Test: Das Schwarze Auge – Demonicon

Mit dem Rollenspiel „Das Schwarze Auge – Demonicon“ versetzt uns das Studio Kalypso wieder einmal auf den Kontinent Aventurien in dem es ein neues spannendes Abenteuer zu bestreiten gilt. Im Gegensatz zu den bisherigen Spielen der Marke DSA, bekommen wir es in diesem Spiel aber nicht mit einer farbenfrohen grünen Welt zu tun, wie es etwa in Drakensang der Fall gewesen ist, sondern so findet sich die Handlung hier in den düsteren Schattenlanden wieder – einem von Krankheit und Tod geprägten Ort. Der Titel erinnert übrigens an eine Mischung aus Spielen wie Dragon Age, Gothic und The Witcher. Ob das Spiel auch deren Klasse erreicht, verraten wir euch in unserem Test.

Test: Das Schwarze Auge - Demonicon

Eine stimmige Geschichte

Unser Abenteuer beginnt nach einer kurzen cinematischen Sequenz, in der einige merkwürdige Gestalten ungeborene Kinder aus den Leib ihrer Mütter zu schneiden scheinen. Auf diese Weise wollen sie einen Dämon zu rufen, wobei der Grund dafür zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar ist. Wir schlüpfen hier in die Rolle des Kämpfers Cairon der auf der Suche nach seiner Schwester Calandra ist. Diese soll einen Adligen in der Stadt Warunk heiraten, dem letzten freien Zufluchtsort in den Schattenlanden. Damit versucht sie für Cairon, dem gemeinsamen Vater und sich selbst Bürgerrechte zu erhalten. Allerdings ist die gute Schwester im Molchenberg verschwunden – einem finsteren Ort in den es vor aggressiven Kreaturen nur so wimmeln soll.

Während der Beginn von Das Schwarze Auge – Demonicon noch sehr verwirrend sein mag, klären sich im Verlauf der gut 20 Spielstunden langen Geschichte zahlreiche Fragen. Hinter dem Titel verbergen sich dabei zahllose komplexe Zusammenhänge, welche von politischen Ränkespielen der Stadt Warunk, über die zahlreichen Sphären des Seins und bis hin zu einem gefährlichen Ränkespiel der Macht und dem Verpfänden der eigenen Seele an Dämonen reicht.

Die Story von Das Schwarze Auge – Demonicon ist gut erzählt, spannend und wird zudem von einer größtenteils tollen Synchronisation unterstrichen. Zugegeben, die Synchro ist hier aber auch ein zweischneidiges Schwert. Während die meisten Charaktere eine wirklich gute und passende Stimme serviert bekommen haben, so kommt es hin und wieder aber auch zu Tiefpunkten mit laienhafter Sprachausgabe. Dies sind allerdings nur sporadische Ausrutscher, so dass die sprachliche Präsentation für diesen reinen deutschen Videospiel-Titel absolut annehmbar ist.

Test: Das Schwarze Auge - Demonicon

Technisch nicht am Puls der Zeit

Dass wir von „Das Schwarze Auge – Demonicon“ kein Grafikwunder wie The Witcher 3 erwarten können, ist alleine schon wegen des Budgetunterschiedes voraussehbar. So haben wir es hier auch mit einem Spiel zu tun, dass technisch nicht auf dem aktuellsten Stand ist, aber sich auch keineswegs verstecken muss. Die Areale des Spiels sind so mit viel Liebe zum Detail designed worden und auch die Charaktere sind absolut annehmbar. Zugegeben, die Mimik fällt etwas schwach aus, und Gestik lässt sich nahezu vollkommen missen. Dies wirkt durchaus merkwürdig, wenn wir einen gemeinen Hexer am Galgen haben, dessen Körperhaltung sich in keiner Weise ändert, sobald er am Strick baumelt – Die Charaktere in „Das Schwarze Auge – Demonicon“ haben die Körperhaltung eines Steins, starr und nahezu unbeweglich.

Spielerische Abwechslung ist auch etwas, was wir in „Das Schwarze Auge – Demonicon“ vermisst haben. So gibt es keine Klassenauswahl, sondern nur die Möglichkeit sich zwischen Schwert und Wuchtwaffe zu entscheiden. Hinzukommt zwar die Option Magie zu wirken, aber auch diese Freiheit ist äußerst beschnitten. So beinhaltet der Skilltree nur vier Zaubersprüche mit je vier unterschiedlichen Stufen. Je höher die Stufe, je mehr Schaden bereiten diese Sprüche, aber visuell tut sich bei den ohnehin spartanisch aussehenden Zauberformeln nicht viel.

Test: Das Schwarze Auge - Demonicon

Hack & Slay statt Taktik

Auch das Kampfsystem gibt Anlass zur Kritik. So bekommt es Cairon im Verlauf der Geschichte immer wieder mit zahlreichen Gegnern zu tun, die ihm auf die Pelle rücken wollen. Sich gegen diese zu erwehren ist allerdings kaum ein Problem. Durch massives Niedermetzeln, mit gelegentlichem zur Seite Rollen, schickt man sehr schnell jegliche Kreatur in die Niederhöllen. Zwar gibt es auch ein Kontersystem, doch dieses ist nicht wirklich notwendig – insbesondere da der Charakter durch falsches Kontern unwillentlich mehr Schaden einsteckt als die effektivere Hack & Roll Kombi.

Test: Das Schwarze Auge - DemoniconAuch das Skillsystem der Waffenfertigkeiten fällt äußerst übersichtlich aus. Diese lassen sich zwar nicht auf die leichte Schulter nehmen, da diese teilweise enormen Schaden anrichten können, aber durch die geringe Anzahl an Moves fehlt es einfach an wünschenswerter Komplexität und Vielfalt den eigenen Charakter zu entwickeln.  Ebenso fehlt es dem Spiel an einer regelkonformen Übersetzung der Rollenspiel-Mechanik. So gibt es verschiedene Fähigkeiten, in die es Erfahrungspunkte zu investieren gilt. Nur eine Truhe mit der Skillstufe Schlösserknacken Stufe 6 kann so vom Spieler auch geöffnet werden, wenn er den Skill weit genug gesteigert hat. Ein Auswürfeln, welches sich an den Attributen des Charakters orientiert, entfällt hier gänzlich.

Typisch deutsch, oder typisch Gothic?

Interessant, wie wir während des Spielens fanden, war insbesondere auch die starke Nähe zur klassischen Spiele-Reihe Gothic. Ob dies ein typisch deutsches Phänomen ist, belassen wir hier einmal unbeantwortet, aber so hat „Das Schwarze Auge – Demonicon“ doch des Öfteren einiges an Nostalgie geweckt. Rabiate Sprüche der Charaktere, ein ansprechendes Charakterdesign und eine bodenständige Handlung, die komplex ist, aber auf eine gänzlich epische Inszenierung verzichtet, wissen hier zu begeistern. Dies vermittelt den Eindruck einer wesentlich authentischeren Welt mit der sich der Charakter deutlich besser identifizieren kann. Wir hätten uns jedoch gewünscht, dass uns eine größere und offenere Spielwelt zugänglich gemacht worden wäre – schade.

Das Schwarze Auge - Demonicon

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