Test: Tales of Xillia

Fast schon traditionell kämpfen alt-ehrwürdige Serien mit einem Problem: Wie erhalte ich den Stil der Vorgänger und bleibe dennoch am Puls der Zeit? Auch der Tales-Reihe geht es da nicht anders, doch während sich Namco Bandai zuletzt eher zaghaft um Innovationen bemühte, schickt sich Tales of Xillia an, durch zeitgemäßes Gameplay und neue Ideen, für einige Aufregung bei den Tales-Anhängern zu sorgen. Mit Erfolg, denn in Japan wurde Tales of Xillia bereits gefeiert und sogar der direkter Nachfolger ist im Land der aufgehenden Sonne längst Kult. Gute Aussichten also auch für das Release im Westen? Die Antwort liefert unser Test of Xillia!

Tales of Xillia oder “Die Welt gibt den Geist auf…”

Test Tales of Xillia (1)Alles könnte so schön sein auf Rieze-Maxia, denn Menschen und Geister leben friedlich miteinander, unterstützen und ehren sich gegenseitig und die Zivilisation steht in voller Blüte. Doch eine Kleinigkeit lässt den Herrn der Geister Maxwell nicht ruhen, denn auf rätselhafte Weise sterben Geister und verschwinden scheinbar spurlos. In Gestalt der jungen Dame Milla macht sich Maxwell auf, der Sache auf den Grund zu gehen. Eine mysteriöse menschengemachte Waffe saugt die Energie der Geister vollständig auf und bedroht das Gleichgewicht der Welt.

Als Milla Maxwell die Waffe entdeckt und den jungen Medizistudenten Jude Mathis vor einem äußerst wehrhaften Mädchen rettet, ist es bereits zu spät. Alle spirituelle Energie von Milla wird aufgesogen und auch die vier großen Geister, die sonst immer zuverlässig an ihrer Seite standen, verschwinden. In letzter Sekunde kann die finale Aktivierung der Waffe verhindert werden, doch der Preis ist hoch. Milla ist vollkommen erschöpft und von ihrer einstigen Stärke ist nichts geblieben. Wie sollen Jude und Milla nun noch verhindern, dass die Zerstörung der Welt weiter voranschreitet?

Test Tales of Xillia (2)Raffinierter Einheitsbrei!?

Die Handlung von Tales of Xillia wirkt auf den ersten Blick, wie JRPG-Standardkost: Ein mysteriöses Mädchen, eine Gruppe von treuen Helden und der drohende Untergang der Welt. Natürlich bedient sich auch Tales of Xillia vieler klassischer Elemente aus dem Genre und beschert uns eine Riege von sechs Protagonisten, die sich nach und nach gemeinsam auf die Reise begeben, um am Ende das Böse zu besiegen. Dennoch steckt im neuen Teil der Serie viel Neues und Unverbrauchtes. Die Story nimmt zwar nur langsam Fahrt auf, kann dann aber durch so viel Tiefgang, tolle Charakter-Zeichnung und spannende Twists überzeugen, wie wir sie zuletzt eher selten gesehen haben. Da ihr euch zu Beginn des Spiels entweder für die Rolle von Milla oder Jude entscheiden könnt, dürft ihr manche Situationen sogar aus verschiedenen Blickwinkeln begutachten. Auch wenn sich Spoiler gerade in diesem Fall natürlich verbieten, sei eines gesagt: Tales of Xillia gehört bei der Geschichte zu den stärksten Teilen der Serie.

Test Tales of Xillia (3)Was bringen aber eine spannende Story, gut geschriebene Charaktere und je nach Entdecker-Drang, 50 bis 70 Stunden Spielzeit, wenn der Rest des Spiels trocken und langweilig ist? Glücklicherweise ist Tales of Xillia nicht stehen geblieben und kann mit einem noch stimmigeren Gameplay überzeugen. Dabei ist wenig von den Vorgängern auf der Strecke geblieben, dafür aber umso mehr an den Kanten gefeilt worden. Das Ergebnis ist ein Tales of-Teil, in dem sich Fans sofort zu Hause fühlen und dennoch nicht langweilen werden. Der Fokus der Spieleinlage von Tales of Xillia liegt aber immer noch darauf, die Story zu unterstützen. So könnt ihr euch die Charaktere in kleine Unterhaltungen abseits der Story näher bringen lassen, eine Welt mit unzähligen NPC’s durchwandern und natürlich wieder unzählige Nebenquests erledigen.

