Test: Project Zero 2: Crimson Butterfly Wii-Edition

Mehr als acht Jahre sind inzwischen vergangen, seit Temco uns in Project Zero 2: Crimson Butterfly auf virtuelle Geisterjagd geschickt hat. Seit dem 29. Juni 2012 ist nun ein Remake des Survival-Horror-Games für die Wii erhältlich, das von Nintendo optisch und inhaltlich leicht verbessert wurde. Das Gameplay blieb dabei größtenteils unverändert. Ob Project Zero 2 deshalb auch auf der Wii noch zu schocken vermag, haben wir für euch getestet.

Zwei Maiden, vom Schicksal erwählt

Test Project Zero 2 (4)Die Geschichte von Project Zero 2: Crimson Butterfly beginnt an einem idyllischen Sommertag. Die beiden Schwestern Mio und Mayu sitzen gemeinsam an einem friedlich rieselnden Bach und erinnern sich alter Zeiten. Als Mayu einen leuchtend roten Schmetterling entdeckt, folgen ihm die beiden Schwestern und überqueren dabei eine magische Barriere, die sie in eine geisterhafte Welt entführt. In ewiger Dunkelheit gelegen, breitet sich vor den Mädchen das verlorene Dorf aus alten Legenden aus. Unfähig zu fliehen, gelangen sie an einen verlassenen Ort, der sich schnell als Heimat zahlloser Geister entpuppt. Auf ihrer Suche nach einer Möglichkeit, von diesem dunklen Ort zu entkommen, decken die Schwestern die Geheimnisse des verlorenen Dorfes auf, die eng mit ihrem eigenen Schicksal verknüpft zu sein scheinen. In der Rolle von Mio startet ihr eure Spurensuche.

Survival-Horror ohne Waffen

Das Besondere an Project Zero 2ist der Umstand, dass die beiden zarten Mädchen während der gesamten etwa 12 – 15 stündigen Spielzeit keinerlei Waffen zur Verfügung haben. Wie bereits aus dem Vorgänger bekannt, finden die Kämpfe einzig mit einer speziellen Kamera statt, der Camera Obscura. Vor langer Zeit von einem findigen Wissenschaftler entwickelt, besitzt diese die Fähigkeit, umherstreifende oder angreifende Geister zu bannen. Die Handhabung der Kamera, gestaltet sich verhältnismäßig einfach, bedarf aber eines guten Timings. Im Laufe des Spiels bekommt ihr immer wieder die Möglichkeit, die Camera Obscura durch neue Module, Objektive und ähnliches zu verbessern. Diese Upgrades können entweder gefunden, oder mittels gesammelter Punkte gekauft werden. Für jeden Geist, den ihr „ausknipst“, erhaltet ihr eine bestimmte Menge an Punkten, die steigt, wenn ihr im richtigen Moment „abdrückt“ oder die Kraft eurer Kamera voll aufgeladen ist.

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Insgesamt hat sich spielerisch im Vergleich zur PS2-Version nur wenig verändert. Gesteuert wird hauptsächlich über den Analogstick des Nunchucks. Die Wii-Remote dient lediglich dazu, die Menüs aufzurufen und den Blickwickel nach unten oder oben zu richten. Haltet ihr den Z-Knopf gedrückt, läuft Mio, wobei sich ihre Geschwindigkeit doch in Grenzen hält. Die Steuerung ist insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig. Nintendo hat hier versucht, die Möglichkeiten der Wii einzubinden. Herausgekommen ist aber eine sehr eigene Mischung aus klassischer Gamepad- und Wii-Remote-Steuerung, die aber nach kurzer Zeit verinnerlicht werden kann.

Wenig knifflig, aber düster und atmosphärisch

Als lästig erweist sich zuweilen eure Schwester, die euch nach Möglichkeit auf dem Fuße folgt. Solltet ihr euch in einem engen Gang wiederfinden und zurück laufen wollen, steht sie euch gerne mal im Weg und humpelt nur sehr langsam aus dem Weg. Auch das Aufheben von Gegenständen gestaltet sich ab und an ein wenig kompliziert, da euch nicht nur plötzlich eine Geisterhand packen kann, sondern ihr auch genau im richtigen Winkel vor dem Objekt der Begierde stehen müsst. Das bremst die Dynamik des Spiels ein wenig aus.

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Ansonsten hat die Atmosphäre aber in den letzten Jahren nichts von ihrem Charme eingebüßt. Die Grafik ist äußerst düster gehalten und im Vergleich zum Original ein wenig aufgehübscht worden, was uns vor allen Dingen an den detaillierteren Charaktermodellen auffällt. Die beiden Schwestern in ihrem Gothic-Lolita-Look und das japanische Dorf, in dem die Story spielt, sind ungewohnt und unterstreichen den ganz besonderen, sehr eigenen Eindruck des Spiels. Gleiches gilt auch für den Sound, der die richtigen Momente gut untermalt.

Project Zero 2 legt uns nur wenige Rätselnüsse in den Weg. Das Spiel lebt viel mehr von dem Grauen, das der Spieler beim Herumirren in dem verlassenen Dorf empfindet, wo hinter jeder Ecke eine neue Abscheulichkeit lauern könnte. Die Gegner sind angenehm realistisch dargestellt und kommen zur Abwechslung nicht als mutierte Untote daher. Das macht sie jedoch nur noch erschreckender, zumal sie in der Wii-Version nochmals überarbeitet worden sind. Schade ist lediglich, dass die Video-Sequenzen ziemlich abgehackt in das Gameplay eingebettet sind, auch wenn dies der Stil der Reihe ist.

Was am Ende bleibt…

Test Project Zero 2 (2)Neben der überarbeiteten Grafik und einer komplett neuen englischen Sprachfassung, hat Nintendo die zuvor oft etwas weit entfernte Kamera in Project Zero 2: Crimson Butterfly auf eine Third-Person-Perspektive fixiert. Zusätzlich bietet die Wii-Version einen neuen Modus, das sogenannte Geisterhaus. Hier muss der Spieler im Wesentlichen eine festgelegte Route durch das Drücken einer Taste abschreiten und dabei verschiedene Aufgaben bewältigen. Leider kommt das Geisterhaus nicht an den Story-Modus heran und bietet auch nichts von der Atmosphäre, die Project Zero 2 auszeichnet. Hier hätte Nintendo mehr rausholen können. Insgesamt hat das Spiel jedoch nichts von seinem Charme eingebüßt. Es sind gerade die Eigenheiten, die Project Zero 2 auszeichnen: Die traditionellen japanische Schauplätze, der Waffenverzicht und das einzigartige Spielgefühl.

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