Mit LOL bringt der Constantin-Film-Verleih eine Coming-Of-Age-Komödie rund um Pubertät, Schule, erste Liebe und das schwierige Verhältnis zwischen Eltern und Kindern in die Kinos.
Hilfe, meine Tochter ist in der Pubertät
Kinder in der Pubertät dürften für Eltern so erheiternd sein, wie ein Topf mit kochendem Wasser für einen Hummer. Die geschiedene Anne (Demi Moore; Striptease, Ghost – Nachricht von Sam) darf diese Erfahrung machen und sich mit den Nöten ihrer Tochter Lola (Miley Cyrus; Hannah Montana) rumplagen. Lola, Spitzname: LOL, scheint Komplikationen zu mögen und unterstreicht dies, indem sie sich in ihren besten Freund Kyle (Douglas Booth; Worried About the Boy) verliebt. Kyle ist nebenbei noch der beste Freund von Lolas Ex, Chad (George Finn; Cold Case, How I met your Mother).
Genug Material für Probleme und Tiefgang? Gehen wir auf Nummer sicher und packen noch etwas Konfliktpotential hinzu: Lola ist noch Jungfrau und möchte noch schnell erste sexuelle Erfahrungen sammeln, um bei der geplanten, ersten Liebesnacht mit Kyle, die auf der Klassenfahrt nach Paris stattfinden soll, auch ja nicht zu enttäuschen. Komplett wird das epische Drama durch den Umstand, dass Lola pikante Details und intime Bekenntnisse in ihrem Tagebuch verewigt und ihre Mutter auf die glorreiche Idee kommt, das Tagebuch als Bettlektüre zu verwenden. Shakespeare hätte es nicht besser machen können.
LOL! \o/
Zwei Fragen stellen sich bezüglich LOL. Erstens, was macht man mit einer charmanten, wenn auch simplen französischen Komödie? Wenn man ein US-Produzent ist, dann ein 1:1-Remake mit gleichnamigen Titel, das unter der gleichen Regisseurin wie dem Original gedreht wird und ersetzt die französischen Darsteller durch bekannte amerikanische. So übernimmt nun Demi Moore die Mutterrolle, die im Original noch Sophie Marceau innehatte und Miley Cyrus mimt die Tochter.
Zweitens, kann man eine Uraltstory “pimpen”, indem man moderne Elemente wie Facebook, Twitter und ständig chattende, simsende oder mailschreibende Figuren hinzufügt? Die Verantwortlichen von LOL (Internetjargon: laughing out loud) scheinen dies zu glauben. Hat ja auch den netten Nebeneffekt, dass hübsch Appleprodukte wie iPhones und Macbooks in Szene gesetzt werden können, um die Kasse ein wenig aufzustocken.
Die Komödie mit der Extraportion Konflikt
Mutter-Tochter-Konflikt, Konflikte zwischen den Frischverliebten Lola und Kyle, Konflikte zwischen den Geschiedenen Anne und ihrem Exmann Allen (Thomas Jane; Deep Blue Sea, Boogie Nights), Konflikte zwischen den besten Freunden Kyle und Chad - LOL hat mehr potentielles Konfliktpotential inne als der Irak, Afghanistan und Syrien zusammen. Die simple Story wird durch das Übermaß an zugefügten Konflikten aufgestockt, da es sich aber um eine Coming-of-Age-Komödie und nicht um ein tiefgründiges Pubertätsdrama handelt, werden diese maximal kurz angerissen oder lösen sich einfach in Wohlgefallen auf. Tiefgang oder Substanz können so nicht enstehen. LOL wirkt dadurch bisweilen konstruiert, zerfahren, mosaikartig, sprich unrund. Die Konzentration auf ein bis zwei thematische Schwerpunkte hätte hier mehr als gut getan.
Dennoch hat LOL auch gewisse Stärken. So stimmt beispielsweise die Chemie zwischen Demi Moore und Miley Cyrus. Zudem ist LOL mit Thomas Jane, Ashley Greene (Twilight), Jay Hernández (Takers, Lakeview Terrace) und Gina Gershon (Bound – Gefesselt, Face Off) bis in die Nebenrollen gut besetzt und auch sonst fällt keiner der Darsteller negativ auf. Auch wenn ich schon besser gelacht habe, im Grunde wird eine nette, belanglose Coming-of-Age-Geschichte geboten, kurzweilig und voller Kitsch. Im Direktvergleich mit dem französischen Original, das charmanter und weitaus glaubwürdiger war, muss sich das Remake aber klar geschlagen geben. LOL startet bundesweit am 31. Mai 2012.