Damit die Geschichte sich noch besser entfalten kann und ihr nicht unnötig aus der Atmosphäre gerissen werdet, haben sich die Entwickler außerdem für zwei wesentlich zeitgemäßere Funktionen entschieden. So wird Tales of Xillia sowohl die Möglichkeit zum Schnell-Speichern bieten, als auch mit einem Schnell-Reise-System daher kommen. Beides wirkt sich äußerst positiv auf den Spielfluss aus, denn wohl kaum etwas ist weniger spannend, als minutenlang vom einen Ende der Karte zum anderen zu laufen.

Test Tales of Xillia (5)Gemeinsam geht mehr!

Besonders spannend wird Tales of Xillia aber vor allem wegen der Neuerungen in den Kämpfen. Trefft ihr beim Umherstreifen auf Monster oder andere Feinde, öffnet sich ein eigener Kampfbildschirm. Durch geschickte Kombination von Angriffen, Zaubern und Fähigkeiten gilt es, kurzen Prozess mit dem Gegner zu machen. Soweit das Gewohnte, denn die bekannten taktischen Möglichkeiten werden durch verbundene Kämpfe noch erhöht. Dazu tut ihr euch mit einem anderen Team-Mitglied zusammen, dass fortan euren Rücken vor Feinden schützt, selbige von hinten attackiert, oder euch mit heilenden Händen zur Seite steht.

tales of xillia testHabt ihr lange genug Seite an Seite gekämpft, ist es Zeit für gemeinsame Spezial-Attacken, die nicht nur äußerst mächtig sind, sondern auch zu einer ganz neuen Combo erweitert werden können. Tales of Xillia bietet hier mehr Abwechslung als seine Vorgänger, wenn gleich auch weniger als es etwa Ni No Kuni getan hat.

Habt ihr den Gegnern also Saures gegeben, erwartet euch auch in Tales of Xillia der gerechte Lohn in Form von Erfahrung und Level-Ups. Neu ist jedoch das Skill-System, dass den wohlklingenden Namen Liliumkugel trägt. Sech verschieden Attribute spannen hier ein Netz auf, in dem ihr eure Werte verbessern, neue Fähigkeiten freischalten oder mächtige Kampf-Boni erlangen könnt. Auch wenn Tales of Xillia hier das Rad nicht neu erfindet, macht es großen Spaß, die verschiedenen Optionen auszutesten, besonders, weil sich die vorgenommenen Änderungen auch sofort in den Kämpfen bemerkbar machen. Die Tatsache, dass ihr verteilte Skill-Punkte nach dem Durchspielen behalten könnt, motiviert außerdem zu einer zweiten Runde.

tales of xillia testMehr Schein als Sein?

Technisch ist Tales of Xillia durchaus ordentlich geworden. Die Grafik ist im Vergleich zu den Vorgängern weniger bunt, authentischer und noch brillanter. Dies fängt bei den gelegentlichen Anime-Passagen an und endet bei den unglaublich schönen Charakter-Designs, an denen sich kaum noch etwas verbessern ließe. Leider fällt die Spielwelt von Tales of Xillia jedoch ein wenig dahinter zurück, denn diese ist statischer und limitierter, als es zunächst den Anschein hat. Nachladende NPC’s und Gegenstände sind ebenso schädlich für die Atmosphäre, wie Hühner, die sich selbst dann nicht bewegen, wenn wir sie über den Haufen rennen.

Test Tales of Xillia (6)Stimmiger ist da schon der Soundtrack, der von quirligen Klängen auf der Karte, über treibende Stücke während den Kämpfen, bis zu bombastischen orchestralen Inszenierungen bei Cut-Scenes und Boss-Gefechten reicht. Doch auch wenn wir meinen könnten, dass die zwei Jahre seit dem Release in Japan genug Zeit gewesen wären, kommt Tales of Xillia nicht über einen Audio-Fauxpas herum: Die Synchronisation. Diese ist wie von den Vorgängern gewohnt nur in englisch verfügbar. Trotz der passablen Sprachausgabe und den guten deutschen Untertiteln bleibt die Frage, warum wir nicht wenigstens die japanische Original-Vertonung geboten bekommen.

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