Test: Tiny & Big in Grandpa‘s Leftovers

Indiespiele stehen hoch im Kurs: Seit einigen Jahren bereits können uns Titel wie Limbo, Bastion, Fez und Co. abseits des Mainstreams bestens unterhalten. Dieser Trend schien bis jetzt allerdings nur wenig zu deutschen Entwicklern vorgedrungen zu sein. Ein Titel schickt sich jetzt allerdings an, mit einem ganzen Batzen gesammelter Vorschusslorbeeren im Schlepptau, der Indie-Hit aus deutschen Landen zu werden. Und dabei wurde das Projekt einzig und allein durch das Herzblut sechs Kasseler Studenten und ihrem ungebrochenen Engagement gestemmt: Tiny & Big.

Ein Schlüpfer sie zu knechten

tiny-&-big-screenshot-01So groß die Vorhaben des Black Pants Game Studio, so der Name der mittlerweile gegründeten Firma, auch sein mögen, so klein fällt doch ihre Ambition in Sachen Storytelling aus: Dem friedseligen Tiny wurde von Fieserich Big das einzige Andenken an seinen Opa gestohlen – seine wertvolle, weiße … Unterhose! Weil das Böse natürlich nicht gewinnen darf, und die epische Jagd nach dieser einen, unumstößlich wichtigen Unterbüchs irgendwie verdammt launig klingt, geben wir uns an der Story-Fleischtheke auch gern mit dieser hauchdünnen Scheibe Gesichtswurst zufrieden. Denn vielmehr als auf emotionale Berg -und Talfahrten, kommt es uns bei Tiny & Big darauf an, dass der Titel Fleisch auf den Knochen hat was den Spielspaß betrifft. Glücklicherweise liegt genau hier die Stärke des Titels.

Im Grunde genommen ist Black Pants Tiny & Big ein Rätselspiel, gespickt mit allerlei Geschicklichkeitseinlagen. Statt uns jedoch in Portal-Manier durch kleine Kämmerlein zu knobeln, nutzen wir hier die gesamte Levelarchitektur zum Vorankommen. Stellt euch das so vor: Wenn Portal ein gescriptetes Schlauchlevel wäre, dann stellt Tiny & Big das „Open World“-Pendant dar. Mit einem Laser können wir Gesteinsmassive durchschneiden, uns mit diesen Treppen oder Übergänge bauen und so vorher unzugängliche Areale der Spielwelt erschließen. Dabei helfen außerdem Enterhaken und Heftraketen, mit denen wir Objekte aus der Entfernung ziehen oder wegschleudern können. Wie ein Vorankommen erreicht wird, bleibt dabei oft unserem eigenen Einfallsreichtum überlassen. Statt strikter, vorgegebener Lösungswege, herrscht in diesem „Physik-Sandkasten“ Freiheit.

Faszination Sandburg

tiny-&-big-screenshot-02Dieser „Sandkasten“ erweckt schnell wieder das Kind in uns: Gerade in den ersten Levels ertappen wir uns immer wieder dabei, wie wir ziellos mit dem „Laser-Fräser“ durch die Gegend säbeln, nur um herauszufinden, welche Auswirkungen das nach sich zieht. Und wenn wir riesige Berge wie Butter schneiden und sie mit Getöse in sich zusammen, oder (weit weniger gesund) auf uns fallen, dann schnalzen wir, ob der Macht unseres Werkzeugs, vor Verzückung mit der Zunge. Das Experimentieren wird zudem noch durch auffindbare Geheimnisse belohnt: Schließlich wollen gesonderte Minispiele, Teile des Soundtracks und „langweilige Steine“ erst aufgefunden werden. Und wer lässt bitte schon freiwillig(!) langweilige Steine am Wegesrand liegen?

Gerade zu Beginn, juckt es uns aber auch in den Fingern, den Weg in Richtung Ziel auszutüfteln. In vielen Momenten ist hier eine andere Denke erfordert, als in vergleichbaren Titeln. Gerade, da es meist nicht diesen EINEN Lösungsweg gibt, sondern viele Wege nach Rom zur Unterhose führen, fühlt sich auch hier unser Erfindungsreichtum herausgefordert. Optisch ist Tiny & Big sicherlich ein Sonderling, dabei aber keinesfalls hässlich. Cartoon-Ästhetik ist Trumpf: Dicke Outlines, wenig detaillierte Texturen und eingeblendete Lautsprache wie „Zack“ und „Bam“ sprechen eine klare Bildsprache. Dabei ist der Stil durch die seltsamen Charaktere einfach unverwechselbar. Auch beim Soundtrack kann Tiny & Big herausstechen, hat man sich hier doch mit einigen Indiebands zusammengetan, die allesamt Stücke zum Soundtrack beigetragen haben. Herausgekommen ist dabei eine Untermalung, die sich schwer in Schubladen einsortieren lässt und definitiv „eigen“ ist, dadurch aber auch unglaublich viel Charme besitzt.

In den eigenen Finger gefräst

tiny-&-big-screenshot-03Tiny & Big beschneidet sich (Ironie!) auf seine letzten Meter zu stark selbst: Zu Beginn dürfen wir in einem weitläufigen Canyon Bergmassive einreißen und die ganze Topografie des Areals verändern, nur um gen Ende in einen engen Tunnel mit nur wenig Freilauf gesperrt zu werden. Nicht nur verbietet man uns damit die Experimentier-Flausen, sondern macht auch die Schwächen des Titels überdeutlich. Die Steuerung von Tiny ist nur leidlich exakt, so dass wir für die filigranen Bewegungsabläufe oft mehrere Anläufe brauchen. Wobei uns dann auch gleich die teilweise recht unschön platzierten Rücksetzpunkte auf den Magen schlagen, die uns ganze Passagen mehrmals durchkämpfen lassen. Auch wenn sich diese Probleme erst gegen Ende zuspitzen, wiegen sie aufgrund der kurzen Spielzeit von drei bis vier Stunden doch leider recht schwer. So bleibt Tiny & Big leider ein ungeschliffener ungeschnittener Diamant.

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