Mit The Cabin in the Woods liefert Universum Film in diesem Herbst einen Horrorfilm, der das Potential hat, das Genre gehörig aufzumischen. Unter der Regie von Drew Goddard entstand ein Film, der auf den ersten Blick kaum ein Klischee des Horror-Genres auslässt. Wer sich nun bereits gelangweilt abwenden will, sollte sich eines Besseren belehren lassen, denn The Cabin in the Woods bietet mehr.
Ein einsames Wochenende im Wald …
Das Setting könnte Horror-Fans kaum bekannter vorkommen: Eine Gruppe von fünf Jugendlichen fährt über das Wochenende in eine einsame Hütte im Wald – keine Zivilisation, keine Technik, keine anderen Menschen. Doch das Unheil nimmt seinen Lauf, als die Freunde im Zuge eines Partyspiels den Keller des Hauses entdecken. Bei ihrer Erkundung stoßen sie auf allerlei grotesken Plunder, dessen wahre Bedeutung sie jedoch nicht durchschauen. Dieser ist nämlich von einer Gruppe von Wissenschaftlern gezielt platziert worden, die sämtliche Vorgänge in der Hütte überwachen und kontrollieren. Noch abstoßender wird die Szene, als die Wissenschaftler beginnen, auf die Todesursache der fünf Jugendlichen zu wetten. Bald schon beginnt für diese ein Kampf ums nackte Überleben.
Konform gegen die Norm
Die Handlung klingt verbraucht und vollkommen austauschbar. Es scheint, als habe man das alles in anderen Filmen bereits gesehen und wüsste was passieren wird. Dies ist der Punkt, der die Faszination von The Cabin in the Woods ausmacht. Auf der einen Seite liefert er dem Zuschauer all das, was er aus unzähligen Horrorfilmen gewohnt ist und lässt dabei beinahe kein Klischee aus. Doch der Film bleibt an diesem Punkt nicht stehen, sondern geht weiter.
Ebenso sorgfältig wie er sämtliche Konventionen des Genres aufbaut, reißt er sie auch wieder ein. Regisseur Drew Goddard und Produzent Joss Whedon, die bereits gemeinsam an Buffy – Im Bann der Dämonen gearbeitet haben, nutzen diesen Effekt schamlos aus. Immer wieder brechen sie bewusst die Erwartungshaltung des Zuschauers. Dies führt dazu, dass der Film mit jeder Minute verrückter zu werden scheint und man sich im Laufe der Zeit von den erfahrungsbedingten Schranken verabschieden muss. Doch eben genau dieses Phänomen macht den Reiz von The Cabin in the Woods aus. Dem Zuschauer bietet sich eine gelungene Mischung aus blutigem Gemetzel, abstrusen Gedanken und Entwicklungen, sowie raffiniertem Humor.
Neben dem Plot überzeugen auch die Darsteller. Zu Beginn wirkt es, als seien die Charaktere nur notwendige Platzhalter, deren einzige Aufgabe es ist, möglichst klischeehaft alle klassischen Gesellschaftsgruppen abzudecken. Und auch wenn sie es in erster Linie sind, merken wir doch mit der Zeit, dass der Film gerade dieses Bewusstsein forcieren möchte. Fortan erkennen wir hinter der starren Genre-Maske der Charaktere die eigentliche schauspielerische Leistung. Diese ist sicherlich nicht überragend oder besonders erwähnenswert, in Verbindung mit den von der Handlung angestoßenen Denkprozessen jedoch durchaus glaubhaft und überzeugend. Insbesondere die Rollen von Dana (Kristen Connolly) und Marty (Fran Kranz) scheinen nur dazu ausgelegt zu sein, dem Zuschauer das zu geben, was er erwartet. Man hört förmlich das Lachen der Produzenten, wenn dann doch alles anders kommt.
Unsere Gier nach Blut und Gewalt
The Cabin in the Woods wirft zahlreiche Fragen beim Publikum auf, die bislang noch kein Horrorfilm beantwortet hat. Warum habe ich das Bedürfnis die eigentlich bemitleidenswerten Jugendlichen sterben zu sehen? Warum reicht nicht ein simpler Kopfschuss, wenn die Charaktere auch mit einer rostigen Säge zerstückelt werden könnten? Und überhaupt, wo ist der Sinn hinter dem Genre der Splatter- und Horrorfilmen? Den Machern gelingt es jedoch diese aufgeworfene Kritik nicht wie den erhobenen Zeigefinger wirken zu lassen, sondern geben viel eher den Anstoß sich selbst ohne moralische Zwänge mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Zweifelsohne sollten sich aber auch Fans des Horror-Genres nicht abgeschreckt fühlen. The Cabin in the Woods ist ein Film, über den man nachdenken kann, wenn man möchte. Wer sich jedoch eher nach Action und anspruchslosem Gemetzel sehnt, wird auch das in dem Film finden. Ab dem 6.September 2012 kann sich jeder selbst ein Bild von The Cabin in the Woods machen.
Filmkritik: The Cabin in the woods,





