Oren Peli, der kreative Kopf hinter der Paranormal-Activity-Reihe, versuchte sich nun einmal an neuem Stoff für ein Drehbuch. Inspiriert von der Reisedokumentation über einen Vorort von Tschernobyl, machte sich der Gruselautor an eine düstere und undurchsichtige Horrostory. Als Regisseur bot sich Bradley Parker an, der Chernobyl Diaries als sein Regiedebüt auf die Leinwand brachte. Bekannt ist er unteranderem durch Filme wie Fight Club, bei dem er sich um die Special FX kümmerte. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Gruselstreifen, der seine circa 85 Minuten gut unterhält, allerdings auch schnell wieder in Vergessenheit gerät, sobald der Abspann erst einmal über die Leinwand geflackert ist.
Tschernobyl-Tourismus
Chernobyl Diaries handelt von einer Gruppe Jugendlicher, die beschließen, ihren Osteuropa-Urlaub durch einen kleinen Abstecher nach Prypiat aufzupeppen. Eigentlich sollte Moskau die nächste Station auf ihrer Tour sein, doch Paul, der ältere Bruder eines der Protagonisten, sowie der Tourguide durch Osteuropa, überredet die Reisegruppe zu der Extremtour durch eine verlassene Geisterstadt. Prypiat ist ein Vorort von Tchernobyl, der die Familien der Arbeiter des verunglückten Reaktors beheimatete. Nachdem Reaktorunglück in Tschernobyl musste die Stadt in Windeseile evakuiert werden. Die Einwohner hatten keine Zeit mehr, sich um ihr Hab und Gut zu kümmern und hinterließen alles, was sie besaßen, in den riesigen Plattenbauten oder auf den Straßen der verlassenen Stadt.
Ein Riesenrad und Karussels erinnern noch an buntes Jahrmarkttreiben. Doch heute ist es nur noch das Zeitzeichen einer Geisterstadt. „Der Ort sieht noch genauso aus wie damals.“ macht Uri, Leiter von Uris Extreme Tours und ebenso Reiseleiter für diesen Trip, den Jugendlichen sein Ausflugsangebot schmackhaft. Natürlich sind diese begeistert von der Idee und zusammen machen sie sich in einem alten Bus auf, um die Ruinen der Stadt zu erforschen. Doch was die sechs Jugendlichen dort erwartet übertrifft deren kühnsten Erwartungen. Hinter den Gemäuern der verlassenen Stadt verbergen sich ungeahnte Gefahren. Nicht umsonst wurde Prypiat zu militärischem Sperrgebiet erklärt.
Der geübte Horror
Die Idee zu Chernobyl Diaries kam Oren Peli durch einen Foto-Blog, in dem eine gunge Bloggerin sich mit dem Motorrad aufmachte, um Prypiat zu erkunden. Und ja, es ist eine interessante Materie, auf der Pelis Ideen aufbauen. Eine Geisterstadt und nukleare Verseuchung bieten einen optimalen Nährboden für Grusel und Horrorvisionen. Die Stadtruine ist ein schönes Szenario für Pelis Fantasien und verleiht dem Film die richtige Atmosphäre. Auch das Feingefühl des ParanormalActivity-Schöpfers dafür, den Grusel eben aus dem zu entwickeln, was der Zuschauer nicht sieht, also mit seinen Erwartungen und Ängsten zu spielen, macht sich in diesem Film bemerkbar. Chernobyl Diaries enthält einige gelungene Schreck-Momente und sorgt stellenweise für haarsträubende Spannung. Allerdings war hier Paranormal Activity ein wenig besser akzentuiert, als Chernobyl Diaries.
Der Rest des Drehbuchs und auch des Stils von Chernobyl Diaries allerdings ist sehr klassischer Horror und wartet kaum mit Überraschungen auf. Die Charaktere sind sehr flach und erinenrn stark an Teenie-Horror-Filme. Die Dialoge sind teilweise mehr als halbherzig und die Dramaturgie wirkt steif und ein wenig aufgezwungen. Somit bleiben das ausgefallene Szenario, das dank verwackelter Handkamera-Aufnahmen auch hübsch in Szene gesetzt wurde, zusammen mit den vereinzelt auftretenden Schock- und Grusel-Momenten die einzigen markanten Aspekte des Films. Am Ende läuft Chernobyl Diaries jedoch auf eine Geschichte hinaus, die Freunde des Genres mindestens schon 100 Mal gesehen haben. Beim 101. Mal bleiben zwar immer noch ein paar Innovationen und liebevolle Details, aber daneben zeigt der Film wenig Eigeninitiative.
Filmkritik: Chernobyl Diaries,




