Review: Dante's Inferno (PS3/Xbox 360)

von Zarakidono @ 05.02.10

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Wenn man sich daran macht ein Videospiel zu kreieren, ist die klassische Literatur des frühen 14. Jahrhunderts nicht wirklich das Erste was einem in den Sinn kommt, um nach Inspiration zu suchen. Anders ist es bei dem neuen Spiel von Visceral Games und EA. Dante's Inferno basiert auf Dante Alighieris epischem Werk "Die Göttliche Komödie". Mit seinen Beschreibungen hat Alighieri unser Bild der Hölle, wie wir sie heute kennen, maßgeblich geprägt. Ob Dante's Inferno ebenso einschneidend und wegweisend ist, erfahrt ihr im Review.

 

Wenn auf ein Spiel der Titel God of War-Klon passt, dann ist es Dante's Inferno. Die Spielmechanik wurde zu 90% von Sony's vorzeige Hack'n'Slay kopiert. Spieler der God of War-Reihe werden sich sehr schnell, sehr heimisch fühlen. Die Kameraführung, epische Landschaften, riesige Endgegner, Quicktime Events bei Gegnern, all dieses erinnert sehr an God of War. Jedoch macht Dante's Inferno eine gute Figur. Diese ganzen Sachen wurden technisch sehr gut umgesetzt und garantieren so eine Menge Spielspaß, aber es zieht trotzdem den kürzeren, wenn es um das Zusammenspiel all dieser Elemente geht. God of War benutzt diese Elemente, um den Spieler auf eine Reise zu schicken und somit sind diese essenzieller Bestandteil des Games. Bei Dante's Inferno hat man mehr das Gefühl sich in einer riesigen, sehr gut designten Kampfarena zu befinden; mit einer leider schwachen Story als Gerüst.

Story

Alighieri hat mit seiner Göttlichen Komödie ein Werk geschaffen, welches eigentlich eine ideale Vorlage bieten sollte zu einem storylastigerem Spiel. Alles, was eine gute Story braucht, ist vorhanden, eine starke Hauptfigur, ein weiser Sidekick, eine Frau in Not, eine Heerschar von bösen Gegnern, neun bis ins kleinste Detail beschriebene Orte und den ultimativen Bösewicht: Luzifer.

Im Spiel schlüpft man in die Rolle des Dante, welcher von den Kreuzzügen zurückkehrt nur um seine Verlobte Beatrice tot aufzufinden. Um alles noch schlimmer zu machen, wird prompt die Seele der Verlobten vor den Augen Dante's von Luzifer in die Hölle entführt. Dante jagt seiner Geliebten durch die neun Zirkel der Hölle hinterher, um sie vor der ewigen Verdammnis in der Hölle zu bewahren.
Die Entwickler bedienen sich an verschiedenen Filmstilen, um die Storypassagen dem Spieler näher zu bringen. So wird gewechselt zwischen in-game Cutscenes, CG Movies und Zeichentrickfilmen, letztere werden zum Beispiel dafür benutzt um Dante's Sünden aus der Vergangenheit zu erzählen. Es ist kein Geheimnis, dass Dante's Inferno sich nur lose an der Vorlage orientiert. Jedoch gibt sie dem Spieler genug Grund, um sich durch die buchstäbliche Hölle zu kämpfen.

 

Dante Cross

Gameplay

Dante geht nicht unbewaffnet hinab in die Hölle, sondern hat die Sense vom Tod mit im Gepäck. Mit dabei ist auch das heilige Kreuz. Leider sind dies die beiden einzigen Waffen im Spiel. Die Sense hat zwei verschiedene Arten von Attacken; schwächere, aber dafür schnellere Attacken und die langsameren, aber dafür stärkeren Attacken. Das Kreuz dient als Langstreckenwaffe, hierzu werden Kreuze aus heiligem Licht durch den Raum geschossen. Alle Attacken lassen sich problemlos zu Combos arrangieren, aber da hätte man noch mehr in die Tiefe gehen können. Durch den Mangel an zusätzlichen Waffen im Spiel hätte es eine noch breitere Palette an Combos geben müssen, um die Horden der Hölle in ihre Schranken zu weisen. Man braucht kein super ausgetüfteltes Combosystem wie bei Bayonetta, aber ein bisschen mehr Abwechslung im Kampf würde nicht schaden.

