der Battlefield-Moment. (bɛːttləfiːldmoˈmɛnt), Plural: (bɛːttləfiːldmoˈmɛntə) (lateinisch: battlefieldusmōmentum) →Bedeutungen: emotionsgeladene Spielsitutation jenseits des regulären Erfahrungsschatzes →Vergleichbar: Magic Moment
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Der Battlefield-Moment ist vielleicht einer der größten Innovationen von DICE. Berichtet man unbedarften Zuhörern vom Verlauf des letzten Counterstrike-Matchs, dürfte das den trockenen Charme einer Schach-Partie versprühen. Schwelgt man hingegen in den Erinnerungen von Battlefield 3, kann man auch fürAussenstehende mit hörenswerten Anekdoten in rauhen Mengen aufwarten, weil die Reihe einem Militär-Spielplatz mit zahllosen Möglichkeiten gleichkommt. Daher fällt es mir schwer, *den* persönlichen Battlefield 3-Moment zu beschreiben. Vielleicht der erste große Shootout auf einem Parkplatz, bei dem ich hautnah die Druckwelle eines explodierenden Auto verspürte? Der Blick auf meinen Flügelmann aus einem Jet zu treibender Elektro-Musik? Das Rumpeln durch die Wüste in Formation mit den Panzer-Kameraden? Die nächtlichen, verregneten Kriegseinsätze und deren atemberaubende Ausleuchtung? Bereits der Singleplayer bietet Gänsehaut-Passagen im Dutzend, die nicht nur der Inszenierung zuzuschreiben sind, sondern auch dem unglaublich einnehmenden Look und der exzellenten Technik. Der Multiplayer-Test wird übrigens nachgereicht, denn da dürften ca. sieben Spielzeit nicht mal einen groben Eindruck vermitteln.
Der Trip beginnt, wie Bad Company 2 endete: in einem klaustrophobisch engen Schlauchlevel. Was kein Nachteil sein muss, der schmale Korridor der Metro-Bahn schürt das nach Preschen nach vorne, vermittelt treffend eine ausweglose Situation. Nach dem rasanten Prolog geht die Story in einem Verhörzimmer weiter und Veteranen werden nervös. Dieses Setting ist ein beliebtes wie auch bequemes Mittel, den Krisenherd-Tourismus mit Rückblenden zu erklären. Eine legitime Erzählstruktur, aber eben auch ein Stilmittel der Konkurrenz.
Man muss DICE allerdings zugute halten, dass sie bereits in diesen Szenen mit der neuen Frostbite 2.0-Engine uneingeschränkte Aufmerksamkeit erhalten. Wo sich Call of Duty: Black Ops noch mit ein paar Monitoren und Schatten hinter Milchglas begnügte, präsentiert BF3 mal eben das beste Spielgrafik-Acting in jüngster Zeit, da fehlt nicht mehr viel bis zur Render-Qualität. Die extrem nunancierte Mimik, das tolle Schauspiel, sowas schaut man sich gerne an. Aber diese Szene braucht auch das technische Highlight um herauszustechen, es bleiben genug Deja Vus, die sich später unerbittlich durch’s Hirn winden.
