Den Zuschauern Angst machen kann man auf verschiedenste Art und Weise erreichen. Gerade Horrorfilme nutzen vermehrt gut platzierte Schockmomente, um dem Publikum ein intensives Erlebnis bieten zu können. Doch muss es nicht immer Horror sein, um den Zuschauer in Schweiß baden zu lassen. Rodrigo Cortés Buried – Lebend begraben ist ein waschechter Thriller und schafft es trotzdem den Puls der Zuschauer ins Unermessliche zu treiben. Dabei macht er im Grunde nichts Neues, sondern spielt nur mit den Urängsten der Menschen (Klaustrophobie, Dunkelheit). Doch mit einem großartigen Ryan Reynolds und einer interessanten Drehweise gehört der Film zu den intensivsten Erlebnissen der jüngeren Kinogeschichte.
Stell dir vor: Du öffnest deine Augen und stellst fest, dass du lebendig begraben wurdest. Über dir sind mehrere Meter erdrückender Erde. Du hast noch Sauerstoff für 90 Minuten. Deine einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein mysteriöses Handy. Jede Sekunde ist eine Sekunde, die dich dem Tod näher bringt. Das ist das Schicksal von Paul (Ryan Reynolds), einem amerikanischen Lastwagenfahrer und Familienvater, der in einem Holzsarg aufwacht. Er wurde lebendig begraben und weiß weder, wer ihm das angetan hat, noch warum. Seine einzige Chance diesem Alptraum zu entkommen ist ein Handy. Schlechter Empfang, ein rapide schwindender Akku und Sauerstoffmangel sind die schlimmsten Feinde in seinem Wettlauf gegen die Zeit.
Dass wohl Interessanteste an Buried ist, wie er aufgebaut ist. In über 90 Minuten sieht man kein Tageslicht, nur einen Schauspieler und den Sarg. Doch wer jetzt denkt es fehle dem Film an Abwechslung oder gar Spannung, dem sei gesagt: Genau deswegen ist der Film so großartig geworden. Pauls einziger Kontakt mit anderen Menschen besteht über ein Telefon, aber was Cortés aus diesen rausholt, ist genial. Es gibt minutenlang keinen einzigen Schnitt, die Kamera ist starr auf Reynolds gerichtet und Licht ist so gut wie nicht vorhanden. Diese unglaubliche Enge, die unser Hauptdarsteller erleiden muss, überträgt sich nahtlos auf den Zuschauer und ist stellenweise so erdrückend, dass Menschen, die unter Klaustrophobie leiden, lieber einen ganz weiten Bogen um den Film machen sollten.
Doch ist es in erster Linie Ryan Reynolds zu verdanken, dass die Atmosphäre so greifbar wird. Als einziger (wirkliche) Schauspieler des Films hat er die schwierige Aufgabe das komplette Publikum auf seine Seite zu ziehen und 90 Minuten zu begeistern. Und was Reynolds letztendlich hier abliefert, ist wohl die beste Leistung seiner Karriere. Seine Figur ist nicht unbedingt die sympathischste und doch schafft er es, dass der Zuschauer mit ihm leidet und mitfiebert. Dabei stellt man sich automatisch die Frage, wie man sich wohl in solch einer Situation verhalten würde. Reynolds zumindest glaubt man fast schon, dass er in einem Sarg feststeckt. Leider wirkt das Szenario, in das der Film eingebettet ist, ein wenig lahm. Mal wieder sind es böse Menschen aus dem Irak die Amerika bestechen wollen und selbstverständlich haben sie auch ihre guten Gründe für ihr Handeln. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er es als unnötigen politischen Subtext ansieht oder nicht. Fest steht nur, dass das Szenario zwar abgedroschen und leicht lahm wirkt, aber im Allgemeinen passt und nicht weiter störend auffällt. Was allerdings störend auffällt, sind einige Szenen, die nicht wirklich reinpassen wollen. In einer Szene etwa bekommt Paul einen Besuch von einer Schlange. Ein bisschen Panik hier, ein wenig Feuer dort und das war es schon, handlungsrelevant ist die Szene kein Stück, sondern dient schlicht zu Streckung des Films. Auch ein wenig enttäuschend, das Ende. Selbstverständlich wird an dieser Stelle nichts verraten, aber soviel sei gesagt: Ein erhoffter Knalleffekt zum Schluss bleibt dem Publikum leider verwehrt. Zwar geht der Film alles andere als leise zu Ende, aber ein großer Wow-Moment wäre wünschenswert gewesen.
Anmerkung:
Die von uns gesehene Version des Films war im O-Ton. Inwiefern die deutsche Synchronisation die Qualität beeinflusst, können wir deshalb nicht beurteilen.


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