Mit der Zeit lernt Dante auch die Kunst der Magie. Combos, Magie sowie der Status der Spielfigur werden mit Hilfe von Seelen freigeschaltet. Dabei ist zu beachten, dass der Spieler zwei Arten von Seelen sammeln kann. Das Spiel gibt oft einem die Option, ob man die Seele eines Gegners bestrafen will und man somit unheilige Punkte sammelt oder man eine Seele erlöst und heilige Punkte sammelt. Die so gesammelten Seelen finden nun Verwendung in zwei Skilltrees. Man hat ähnlich wie bei Infamous die Möglichkeit Gutes oder Böses zu tun, jedoch ohne jegliche Konsequenz für den Spielverlauf. Ein kleiner Bonus um das Seelenpunktekonto aufzufrischen ist über historische Persönlichkeiten, wie Pontius Pilatus oder Attila, zu richten.

Die technische Seite

Das Leveldesign ist atemberaubend und man hat schnell das Gefühl tatsächlich den Höllenschlund hinabzusteigen. Imposante Orte reihen sich wie an einer Perlenschnur aneinander. Dante's Inferno hebt sich durch seine sehr anschaulichen und expliziten Darstellung der Hölle von anderen Spielen ab. Das Spiel erweckt die verstörten Visionen von Wayne Barlow zum Leben. Von dem sehr sexuell angehauchten Zirkel der Wollust über die stinkenden Sümpfe der Völlerei zu dem Level des Geizes, welches aussieht als wäre man in einem Höllenofen voller Gold. Die Designer haben ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und haben sich richtig austoben dürfen. Man bekommt von allem etwas, von klaustrophobisch engen Höhlen bis hin zu bombastischen Ansichten wie die Mauern von Dis. Die meisten Level haben eine eher erdrückende Farbpalette wie braun, grau und rot. Diese helfen die Stimmung zu vertiefen, jedoch hat man sich schnell sattgesehen. Das gesamte Leveldesign und die Texturen sind mit viel Liebe zum Detail  kreiert worden. Im Großen und Ganzen ist es grafisch ein Genuss die Hölle hinab zu wandern. Eine Sache stört jedoch trotz des sehr spezifischem Leveldesigns: Man weiß nie wirklich wann man von dem einen Zirkel der Hölle, in den nächsten kommt. Eine klarere Trennung zwischen den Leveln wäre wünschenswert gewesen. Ein weiter Faktor, welches das beklemmende Ambiente unterstützt, ist die Soundkulisse. Seelen, die seit Ewigkeiten voller Qualen stöhnen und schreien, begleiten einen fast die ganze Zeit, während man die Hölle hinabsteigt. Die orchestrale Musik setzt in den richtigen Momenten Akzente der Spannung oder veranlasst den Spieler sich in das Gefecht zu stürzen.

Dante Lust

Die genretypischen Plattformelemente dürfen hier natürlich auch nicht fehlen. Es gibt eine Menge Orte, wo man sich von Seil zu Seil hangelt, an Säulen runter klettert die aus Verdammten bestehen oder man einfache Hebel und Boxverschiebe-Rätsel löst. Aber hier sind keine Überraschungen zu erwarten, es sind keine unlösbare harte Nüsse zu knacken.

Spielt man Dante's Inferno, so ist man der fixen Kameraeinstellung unterworfen. Diese ist jedoch ausgesprochen gut und man verliert nie die Übersicht über das Geschehen. Sobald das Spiel geladen ist, welches nicht sehr lange dauert, kann man es in einem Zug durchspielen. Es gibt keine weiteren Ladezeiten an irgendeiner Stelle, dies ist schon beachtlich, da nichts auf der Festplatte installiert wird. Das Spiel ist sehr flüssig und läuft auf 60fps und 720p. Es gibt keine Ruckler während des Spiels und es wird auch nicht langsamer bei mehr Gegnern auf dem Bildschirm.

