Test: Tales of Graces f

Dass der Weg von Japan bis Europa kein Katzensprung ist, beweist Tales of Graces f. So mussten sich die Fans der Tales-Reihe von Namco Bandai über zwei Jahre gedulden, bis das neue Rollenspiel am 31. August 2012 auf der Playstation 3 endlich seine Deutschlandprämiere feiern darf. Ob sich das Warten gelohnt hat, oder Tales of Graces f nur ein durchschnittliches RPG unter vielen ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Test Tales of Graces f (2)In Tales of Graces f, dem neuesten Teil der erfolgreichen RPG-Serie, schlüpft der Spieler in die Rolle des jungen Asbel Lahnt. Als Sohn eines Lords, soll er in Zukunft seinen Vater beerben und die Geschicke der Stadt Lahnt lenken, worauf der rebellische Protagonist jedoch so gar keine Lust hat. Als Asbel und sein Bruder Hubert bei einem Streifzug ein schlafendes Mädchen finden, das scheinbar jede Erinnerung an die Vergangenheit verloren hat, beschließen die beiden, sie Sophie zu taufen und kurzerhand mitzunehmen.

Bei einem Besuch des künftigen Königs Richard, schließen die Kinder Freundschaft, doch die Situation eskaliert. Sophie verschwindet unter mysteriösen Umständen, Hubert wird zu einer anderen Familie gegeben und Asbel verlässt seine Heimat um Ritter zu werden. Sieben Jahre später sieht sich unser Held jedoch gezwungen, nach Hause zurückzukehren, denn dunkle Wolken haben sich über Lahnt und der gesamten Welt Ephinea zusammengebraut.

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Zugegebenermaßen wirkt die Geschichte von Tales of Graces f auf den ersten Blick wenig innovativ. Gerade im ersten Abschnitt der Handlung wird der Spieler von den Entwicklern mit Klischees und Archetypen geradezu erdrückt. Doch im Laufe der Spielzeit nimmt die Handlung allmählich Fahrt auf und reizt mit unerwarteten Wendungen zum Weiterspielen. Leider werden Rollenspielfans dennoch allzu häufig denken: “Das hab ich doch irgendwo schon mal gesehen”. Insgesamt bietet Tales of Graces f im Bezug auf die Handlung ein buntes Gemenge aus bekanntem Material, das sich allerdings auf einem guten Niveau bewegt und vor den Bildschirm fesselt.

Fast so wichtig wie die Geschichte ist jedoch das Gameplay von Tales of Graces f. Neben der Weltkarte, findet das Spiel primär in einer 3D-Welt statt, auf der auch die Kämpfe stattfinden. Die Monster sind stets sichtbar und rufen bei Berührung einen Kampfbildschirm auf. In den Echtzeit-Kämpfen gehen bis zu vier Charaktere gleichzeitig ans Werk. Welchen ihr davon kontrolliert, bleibt euch überlassen. Leider offenbart Tales of Graces f hier Schwächen. Die Gefechte mit den nur bedingt abwechslungsreichen Monstern sind teilweise in weniger als fünf Sekunden beendet, sodass kaum Zeit für taktische Raffinessen bleibt. Auf der anderen Seite überfällt euch das Spiel dann wieder mit langwierigen Bosskämpfen, die Fähigkeiten von euch abverlangen, die ihr euch in den Kämpfen zuvor nie wirklich aneignen konntet. So kann die Stimmung abrupt zwischen Langeweile und Frustration hin- und herschwanken.

Test Tales of Graces f (2)Was den Machern von Tales of Graces f jedoch gut gelungen ist, sind die zusätzlichen Features und Feinabstimmungen der Charaktere. Zwar ist es möglich, auch ohne Kenntnisse der verschiedenen Eigenschaften, Gegenstände und Fähigkeiten das Spiel erfolgreich abzuschließen, für alle, die, die Lust mitbringen, sich in die zahllosen Features einzuarbeiten, bietet das Spiel aber eine ganze Menge. Dies beginnt bei den Titeln, von denen jeder Charakter unzählige erwerben kann und die Statuswerte und Fähigkeiten bestimmen. Abhängig davon, ob der Spieler eher aggressiv oder defensiv kämpft, lassen sich so feine, aber entscheidende Einstellungen am Charakter vornehmen. Weiterhin können zahllose Items kombiniert und verbessert werden. Ähnlich einem Alchemie-System in vergleichbaren Spielen, werden so Gegenstände modifiziert und Ausrüstungen verstärkt.

Das vielleicht größte Manko von Tales of Graces f ist seine Grafik. Zuvor sollte gesagt sein, dass Tales of Graces im Jahr 2009 als Wii-exklusiver Titel erschienen ist, dann jedoch für Playstation 3 adaptiert wurde. Natürlich ist die bunte Anime-Optik absolute Geschmackssache und mag für zahlreiche Fans gerade den Reiz des JRPGs ausmachen. Generell darf jedoch von einem PS3-Titel mehr erwartet werden, als eine mitunter etwas kantige und sehr begrenzte Spielwelt, ohne jeden Hauch einer Open-World.

Test Tales of Graces f (2)

Die Animationen sind flüssig und auch die Videosequenzen betten sich gut in den gesamten Stil des Spiels ein. Diesen kann man nun mögen oder eben nicht. Besonderen Wert haben die Entwickler von Tales of Graces f jedoch auf die Videos gelegt, denen eine enorme Bedeutung zukommt und mitunter etwas langatmig wirken können. Dafür beleuchten sie die zahlreichen Charaktere in aller Tiefe und zeigen deren Motive und Beweggründe, was uns noch mehr in die Geschehnisse abtauchen lässt.

Tales of Graces f legt wie kaum ein anderes Rollenspiel den Fokus auf eine gute Handlung, und das zeichnet den Titel aus. Während bei manchen Spielen das Gefühl aufkommt, dass die Macher sich erst nach der Entwicklung über eine vernünftige Handlung den Kopf zerbrochen haben, ist es in diesem Fall eher umgekehrt. Zu Weilen kann sich da die Frage aufdrängen, ob der Spieler gerade vor einem Game oder einem Film sitzt. Da die vielen Videos jedoch mit passabler Synchronisation und guten Untertiteln ausgestatten sind, werden Fans des Genres trotzdem auf ihre Kosten kommen und die liebevoll ausgearbeiteten Charaktere in ihr Herz schließen.

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