichten ordentliche Arbeit.

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