In jüngster Vergangenheit wurde kein Actionfilm so gehypt wie The Raid, und was soll man sagen: das zu Recht. Dank gebührt dem Koch Media Verleih, dass sie diese Perle ins Kino bringen. Wer hätte gedacht, dass der beste Actionfilm der letzten fünf Jahre aus Indonesien kommen würde? Egal, er tut es.
Ein Hochhaus voller Gesocks
Ein Special-Forces-Team, bestehend aus zwanzig Mann, erhält den Auftrag, den Gangsterboss Tama Riyadi unschädlich zu machen. Was in der Theorie simpel klingt, birgt in der Praxis enorme Probleme. Dieser hat sich nämlich in einem zwanzigstöckigen Hochhaus in den Slums von Jakarta eingenistet. Ein kameraüberwachtes Bollwerk, vollgestopft mit Mördern und Psychopaten, die das Gebäude gegen Bezahlung als Unterschlupf zum Untertauchen nutzen.
Schlimmer noch, Tama hat die Ankunft der Einheit erwartet und bietet den Bewohnern lebenslang kostenfreies Nutzungsrecht an, wenn sie im Gegenzug die eindringende Einheit unschädlich machen. Zwischen den Elitecops und ihrer Zielperson liegen nun zwanzig Stockwerke voller Gesocks, das ihnen ans Leder will. Mittendrin der junge Elitecop Rama (Iko Uwais), auf den Zuhause seine hochschwangere Frau wartet.
Erst schießen, dann kämpfen
Geredet wird in Talkshows, in The Raid wird hauptsächlich geschossen und gekämpft. The Raid nimmt sich gerade mal fünf Minuten Zeit, um die Figuren und das Setting einzuführen. Dann ist der an sich simple Plot etabliert und da eine tiefergehende Figurenzeichnung nicht vorgesehen ist, kann man sich in den verbleibenden fünfundneunzig Minuten darauf konzentrieren, eine Actionorgie zu entfesseln, die ihres gleichen sucht. So schnell wie die zwanzig Elitecops auf gerade einmal eine Hand voll dezimiert worden sind, so schnell ist auch die mitgebrachte Munition verschossen. Ab diesem Zeitpunkt wird gekloppt, was das Zeug hält … ein Schnitzel würd sich wohlfühlen.
Geradlinig inszeniert dient der Plot von The Raid eigentlich nur dazu, die zahlreichen Actionszenen untereinander zu verbinden. Dies tut er allerdings recht stimmig. Der Großteil des Films ist auf genau einen Schauplatz beschränkt, weiß aus diesem Umstand aber Spannung zu erzeugen und vor allem ein Bedrohungsszenario, wie man es aus Klassikern wie Assault kennt, zu etablieren.
Die Martial-Arts-Götter sind tot, es leben die neuen
Bruce Lee ist tot, Jackie Chan, Jet Li und Benny Urquidez sind zu alt, Steven Seagal zu fett und auch der großartige Donny Yen dürfte sich morgens mit Rückenproblemen aus dem Bett quälen. Sie alle gehören zur „Ich-bin-zu-alt-für-diesen-Scheiß“-Fraktion, so dass sich die Riege der Darsteller, die man für einen fetten Martial-Arts-Film nutzen könnte, in den letzen Jahren erschreckend ausgedünnt hat. Das Grab für dieses Genre war also grad frisch ausgehoben, da kam plötzlich ein Hoffnungschimmer in Form neuer Heroen.
Aus Thailand kamen mit Ong-Bak und Tom Yum Goong zwei Martial-Arts-Perlen, in denen Hauptdarsteller Tony Jaa Kampfchoreografien präsentierte, die man in dieser Form nie zuvor gesehen hatte. Fans horchten auf, übten sich aber erst einmal in vorsichtigem Optimismus, schließlich hätten es auch einfach nur die letzten Zuckungen eines Todgeweihten sein können. Doch jetzt ist The Raid da und die Wiederbelebung des Genres kann als geglückt bezeichnet werden.
Der Waliser Gareth Evans hat mit The Raid eine schnörkellose, geradlinige Gewaltorgie gedreht. Dem minimalistischen Plot stehen umso kreativere und aufwändigere Actionszenen gegenüber. Das Gebotene ist blutrünstig und extrem brutal, aber auch technisch gut gemacht und voller visueller Raffinesse. Insbesondere die Martial-Arts-Sequenzen sind herausragend. Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie viel Zeit für deren Choreografie draufgegangen sein muss.
Diese spektakulären, perfekt choreografierten Kampszenen ähneln denen aus Ong Bak. Dabei wird hier die Martial-Arts-Technik des malaiischen Pencak Silat einer breiten Öffentlichkeit präsentiert … und sie bietet etliche Schauwerte. Das ist zwar weit weniger akrobatisch als das in Ong Bak Gebotene, kommt dafür aber deutlich roher rüber und entfaltet auf der Leinwand eine unfassbare kinetische Wucht. Highlight des Films sind dabei die Kämpfe mit dem Bösewicht Mad Dog (Yayan Ruhian; Martial-Arts-Choreograph und ein echter Könner seines Fachs).
Bundesweiter Kinostart von The Raid ist der 12. Juli 2012. Actionfans dürften voll auf ihre Kosten kommen. Alle anderen nicht.
Filmkritik: The Raid,





Woaaaah, ich freu mich auf den heißen scheiß