
Ein neuer Mystery-Thriller aus deutschen Landen wird im März die Kinosäle erreichen. In Cluadia Lehmanns “Schilf” macht sich ein progressiver Physik-Professor auf, die Realität als eine von unendlichen Alternativen zu beschreiben und gerät dabei in die Zwickmühle.
Sebastian Wittich (Mark Waschke) lehrt Physik an der Universität Jena. Er ist ein talentierter Wissenschaftler, nur hindern seine eigensinnigen Ansichten ihn daran, in der akademischen Welt Ansehen zu erlangen. Stur vertritt er die Theorie multipler Universen, bei der unserer Realtität nur eine von unendlichen Optionen ist. Besonders mit seinem alten Freund Oskar Hoyer (Stipe Ercek) gerät er dadurch immer wieder in Konflikt. Doch Wittich steht felsenfest hinter seiner Überzeugung. Als sein Sohn auf einer Raststätte entführt wird, gerät Sebastians ohnehin schon instabile Existenz in eine Krise. Er versucht seinen Sohn wiederzubekommen und auf diesem Weg entgleitet ihm zunehmends die Kontrolle. Die Ereignisse überschlagen sich und es scheint, als würde der verzweifelte Professor sich zwischen persönlicher Krise und den Auswüchsen seiner ungewöhnlichen Weltanschauung in den Fängen seiner eigenen, unbeständigen Realität verrennen.
Vor allem mit dem drastischen Ereignis der Entführung des Kindes und einem einhergehenden Mord, nimmt Schilf Züge eines Thrillers an. Jedoch sind diese nur ansatzweise und auch nur sehr mäßig heraus gearbeitet. Da aber auch die Viele-Welten Theorie eine große Rolle spielt entwickelt sich dennoch ein interessanter Plot, in dem der Protagonist des Films an seiner eigenen Wahrnehmung zu scheitern droht. Schilf bekommt damit viel von einem Mystery-Thriller. Durch die unerklärlichen Geschehnisse und die verworrene Narratin des Films, wird hier gern ein Bogen zu David Lynch, dem Altmeister des Genres, gespannt. Jedoch ist dieser Vergleich etwas hoch gegriffen. Stilistisch ist der Vergleich abwägig und auch inhaltlich sind nur sehr wenige Anlehnungen zu erkennen. Jedoch bildet das Gedankenexperiment aus der Physik einen spannenden Rahmen für den Film. Aber auch hier lässt die Ausarbeitung zu wünschen übrig. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung des Protagonisten, der die Kontrolle verliert, während er sich tiefer und tiefer in die Handlung verstrickt. Die Grenzen zwischen Realtität und seiner Phantasie werden aufgelöst und obwohl ständige Rückbezüge zur Viele-Welten Theorie das Thema immer wieder auf die Agenda rufen, stellt sich stellenweise trotzdem die Frage, ob der Protagonist nicht vielleicht doch einfach nur wahnsinnig ist.
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