Filmkritik: Inception

26. Juli 2010

Ein Hype kann für einen Film Fluch und Segen zugleich sein. Für Produzenten bedeutet ein aufgebauschter Hype sicheres Geld, da man damit rechnen kann, dass viele Leute ins Kino gehen werden, um zu sehen, was hinter diesen ganzen Medienrummel steckt. Doch ein Hype hat auch seine Schattenseiten. Sollte er zu groß sein und hat man seine eigenen Erwartungen bis ins Unermessliche getrieben, dann kann es passieren, dass der Film dem Hype nicht gerecht wird. Auch in Nolans Inception hat man viel Hoffnungen gelegt und das Interesse wurde durch die Verbreitung im Internet immer größer. Nun kann man endlich sagen, Nolan erfüllt die Erwartungen voll und ganz, allerdings nur, wenn man bereit ist sich darauf einzulassen.

Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein begnadeter Dieb, der absolut beste auf dem Gebiet der Extraktion, einer kunstvollen und gefährlichen Form des Diebstahls: Cobb stielt wertvolle Geheimnisse aus den Tiefen des Unterbewusstseins, wenn der Verstand am verwundbarsten ist – während der Traumphase. Dank seiner seltenen Begabung ist Cobb in der heimtückischen, neuen Welt der Industriespionage heiß begehrt. Doch diese Existenz hat auch ihre Schattenseiten: Er wird auf der ganzen Welt gesucht und hat alles verloren, was er liebte. Eines Tages bietet ihm der zwielichtige Saito (Ken Watanabe) die Chance seinen altes Leben wieder zurück zu bekommen, aber nur, wenn ihm das Unmögliche gelingt, eine sogenannte Inception. Statt eines Diebstahls muss Copp mit seinem Team das genaue Gegenteil vollführen. Ihr Auftrag lautet nicht, eine Idee zu stehlen, sondern eine einzupflanzen. Copp brauch nun die Besten der Besten an seiner Seite: einen Architekten (Ellen Page), einen Fälscher (Tom Hardy), einen Chemiker (Dileep Rao) und einen Strategen (Jospeh Gordon-Levitt).

Bei Inception verhält es sich so ähnlich wie bei Paranormal Activity: Nur wer sich auf den Film einlässt, wird einen Sommerblockbuster allererster Güte erleben können. Die Logik oder das abstruse Szenario das Nolan hier geschaffen hat, muss also so hingenommen werden wie es ist. Natürlich weiß Nolan, dass niemand in seinen Kopf reinschauen kann, darum nimmt er sich sehr viel Zeit, um die Welt zu erklären, in der sich seine Protagonisten befinden. Der Regisseur verlangt dabei nur eins: volle Aufmerksamkeit. Kicks, Totems und Limbus sind dabei nur einige Dinge die erklärt werden. Aber allein die Erklärungen (mit denen man locker eine neue Wikipediaseite eröffnen könnte) welche Hilfsmittel es gibt, welche Gefahren es gibt und wie eine Extraktion bzw. eine Inception funktioniert, ist ungemein interessant und zieht den Zuschauer immer mehr in den Film. Doch es nur simpel zu erklären wäre ja langweilig. Nolan nutzt die Sprache der Bilder und was das für Bilder sind. Gewaltige Panoramen, grandiose Special-Effects und ein Zeitlupeneffekt, der nicht wie noch in 300 zum reinen Selbstzweck verkommt (Wo ist denn das 3D, wenn man es mal braucht?). Natürlich muss an dieser auch die Kameraarbeit von seinem langjährigen Kollegen Wally Pfister gelobt werden, der einfach die besten Kamerafahrten seit langer Zeit auf die Leinwand bringt. Erstaunlich ist auch, dass es Nolan bis zum Ende schafft, die Spannung immer weiter nach oben zu treiben. Das Spiel mit den verschiedenen Traumebenen ist nicht nur unheimlich intelligent, sondern auch verdammt nervenaufreibend. Die ganzen 148 (!) Minuten wird dem Zuschauer dabei alles abverlangt: Er muss immer mitdenken, er muss mögliche Probleme erkennen und er muss das „Gelernte“ aus der ersten Stunde voll ausnutzen. Dass das nicht immer einfach ist, ist ein wichtiger Grund, warum Inception sich nur bedingt für das Mainstreamkino eignet. Wie Nolan es dennoch schaffte, ein solch gigantisches Budget (man munkelt es seien über 150 Millionen gewesen) für den Film zu bekommen, weiß wohl nur er selbst. Mit diesem Budget und dem Namen Nolan kamen einige hochkarätige Schauspieler mit an Bord. Allen voran Leonardo DiCaprio. DiCaprio hat schon vor langer Zeit bewiesen, dass er zu mehr fähig ist, als in Titanic. Aus dem Frauenschwarm ist einer der besten Schauspieler unserer Zeit geworden, nicht umsonst wurde er schon dreimal für den Oscar nominiert. Wie in Shutter Island zeigt Dicaprio in Inception eine emotionsgeladene Performance und strahlt dabei eine unglaubliche Präsenz aus. Den Zerfall seines Charakters Cobb kauft man ihm jeder Zeit ab. Auch der restliche Cast weiß zu überzeugen. Dabei ist es aber Ken Watanabe, der besonders hervorsticht. Seine Rolle als Saito ist nicht nur einer der wichtigsten der ganzen Nebendarsteller, sondern auch eine der interessantesten und Herr Watanabe nutzt das voll aus und strahlt ebenfalls eine große Präsenz aus. Es ist irgendwie alles einfach stimmig und hervorragend inszeniert. Sei es der vorpreschende Soundtrack von Hans Zimmer oder der nie sich nach vorne drängende trockene Humor, alles wirkt wohl durchdacht. Nicht umsonst geistert die Idee von Inception schon mehr als zehn Jahre durch Nolans Kopf. Der ganze Film bietet genügend Stoff für freudige Diskussionsrunden von Filmliebhabern. Doch auch wenn man viel zu dem Film schreibt oder erzählt, erklären kann man die Faszination die von diesem Film ausgeht nicht, man muss es schon selbst erlebt haben.