Denn der Singleplayer von Battlefield 3 hat immer dann seine Leerläufe, wenn DICE glaubt ein paar von Call of Duty etablierten Standards erfüllen zu müssen. Die Kids wollen das anscheinend so. Das beginnt schon mit dem Plot um die “Broken Arrows”, also verschwundenen Atombomben. Warum in Gottes Namen schon wieder diese schnarchigen Dinger? In BC2 jagte man auch schon Knallkörpern hinterher, aber verpackt als humoriges Abenteuer, welches sich in erster Linie um seine vier Helden drehte. Die Regie bei Call of Duty ist stets darauf bedacht, die Atompilze im überzeichneten Hollwood-Bombast zu züchten. BF3 nimmt die Ausgangslage hingegen wesentlich ernster und sattelt sich damit meiner Meinung nach zuviel auf, um auch dem dümmsten Shooter-Boy deutlich zu machen, dass wirklich Gefahr im Verzug ist. Dafür sind A-Waffen zumindest heute noch brauchbar, aber es bleibt auch plakativ. BF3 setzt sich zwischen die Stühle vom Action-Kino eines Call of Duty und der ambitionierten Authentizität des letzten Medal of Honor, da wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Bräsige Klischees ziehen sich durch das gesamte Spiel. Verwirrendes Springen zwischen Spiel-Charakteren? Check! Bedrohte Welt-Metropolen? Check! Sniper-Mission? Check! James Bond-Bösewicht? Check! Selbst in den Details fühlt man sich dem Mainstream verpflichtet. Das gipfelt dann in einem komplett überflüssigen Bomber-Abschnitt, aus dessen Einfallslosigkeit man fast ein Statement lesen kann. Und natürlich gibt’s auch den dramatischen Tod einer Hauptfigur, aber spätestens hier muss man zugeben, das alles ist Jammern auf hohem Niveau und oft genug kann BF3 den Standards neue Impulse abringen. Grade das erwähnte Ableben bricht in seiner Inszenierung vorbildlich mit den Gewohnheiten, wenn statt Hans-Zimmer-Fanfaren lediglich eine dezente elektronische Melodie den Toten begeleitet und das anschliessende Feuergefecht übertönt – ein Battlefield-Moment! Ein Augenblick, der einem die Kehle zuschnürt, obwohl die Situation äusserst ambivalent ist. In dieser Reduktion liegt die Stärke von Battlefield 3. Die Entwickler wissen, dass ein verzweifelter Schnaufer dramatischer sein kann als jede Explosion und deshalb nimmt man sich bewusst zurück, arbeitet sehr überlegt mit den Schauwerten und ist lieber auf Thriller als auf Popcorn-Action gebürstet, aber man tut sich schwer damit.
In solchen Szenen findet Battlefield 3 zu sich selbst und ist ein erwachsener Shooter, der keine Junk-Gelüste befriedigen mag. Natürlich werden auch hier eine handvoll sorgsam arrangierter Katastrophen-Tableaus kredenzt, man wird die Konsequenzen von Erdbeben also nicht verpassen, aber man verlässt sich auch nicht ausschließlich auf die Spektakel-Bühne. Action wird auch wegen dem neuen Bewegungsrepertoir gerne im Augenwinkel vollzogen. Dann reicht ein banaler Panzerangriff und panisches Umschauen im Getöse nach seinen Kameraden, um mehr Dramatik zu entwickeln als jede brennende Wolkenkratzer-Skyline. Hier definieren sich die denkwürdigen Panoramen zum Beispiel über einen Sandsturm, in dem man an einem Panzer-Geschütz ein paar Angreifer abwehrt. Die Show liegt in der merkwürdig gespenstische Stimmung. Der verwüstete Vorplatz eines Hochhauses ist von der Abendsonne in ein diffuses Licht getaucht, die Mühe hat sich durch die Sandschwaden zu kämpfen und über allem pulsiert und wabert ein Elektro-Beat, der von John Carpenter stammen könnte. Spartanisch, aber äusserst wirkungsvoll! Ein weiterer Battlefield-Moment.
Leider bleibt es größtenteils bei diesen Momenten. Das Finale kommt überraschend zahm bzw. konventionell daher und hinterlässt keine bleibenden Eindrücke. Hier hätte ruhig nochmal auf die Tube gedrückt werden können, aber das Ende hält den zahlreichen vorherigen dramatischen Eindrücken nicht stand und verpufft ins Leere. Nur wer bewusst einen Fehler in der Quicktime-Sequenz macht, die im Spiel übrigens recht willkürlich und lieblos angelegt sind, bekommt einen Hauch von “WTF” geboten, aber ich habe die Credits in Enttäuschung verfolgt. Das hat mich selbst überrascht.
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