Filmkritik + Pressekonferenz: Die Legende von Aang

9. August 2010

Man wusste lange nicht, ob man sich auf Die Legende von Aang freuen sollte oder nicht. Viele befürchteten das Schlimmste, als es hieß, dass ausgerechnet Mystery-Meister M. Night Shyamalan die Verfilmung der berühmten Zeichentrickserie in Angriff nimmt. Dann kam der erste Trailer und man begann zu hoffen. Die gezeigten Szenen versprachen viel, schien es doch so, als ob der Charme der Serie vom Regisseur gut aufgefangen wurde. Doch dann kam es zum Desaster, auch wenn er in den USA mehr als 100 Millionen Dollar einspielen konnte: Die Legende von Aang wurde von Kritikern derart zerrissen, wie kein anderer Film 2010. Nun erscheint der Film auch endlich bei uns und auch wir schließen uns der allgemeinen Meinung an: Der Film ist eine mittelschwere Katastrophe.

Wasser, Luft, Erde und Feuer: vier Elemente und zugleich vier stolze Nationen, die seit jeher von ihrem Meister, dem Avatar, im Gleichgewicht gehalten werden – zumindest in längst vergangenen Zeiten. Mittlerweile ist ein Jahrhundert vergangen und die Schreckensherrschaft der Feuernation hat durch einen rücksichtslosen und brutalen Krieg gegen die anderen drei Nationen ein Zeitalter voller Zerstörung und Hoffnungslosigkeit eingeläutet. Befreit aus seinem Gefängnis aus Eis, erkennt der junge Aang (Noah Ringer) seine Bedeutsamkeit als der nächste Avatar und dass nur er die Macht besitzen wird, alle vier Elemente zu beeinflussen und die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Aang, der das Element Luft beherrscht, schließt sich der Wasserbändigerin Katara (Nicola Peltz) und ihrem Bruder Sokka (Jackson Rathbone) an und begibt sich gemeinsam mit ihnen auf eine Reise voller Gefahren. Denn ausgerechnet der Prinz der Feuernation, Zuko (Dev Patel) jagt den Avatar um seine Ehre wiederherzustellen.

Zu bemängeln gibt es so unglaublich viel, dass man gar nicht wirklich weiß, wo man anfangen soll. Fangen wir also mit den sehr wenigen positiven Aspekten an, die der Film zu bieten hat. Da wäre zum einen der gelungene Einstieg, der 1:1 aus der Serie übernommen wurde und das Fanherz höher schlagen lässt (nur um dann gleich wieder in pure Enttäuschung zu versinken). Die Handlung folgt ganz grob der Serie, aber wirklich nur ganz grob (besser als nichts). Einige Effekte, vor allem die des Wasserbändigens, sind wirklich gut gelungen (was man auch erwarten sollte von einem Budget von über 100 Millionen Dollar). Der Soundtrack von James Newton Howard ist bombastisch geworden und über jeden Zweifel erhaben. Und damit wären wir auch schon am Ende des Lobes angekommen. All die Positiven Punkte bieten aber auch genug Angriffsfläche, um den Film zu kritisieren. Da wäre zum einem die Handlung, die derart zerstückelt und unmotiviert präsentiert wird, dass Nichtkenner der Vorlage keine Ahnung haben, was hier eigentlich passiert, falls sie die langweilige Präsentation überhaupt interessieren dürfte. Hintergrundinformationen? Sehr rar. Motivation der Charaktere? Bleibt zum Großteil sehr schleierhaft. Nähe zu Vorlage? Nun, sagen wir es einmal so: Fans wird mehr als nur einmal das Herz bluten. Es ist vollkommen unverständlich, warum Shyamalan so viele Details abgeändert hat. Das beginnt schon damit, dass die Feuerbändiger kein Feuer erschaffen, sondern nur manipulieren können. Zudem stimmt nur selten das Aussehen der Schauspieler mit den Figuren aus der Vorlage überein, nicht nur, dass sie völlig andere Hautfarben haben, ihnen wurde auch stellenweise ein völlig anderes Design verpasst. Beim Cast hat Shyamalan einen Fehlgriff nach dem anderen gemacht. Fast keiner der Schauspieler kann auch nur annähernd Sympathiepunkte für sich erspielen, die meisten bleiben nur leere Hüllen die hie und da ein wenig kämpfen müssen. Die Kämpfe allerdings wirken sehr träge und langweilig, man merkt förmlich, dass Shyamalan keine Ahnung von einer rasanten Inszenierung hat. Nur Cliff Curtis kann als Schauspieler seiner Figur noch eine gewisse Präsenz verleihen, dennoch ist seine Figur ein weiterer Knackpunkt. Feuerlord Ozai hat im ersten Buch überhaupt nichts zu suchen und trotzdem bekommt er ungewöhnlich viel Leinwandzeit spendiert. Zu viel Leinwandzeit bekommen auch die mehr als zahlreichen Effekte. Es gibt fast keine Einstellung ohne CGI, das Problem: Vor allem die häufig im Computer generierten Hintergründe sehen nur selten wirklich gut aus. Wie in Kampf der Titanen führen die  Effekte nur dazu, dass alles viel zu künstlich aussieht. Apropos künstlich, kommen wir doch mal zu den schlechtesten „3D“-Effekt aller Zeiten. 3D-Nachbearbeitungen standen noch nie wirklich in einem guten Licht, doch wer hätte gedacht, dass es nach Kampf der Titanen tatsächlich noch schlechter geht? Wenn man es genau nimmt, dann gibt es gar kein 3D. Der Film lässt sich auch super ohne Brille schauen. Dennoch ist das einfach nur frech und gehört zu den schlimmsten Abzocken der Filmgeschichte. Warum man für den Film einen Aufschlag bezahlen soll bleibt schleierhaft (mal abgesehen davon, dass man auch auf eine normale Karte verzichten kann), da es nicht mehr dafür zu sehen gibt.


Anmerkung:
Die von uns gesehene Version des Films war im O-Ton. Inwiefern die deutsche Synchronisation die Qualität beeinflusst, können wir deshalb nicht beurteilen.

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Seiten:

  1. Filmkritik
  2. Informationen zur Pressekonferenz + Fazit

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