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Test: Prototype 2

Alex Mercer ist nicht mehr der einsame Held einer etwas anderen Götter-Simulation! Ein neuer Rabauke mit den gleichen über- beziehungsweise unmenschlichen Talenten pflügt sich nun ebenso durch New York Zero. Und dabei ist die Metropole schon für einen Anti-Superhelden viel zu klein.

Seitenwechsel

Sein Ebenbild hat Alex auch noch selbst herangezüchtet. Der ehrgeizige Soldat James Heller hinterliess einen bleibenden Eindruck bei der Spieler-Figur des ersten Teils, der ihn prompt für seine Zwecke mit dem Virus infiziert, der schon den Wirt zu einer Gefahr für die Öffentlichkeit macht. Doch Heller rebelliert und verfolgt in entfesselter Wut seine eigenen Ziele – er will den Mord an seiner Familie rächen.

Auch wenn der Vorgänger hierzulande nie offiziell erschienen ist, wird Mercer einige Fans in unseren Gefilden vorweisen können. Die müssen sich nun mit einem Plot-Twist der besonderen Art arrangieren. Durchaus clever baut Radical Entertainment den Held aus Prototype zum Obermotz aus. Damit hat der Erzfeind bereits eine eigene Geschichte und wirkt nicht wie aus dem Hut gezaubert, auch wenn sein Sinneswandel ruhig markanter erklärt werden könnte. Ein paar mehr Auftritte des alten Recken wären schon schön gewesen, um noch mehr aus der Idee rauszuholen.

Allerdings sind sich Heller und Mercer sowieso nicht unähnlich. Beide sind Getriebene, berauscht von ihren Möglichkeiten, die sie nur ausnahmsweise zum Wohl der Menschheit einsetzen. In der Regel verfolgen sie eigennützige Ziele, was sie zu spannenderen Superhelden macht als die Gutmenschen-Brigade im Ganzkörper-Spandex. Hellers Wut ist nachvollziehbar und in schnieken Cinematics toll inszeniert. Sin City muss als Stil-Vorlage herhalten und die Story niveauvoll vorantreiben.

Prototype 1.5

Mit dem Plot wäre auch schon das Originellste abgehakt. Die Fähigkeiten beziehungsweise Mutationen, mit denen sich Heller in eine Bio-Massenvernichtungswaffe verwandeln kann, ähneln Mercers … Auswüchsen schon sehr. An fehlenden “WOW!”-Momenten in diesem Sandkasten der Verwüstung haben Einsteiger nicht zu knabbern. Wer aber schon den ersten Teil mochte, dem wird im zweiten Aufguss sehr, sehr viel vertraut vorkommen. Das reicht von den kaum weiterentwickelten Destruktions-Werkzeugen, den Stadt-Zonen, über das Absorbieren von Personen oder die militärischen Einsatz-Teams bis zu den Events, bei denen spezielle Aufgaben bestanden werden müssen. Innovation gibt es eher im Detail.

Dass die Events Steam-ingame-Leaderboards bereithalten ist eine gute Idee und sollte auch Einzug in andere Spiele halten! Neu ist das hübsch konzipierte “Hunt”-Feature zum Aufspüren wichtiger Ziele oder mehr Hilfestellung beim heimlichen Absorbieren von Gegnern. Oh! Die neuen Obermotze nicht zu vergessen, aber für`ne “2” im Titel sind die Neuerungen übersichtlich gesät. Optisch hat sich dafür mehr getan. New York Zero ist immer noch nicht Liberty City, aber das Stadtbild ist viel abwechslungsreicher. Die bemitleidenswerten Bürger erscheinen weniger geklont und insgesamt vermittelt der zweite Teil visuell einen deutlich dichteren Gesamteindruck.

Radau³ deluxe

Die Schauwerte liegen in der Action. Schon im Tutorial könnte der Raufbold gegen Superman bestehen, aber wenn er mit ausgebautem Mutations-Arsenal randaliert, kommt kein Move ohne Panorama-Einstellung aus. Over-The-Top-Action mit herumwirbelnden Autos im Dutzend, ausgeknockten Hubschraubern, Sprünge aus dem Stand über Hochhäuser und Monster, die mit ihren eigenen ausgerissenen Armen niedergestreckt werden. Nein, Prototype 2 ist kein Spiel für Feingeister, das Chaos wird mit extra-dickem Pinsel … achwas … direkt aus dem Farbeimer auf die Leinwand gekübelt. Das macht großen Jungs natürlich Laune und dem trashigen Charme kann man sich kaum entziehen. Stauen sich viele Autos an einer Ampel oder kommt man an einer Menschenmenge vorbei muss man sich zusammenreissen, um nicht mal eben die ganz fiese Sau rauszulassen.

prototype 2 sceenshot 03Dem steht sowieso der deutsche Staat entgegen. Wir haben uns die geschnittene und unangetastete Version angesehen und müssen feststellen: wir werden alt. In der hiesigen Veröffentlichung erleiden die Menschen weitaus weniger kollateralen Schaden, was das Spektakel etwas eingängiger bzw. “hollywoodesker” macht. Langt Heller uncut einmal mehr oder weniger versehentlich daneben, säumen zerteilte Körperteile und Gliedmaßen seinen Weg. Mit den Tentakeln zerreisst es die Leute regelrecht in der Luft, was dem Spiel natürlich einen anderen, weitaus finsteren Ton verleiht. Ob das mehr Spaß macht ist Gemütssache, das unbeschwerte Abreagieren fiel uns Weicheiern in der deutschen Version tatsächlich leichter. Wir sind ja auch eigentlich lieber ein netter Gott. Eigentlich…