Test: Quantum Conundrum

“Fun With Physics” nennt sich ein komplett verkorkster Trailer zum Ego-Knobler und im Spiel geht’s ähnlich seicht-humorig zur Sache – ist der Sturz Portals vom Tüftel-Thron damit bereits ein hoffnungsloses Unterfangen?

Die liebe Verwandschaft

quantum_conundrum_screenshot4Der Vergleich mit Valves Erfolgs-Titel ist nicht nur erlaubt, sondern zwingend. Quantum-Conundrum-Frontfrau Kim Swift gehörte seinerzeit zum Studenten-Team, das Portal erdachte und unter Gabe Newells Fittiche entwickelte. Mit einem wesentlich kleineren Studio gibt es von der Dame eine neue Kopfnuss. Diesmal durchschreitet ihr aber statt Portalen gleich ganze Dimensionen!

Als Forscher-Steppke wird der Spieler bei seinem genialen Erfinder-Onkel und Teilzeit-Babysitter Fitz Quadwrangle abgestellt, doch diesmal läuft einiges aus dem Ruder! Zuerst eine unerklärliche Explosion und schwupps – ist das riesige Schloss/Laboratorium noch verwunschener als zuvor und der Doc in einer Parallel-Dimension gefangen. Selbstverständlich gehen wir der Sache auf den Grund und versuchen die Verwandtschaft aus der Bredouille zu holen. Dazu bekommt das Kind natürlich keinen Schießprügel zugesteckt, sondern einen Hi-Tech-Handschuh, der die gesamte Umgebung in bis zu vier unterschiedliche Zustände versetzen kann.

Die alten Bekannten

quantum_conundrum_screenshot1Bereits die ersten Minuten fühlen sich vertraut an, denn Quantum Conundrum pflegt deutliche Anleihen an den großen Portal-Bruder und macht es sich damit unnötig schwer. Wie GLaDOS kommentiert der Doc ständig aus dem Off das Geschehen, leider bei weitem nicht so ausgefeilt gallig, sondern erschreckend flachwitzig. Ähnlich trist verhält es sich mit der Ausstattung der riesigen Burg, die nur recht karg mit dem Nötigsten eingerichtet wurde. Das klinische Ambiente und die sehr dudelige Fahrstuhlmucke steht den Portal-Testkammern hervorragend, aber ein heimeliges Schloss stellt man sich anders vor. Der cartoonige Pastell-Stil beabsichtigt zwar überhaupt keine Authentizität, erschafft aber auch keinerlei Atmosphäre. Natürlich sind sich die Entwickler der eintönigen Ausstattung bewusst und lassen den verrückten Professor damit auch mal kokettieren.

Schlimmer wiegt da die Abstinenz einer Dramaturgie. Quantum Conundrum ist zu jeder Zeit ein Knobelspiel, bei dem man wegen der gleichförmigen Inszenierung nur im Schwierigkeitsgrad Fortschritt verspürt. Es verweigert eine Geschichte wie Portal und erschafft keinerlei Mythen. Inhaltliche Hintergründe gibt es nur als Anekdötchen zu den Gemälden am Wegesrand. Nett, aber eben auch vollkommen entbehrlich. Ike muss es daher rausreissen! Ein katzenähnliches Pummel-Viech, das man einfach sofort ins Herz schließen muss. Der drollige Geselle hat nur den Zweck manchmal im Spiel aufzutauchen und mit seiner Possierlichkeit Akzente im Einerlei zu setzen. Ob Ike damit den gleichen Kult-Status erlangt wie der Kuchen, bleibt hingegen abzuwarten.

Portal-Konkurrenz? Noch nicht in dieser Dimension!

quantum_conundrum_screenshot2Also nur ein weiterer Independent-Knobel-Snack, wie sie mittlerweile im Dutzend online verschachert werden? Nicht ganz. Wird zum erstenmal die Dimension gewechselt, hat das Teil wieder unsere ungeteilte Aufmerksamkeit! Auf Knopfdruck erstrahlt dann ein kompletter Raum inklusive Inventar im tuffigsten Plüsch! Das ist nicht nur angenehm für’s Auge – die ansonsten unverrückbaren Tresore oder Sofas, die öfters von skurillen Wandapparaturen ausgekotzt werden, lassen sich nun mit Leichtigkeit aufheben und durch die Gegend werfen. In der “Stahl”-Dimension verhält es sich umgekehrt, da mutieren Pappkartons nach Bedarf zum gewichtigen Eisen-Klotz, mit dem sich dann zum Beispiel Plattformen herunterdrücken oder bei richtigem Timing Scheiben einschlagen lassen. Die dritte Variante hebt die Schwerkraft auf und lässt alle beweglichen Objekte an die Decke gehen, was prima Lift-Funktionen ermöglicht. Am bequemsten in Zeitlupe, die letzte der vier zuschaltbaren Welten.

Schnell kapiert, intuitiv zu bedienen, viele Möglichkeiten, steile Lernkurve. Unversehens gerät der Spieler in den typischen Grübel-Sog. Man will möglichst elegant mit seinen beeindruckenden Möglicheiten zum Ziel zu kommen und Quantum Conundrum bedient mit einer gelungenen Level-Architektur einfach hervorragend den Spielfluss. An der Mechanik gibt es nichts zu motzen – im Gegenteil! Sie überzeugt durchweg und hievt das Spiel damit in überdurchschnittliche Regionen. Es fühlt sich über weite Strecken tatsächlich an wie Portal!

quantum_conundrum_screenshot3Leider nicht durchgehend, denn es verlangt ungleich mehr Geschicklichkeit. Wer sich durch die Jump’n’Run-Einlagen von Portal schon zähneknirschend schlagen musste, wird hier die Beisser bis zum Kiefer aufreiben. Das Spiel ist durchzogen von stellenweise harschen wie frustierenden Akrobatik-Abschnitten, die extrem präzises Timing erfordern. Wer den “Surfer”-Abschnitt oder halbrunden Raum zum Schluss auf Anhieb schafft, der verspeist auch Mega Man zum Frühstück. Nichts gegen ein forderndes Spiel, im Durchschnitt ist das Ende sogar eher gemütlich zu erreichen, aber solche unausgewogenen Ausreisser nagen am Gesamteindruck.

Zum Abspann gibt’s dann natürlich auch noch einen schmissigen Pop-Rock-Rausschmeisser. Wieder ohne jeden Charme oder Esprit und das zieht sich leider durch das gesamte Spiel. Aber man muss fair bleiben: Quantum Conundrum ist ein kleiner Download-Titel und Portal hatte Valve im Rücken. Airtight Games macht einen wirklich tollen Job, was die spielerischen Belange angeht. Leider versagt das Game darüberhinaus, entwickelt kein Eigenleben, keinen Kult, es bleibt nur der elend ausgelutschte “Rette-Die-Prinzessin”-Plot. Aber unterhaltsam ist es halt trotzdem und weitere Inhalte dürften ausgemachte Sache sein, der Titel ist unübersehbar darauf ausgelegt. Es besteht daher die Chance, dass hier mit etwas mehr Handlung oder gar ganz neuen Dimensionen trotzdem ein Dauerbrenner am Start ist, der Portal doch noch ganz schön zusetzen könnte. Lasst Euch also bloss nicht von diesem merkwürdigen Trailer abschrecken! Wer weiss, aus welcher Dimension der entstammt…

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