Vorschau: Tomb Raider

Die Sache mit Albträumen ist … Früher oder später wachst du auf. Aber von diesem Albtraum scheint es für unsere angehende Archäologin Lara Croft leider kein Erwachen zu geben. Aber wie sagt man so schön? Des einen Leid ist des anderen Freud … oder so ähnlich … Wir zumindest haben uns beim erneuten Anspielen von Laras Leidensgeschichte ungenierter Weise köstlich amüsiert.

Frau gegen Wildnis

Da sind wir wieder. Allein. In der Kälte. Ein spärliches Lagerfeuer zu unserer Seite, das ein wenig Trost spendet. Doch der Magen knurrt. Und nach dem erlittenen Schiffsbruch sind wir noch immer mitgenommen und ausgemergelt. Unsere einzige Option ist, um unser Überleben zu kämpfen. Und da das verdammt viel Spaß macht, sitzen wir während unseres Anspielens von Tomb Raider in den Hallen von Square Enix, mit einem breiten Grinsen vor dem Bildschirm. Spielerisch ist das, was wir hier in den Händen halten, schon höchst ausgefeilt. Der zuvor gewonnene, sehr gute Eindruck (ingame-Ersteindruck: Bombig!) bestätigt sich ein weiteres mal. Soweit dürfen wir unser Fazit bereits jetzt vorwegnehmen.

Tomb-Raider-Screenshot-01In zwei Stunden durften wir tiefer in die Geschehnisse um Lara Croft und ihre Selbstfindung auf dem trostlosen Eiland abtauchen. Dabei wird erneut die Schonungslosigkeit deutlich, in der Crystal Dynamics ihr einstiges Idol neuerfinden möchte. Da treibt sich die brünette Schönheit bei einem Fall schon einmal einen Nagel in die Seite oder wird bei einem Bildschirmtod von Wölfen zerfleischt. Gerade die Sequenzen während des Ablebens erinnern in ihrer Schroffheit ein wenig an Dead Space, wenn auch ohne Tentakelmonster und Außerirdische. Der Splatter-Freund mag sich aufgrund dessen vielleicht die Hände reiben, allen anderen liegen diese Szenen aber schwer im Magen. Sollen sie auch: Denn hier geht es ums Überleben und nicht ums Leben lassen.

Die Inszenierung des Abenteuers rangiert dabei auf höchstem Niveau. Natürlich läuft alles strikt nach Skript ab und während der anfänglichen Schlauch-Eskapaden wird uns nur wenig Freiraum geboten. Aber dafür ist alles an seinem Platz: Bei einer Klettereinlage bricht das Gerippe eines alten Flugzeugs aus der Gebirgswand, an dem wir uns wenige Sekunden zuvor entlanghangelten, und Felsbrocken hageln zeitlich exakt auf unsere Bewegungen abgestimmt herab. Sicherlich gefällt diese Art der Inszenierung nicht jedem, wenn ihr euch aber auf die Illusion einlasst, entwickelt die Atmosphäre einen unheimlichen Sog. Zwischendurch werden die abgesteckten Grenzen auch immer wieder ein wenig gelockert und wir bekommen es mit größeren Arealen zu tun, in denen wir freischnauze nach versteckten Schätzen, Material zum Verbessern unserer Ausrüstung oder auf die Jagd nach Tieren gehen können.

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Die weibliche McClane

Gerade Aspekte wie die Schatzsuche tragen dafür Sorge, dass das spielerische Endprodukt immer spannend bleibt. Da finden wir in einem abgelegenen Versteck eine antike Hannya-Maske und können diese, fast wie bei der Beweisstück-Untersuchung eines L.A. Noire, von allen Seiten betrachten und nach weiteren Hinweisen suchen. Oder wir sammeln durch Aktionen, wie das Jagen von Tieren, Erfahrungspunkte, die wir in die Verbesserung verschiedener Fähigkeiten investieren können. Und auch in Sachen Optik müssen wir bei Tomb Raider wenig Befürchtung haben. Die verschiedenen Areale sind allesamt wunderbar detailreich arrangiert und technisch höchst ansprechend. Da unsere Protagonistin auf ihr Umfeld reagiert, sich zum Beispiel an Felswänden festhält oder beim Durchwaten von Wasser an der Decke nach Halt sucht, wirkt die Kulisse sehr präsent und realistisch. Unser Highlight der Demo, und auch das Finale selbiger, ist aber ein Funkturm, der im Sonnenuntergang ein in warmes Orange getauchtes Eiland vor unseren Augen ausbreitet.

Tomb-Raider-Screenshot-05Nur die stilistische Umordnung von taffer Abenteuerin zur gebeutelten, verschreckten Jung-Archäologin scheint nicht auf voller Ebene zu funktionieren. Es ist verständlich, dass der Kampf, den Lara mit sich ausfechtet, vor allen Dingen in Zwischensequenzen erzählt wird. So zögern wir während des Spielens nicht, ein Reh mit Pfeil und Bogen zu töten, unsere Protagonistin grämt sich aber wenig später, das noch mit seinem Leben hadernde Tier zu schlachten. Und auch wenn Lara an einem Lagerfeuer Zuflucht vor der beißenden Kälte zu suchen scheint, zittert unser wohlproportioniertes Alter Ego nicht einmal während des Zielens im Spiel. Und auch die Metamorphose von verschrecktem Mädchen zur schleichenden Assassine geschieht zu schnell. Das ist zwar spielerisch zu jederzeit höchst unterhaltsam, lässt die Geschehnisse allerdings etwas an ihrer Glaubwürdigkeit einbüßen.

Manches Mal haben wir zudem das Gefühl, es mit einer weiblichen Version von John McClane zu tun zu haben. Da stürzt Lara einen steilen Abhang hinunter und überschlägt sich dabei mehrmals, steht wenig später aber wieder unversehens auf und erfreut sich, nach kurzer Sequenz zur Leidensbekundung, wieder bester Gesundheit. Dieser starke Kontrast zwischen Spiel und Handlung wird uns auch dann bewusst, wenn Lara in eine Bärenfalle tappst, nach der zugehörigen Sequenz aber schon wieder durch die Gegend hoppsen kann, wie ein junges Reh. Doch all das ist meckern auf höchstem Niveau. Wenn auch die Entwicklung unserer Protagonistin einige Diskrepanzen gegenüber dem eigentlichen Gameplay aufweist, so sind es doch gerade die spielerischen Aspekte, die bestens funktionieren und uns die zwei Stunden Spielzeit wie im Flug haben vergehen lassen.

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Offizielle Seite: TombRaider.com
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