Filmkritik: Inception, 4.9 out of 5 based on 11 ratings

von Eric D.
Inception könnte der Sommerblockbuster schlechthin werden: intelligent, gut aussehend und verdammt spannend. Dass er nicht jedem gefallen wird ist selbstverständlich, aber wer bereit ist sich auf den Film einzulassen, wird nicht enttäuscht werden. Ich persönlich werde den Film bestimmt noch mehrmals sehen, da es auf keinen Fall ausreicht ihn nur einmal zu sehen. Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Der Film ist umso besser, je weniger man über ihn weiß, also Finger weg von Trailern, Teasern oder Featuretten! Inception ist ab dem 29.07.2010 in den deutschen Kinos zu sehen.
Sie meint:

Endlich ist Leonardo wieder auf der Leinwand zu sehen! Zwar spielt er leider keinen romantischen Liebhaber, aber dennoch kann er durchweg überzeugen. Auch die geniale Story macht den Film so wunderbar.

Er meint:

Nolan ist ein Gott! Nur der neue Batman-Film könnte das noch übertreffen.

Tags:

7 Kommentare für “ Filmkritik: Inception ”

acetous  (36 Posts)

28.07.2010 um 15:18

Auf Inception bin ich schon mehr als gespannt!

Katja W.  (197 Posts)

28.07.2010 um 19:56

Morgen gehts (endlich) ins Kino!! Meine Erwartungen sind hoch, und ich umso mehr gespannt auf morgen Abend.

Katja W.  (197 Posts)

29.07.2010 um 23:58

Frisch aus dem Kino und ich muss sagen, dass der Film richtig gut ist, auch wenn die Länge etwas kritisch ist. Inception ist ein Film, den man sich unbedingt anschauen muss, denn ohne ihne weiß man nicht, wie sich ein richtiger Film anfühlen muss. Dafür ist Kino gemacht.

Henning H.  (921 Posts)

30.07.2010 um 1:19

Hab ihn heut auch gesehen. War richtig hammer der Film. Kann ich jedem empfehlen ;)

Christin B.  (57 Posts)

05.08.2010 um 14:26

Was für ein Film! Bin total begeistert =) Auch immer wieder schön zu sehen, wie Leo DiCaprio sein "Titanic-Ich-Bin-Der-König-Der-Welt"-Image abgelegt hat, wirklich tolle Rollen spielt und das auch noch kann

Domas S.  (33 Posts)

23.08.2010 um 12:47

Mein neuer Lieblingsfilm! Ich hoffe echt das es eine Fortsetzung geben wird, denn da gibt es noch sehr viel potential ;)

Christoph P.  (80 Posts)

23.08.2010 um 13:57

Hätte da ne Frage zum Film, will aber nicht Spoilern…wen der meint, er hätte den Film komplett verstanden, darf ich mal ne pm schreiben dazu? ^^

Hinterlasse einen Kommentar

Erforderliche Felder sind markiert *

  • Polls

    Wer wird "Unser Star für Baku"?

    •  Roman

    •  Shelly

    •  Katja

    •  Yana

    •  Ornella

    Ergebnisse anzeigen

    Loading ... Loading ...
  • Zitatewahn!

    “Großer Gott! Sieht aus als würden die hier etwas opfern. Das ist nicht christlich.”

    Cabin Fever

  • Werbung

– gaming, hardware, entertainment
Mit Dir sind noch 418 ingamer online!