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Test: The Walking Dead – Episode 2

Mit einer satten Verspätung von zwei Monaten präsentiert Telltale nun endlich die zweite Folge der Walking-Dead-Serie. Und damit nicht genug – es kommen diesmal auch noch kaum Zombies vor!

Was lange währt, wird endlich gut?

Ob das Episoden-System so seine Freunde gewinnt, dürfte weiterhin fraglich sein. Da Telltale mit Back To The Future, Jurassic Park oder Monkey Island eigentlich ausreichend Erfahrung mit diesem Format besitzt, verwundert die monatelange Pause noch mehr. Hat sich das Warten denn wenigstens gelohnt?

Walking-Dead-Episode-2-Screenshot-01Ja! Abermals beweist der Entwickler Gespür und Wissen für die Horror-Thematik und bereichert seine Serie um viele neue Aspekte, die sich wohltuend vom Zombie-Einerlei abheben. Lee, sein Schützling Clementine und der Rest der verstrittenen Überlebenden kauern nun schon seit drei Monaten im Motel Inn und die Vorräte sind erschöpft. Während einer wenig ergiebigen Jagd wird der Spieler mit der ersten von diversen grausamen Entscheidungsmöglichkeiten konfrontiert. Im Unterschlupf stoßen zwei junge Männer auf der Suche nach Sprit hinzu, um damit den weitläufigen elektrischen Zaun ihrer Molkerei-Farm zu betreiben. Das Anwesen entpuppt sich als Hort der Hoffnung für die ausgemergelte Gruppe, aber Genre-Kenner wissen natürlich sofort Bescheid…

In der Vorhersehbarkeit liegt nicht mal ein Problem. Wer Horror mag, den kann das Genre kaum noch überraschen und Telltale macht überhaupt keine Anstalten sich einen Funken Originalität abzuringen – im Gegenteil. Deshalb dürfte Tarantino riesigen Spaß an den “Walking Deads” haben, so geschickt werden die Versatzstücke arrangiert, gekonnt zitiert und mit erwachsenen Dialogen gepunktet. Ausgerechnet die Gewalt ist nie Selbstzweck, sondern immer mit dramatischen Ereignissen kombiniert, die die Brutalitäten nur noch eruptiver machen. Man läuft nie Gefahr, sich im Splatter weichzuspülen, alleine das ist dem Spiel hoch anzurechnen und damit nahezu eine Ausnahme unter den Spielen der härteren Gangart.

Zombies sind die besseren Menschen

Walking-Dead-Episode-2-Screenshot-02Natürlich wird man sporadisch auch wieder mit Untoten konfrontiert, aber das wahre Grauen geht wieder vom Menschen aus. Diesmal gibt es dezente Schlenker zum Terrorkino. Das Suhlen in den Klischees passiert mit soviel Fingerspitzengefühl, dass man zwar jederzeit weiß, was als nächstes passieren wird, aber durch die Inszenierung und die Einbeziehung der eigenen Entscheidungen entwickelt die zweite Episode grade zum Finale eine bemerkenswerte Dichte, die ein mehrmaliges Spielen unabdingbar macht, um sämtliche Abgründe auszuloten.

Und die haben es in sich! Lee kann sich darin zu einem so unbarmherzigen Charakter entwickeln, bei dem man vor den eigenen Entscheidungen den größten Ekel entwickeln sollte. Die Fallhöhe der Ereignisse potzentiert sich auch mit dem Umstand, dass nicht das übliche Teenievolk dem Horror komplett blauäugig in die offenen Arme rennt, sondern gestandene Erwachsene. Eine Familie und zwei kleine Kinder. Ein Cast, um den Hollywood für seine leicht verdaulichen Horror-Flicks lieber einen großen Bogen macht.

Hirnschmalz entbehrlich – Bauchgefühl vonnöten

Walking-Dead-Episode-2-Screenshot-03Spielerisch wurde die neuste Folge noch mehr entschlackt. Es ist im Grunde nicht mal mehr ein Adventure, sondern ein Film, der auf Knopfdruck weiterläuft, daneben mehr Informationen und eben Entscheidungsmöglichkeiten bietet. Rätsel gibt es gar nicht, was wohl auch dem eindringlichen Storytelling geschuldet ist. Ausufernde Rätselketten könnten schnell konstruiert wirken, Rumgeknobel auf Kosten der straffen Inszenierung gehen. Telltale fokussiert sich nur auf Story und die Konfrontationen mit schwerwiegenden Entscheidungen. Hier liegt auch der eigentliche Reiz des Spiels. Das Verteilen von viel zu wenig Essensrationen beschäftigt uns ähnlich wie ein Rätsel und wirkt auch nachhaltiger. Spannend und erhellend ist auch hier wieder die Onlinestatistik zum Schluss des Spiels, die die eigenen Entscheidungen mit denen der anderen Spieler abgleicht. Da bekommt The Walking Dead den Anstrich seines sozialen Experiments. Eine wirklich tolle Idee!

Die Optik begeistert hingegen immer noch nicht restlos und das wird sich bis zum Ende der Staffel wohl nicht mehr ändern. Der Cel-Style bleibt Behauptung, da limitiert wohl die Engine, die vermutlich keine (Zeichen-)Linien um Objekte wie Personen darstellen kann. Borderlands oder Prince of Persia machen es vor, Telltale zeichnet die Konturen dafür in die Texturen, was sie dann eher angemalt wirken lässt. Aber das Acting leidet darunter nicht besonders, die Kamerarbeit ist wie üblich vollkommen gelungen.

Walking-Dead-Episode-2-Screenshot-04Mit dem neusten Abenteuer haben sich die Entwickler das angeknackste Vertrauen durch die Verspätung souverän zurückerobert. Der Horror ist einfach klasse umgesetzt und sollte sich kein Fan entgehen lassen. Der Titel ist aber nicht so herausragend, dass wir Telltale empfehlen würden, sich für die nächste Episode nochmal zwei Monate Zeit zu nehmen. Der Deal war ein anderer! Überlasst das Drama um verspätete Episoden lieber Vales Half Life!