Multiplayer & Langzeitmotivation

Hat man das Spiel durchgespielt, kann man mit neuen Härtegraden nochmals den Abstieg in die Hölle wagen. Hierbei behaltet ihr alle eure bis dahin erworbenen Fähigkeiten. Ab dem 29. April steht auch eine Online-Erweiterung zum Download bereit. Die Trials of St. Lucia bieten dem Spieler die Möglichkeit mit Hilfe eines Leveleditors sogenannte Trials online zu stellen, welche dann von anderen Leuten, alleine oder im Coop-Modus zu bestehen sind. Bis dahin muss sich also der Spieler gedulden, um sich mit anderen Spielern zu messen.

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Review-Zusammenfassung

ingame.de - Fazit:
Dante's Inferno ist eine wagemutige Videospieladaption eines literarischen Klassikers. Der Titel ist visuell sehr beeindruckend und die hohe Gewichtung auf den Actionanteil des Spiels sorgt für Spielspaß. Ein Wehmutstropfen ist jedoch die leider schwache Umsetzung der Story und dem einfachen Combosystem. Das hält das Spiel davon ab ein wirklich großartiger Titel zu sein. Aber das Inferno war nur der erste Teil von Dante Alighieris Göttlicher Komödie. Dante's Inferno ist ein guter Auftakt einer hoffentlich noch besseren Serie.
82
Bewertungs-Details:
Gameplay
 
 
 
85

Grafik
 
 
 
90

Sound
 
 
 
85

Multiplayer
 
 
 
0

Langzeitmotivation
 
 
 
70

   Spektakuläre Level
   Läuft sehr flüssig
   Zwei Skilltrees
   Groteske Bosse
   Fade Story
   Nur zwei Waffen
   Zu einfaches Combosystem
   Zu viel geklaut von God of War

Kommentare

05.02.2010 - 18:05
490 Kommentare
Registriert: 05.11.2006
"Zu viel geklaut von God of War"

Ist nich dein ernst? Und dann als Negativpunkt? Das Spiel soll doch so gut sein?
05.02.2010 - 21:23
2: Streaki (Gastuser)
Gast
Hey Leute, denkt mal über diese elenden GoW-Vergleiche nach. Hat GoW nur weil es das erste seiner Art war bis in alle Ewigkeit sämtliche Rechte dieses neuen Genres gepachtet? Nein ham sie nicht. God of War war ein Vorreiter, ist doch klar das da viele nachziehen. Zieht euch den "onlinefantasymmorpgwasweissichhype" an, sind das jetzt auch nur alles geklaute Ideen vom ersten Ultima? Um wirklich das Rad jedes mal neu zu erfinden sind wir glaub ich 2000Jahre zu spät dran... ;) Denkt mal drüber nach und lasst ein gutes Game einfach Game sein^^
06.02.2010 - 09:58
3: Demar 
163 Kommentare
Registriert: 11.06.2009
Denke auch, fand' God of War schon immer klasse und nunja es ist eben ein top Spiel, natürlich ziehen da andere nach. Das Genre neu zu entwickelt geht ja auch schlecht :D. Schließe mich den anderen einfach mal an ;)
06.02.2010 - 19:18
4: jerry (Gastuser)
Gast
hammer spiel. habs seit dem release. ist der hammer.
06.02.2010 - 20:02
5: tomcheck (Gastuser)
Gast
das spiel ist übelst geil. man muss immer weiter zocken
17.02.2010 - 13:53
6: WSOkami (Gastuser)
Gast
God of War als erstes seiner Art? Kam Devil May Cry nicht früher?
17.02.2010 - 17:38
490 Kommentare
Registriert: 05.11.2006
Es kamen genug Spiele vor den genannten ;)
Nur für gewisse Leute ist GoW eben der Ursprung und das wirste diesen nicht ausreden können :D

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