Macht, Hass, Intrigen, Verrat und große Kriege … Stoff aus denen Romane, TV-Serien und auch Videospiele gemacht sind. Der französische Entwickler Cyanide versucht sich aus diesem Grund ein zweites Mal an dem „Lied von Eis und Feuer“.
Die schroffen, schneebedeckten Weiten des nördlichen Westeros breiten sich vor unserem Helden Mors Westford aus. Zu Fuße der hohen Mauer dient er der Nachtwache, um die zivilisierten Königreiche vor den Wildlingen, Schattenwölfen und restlichen namenslosen Schrecken der nördlichen Lande zu schützen. Es ist ein unwirtlicher Ort, gehüllt in von Nebel geschwängerten Schatten und durchsetzt von klirrender Kälte. Doch trotz der trostlosen Szenerie geht Mors, ganz dem Kodex der Nachtwache folgend, seinen täglichen Aufgaben nach. Wenn es sein muss, lässt er seine Klinge zum Wohle des Königreiches sprechen und führt Verhandlungen, wo kalter Stahl unangebracht wäre. Doch die Fäden zieht nicht er selbst, nein, der Spieler vor dem Bildschirm hat die Kontrolle über die Geschicke des Protagonisten. Kann das „Lied von Eis und Feuer“ jetzt vielleicht auch endlich als Videospiel-Adaption punkten?
Kampf der Lizenzwurst
Mit Lizenz-Versoftungen ist das immer so eine Sache. Mit Glück erhält man ein schönes Spiel, das durch sein zugrunde liegendes Thema noch einen zusätzlichen Bonus erhält. Oder aber man verscherzt es sich durch ein durchwachsenes Spielerlebnis trotz zugkräftiger Namen mit Fans und Spielern. Leider muss man Cyanides erstes Game-of-Thrones-Spiel zu letzterem zählen. Doch aufgrund des nicht abreißen wollenden Erfolgs der HBO-Serie, die bereits im April diesen Jahres in Runde zwei übergeht, soll hier ein zweiter Anlauf gewagt werden. Dieses Mal lässt man die Echtzeit-Strategie Echtzeit-Strategie sein, und widmet sich lieber dem Rollenspiel. Stattfindend während der Geschehnisse des ersten Buchbandes, bzw. der ersten Staffel der TV-Serie, schlüpfen wir in die Rolle zwei völlig neuer Charaktere innerhalb des Fantasy-Universums.
Mors Westford ist, wie in der Einleitung bereits erwähnt, ein Bruder der Nachtwache. Er ist ein großgewachsener Hüne, dem die Zeit, das frostige Klima und etwaige Narben tiefe Furchen ins Antlitz gezeichnet haben. Abgesehen seiner Fähigkeiten im Kampf, ist Mors ein sogenannter Hautwandler oder Warge. Es ist ihm dadurch möglich, in den Körper seines ihn stets begleitenden Hundes zu springen und so schwer einsichtige Areale unbemerkt zu erkunden. Daraus ergeben sich während des Spielverlaufs unterschiedliche Aufgaben, die nur mithilfe des treuen und nicht weniger mörderischen Vierbeiners bestritten werden können. Die Nummer Zwei im Bunde ist Alester Sarwyck, ein sogenannter Roter Priester, der die Magie des arkanen Feuers beherrscht. Für 15 Jahre hat dieser auf den Sommerinseln gelebt, kehrt jetzt jedoch zurück in seine Heimat, um dem Begräbnis seines Vaters beizuwohnen.
Das Spiel der Genre-Throne?
Bereits in den ersten Momenten des Spiels merkt man deutlich, dass die Entwickler versucht haben, die konfliktreiche Hardfantasy-Thematik der Buch- und Serienvorlage passend in ein Videospielkorsett zu zwängen. Das man hierbei ein wenig bei Genrekonkurrenten Mass Effect spickt, ist völlig legitim. Den Geschehnissen während des Spiels liegen ähnliche Dialogoptionen zugrunde, wie genanntem Bioware-Spross. So muss Mors zu Beginn seine Standhaftigkeit bei der Exekution eines Deserteurs unter Aufsicht des Lord Commanders Jeor Mormont unter Beweis stellen. Für die Kenner der „Game of Thrones“-Welt ist dies schon nahezu als Nichtigkeit abgetan, gehören solcherlei Geschehnisse schließlich nahezu zum Täglichbrot. Doch in die Rolle des handelnden Charakters versetzt, entwickelt sich aus dieser Situation eine ganz eigene Dramaturgie. Und da wir Jeor Mormont schon erwähnen: Aus der Serie bekannte Charaktere werden auch im
Spiel von den Schauspielern gemimt. So erkennt man James Cosmo genau so schnell als Jeor wieder, wie Conleth Hill als Lord Varys. Den sehr gut geschriebenen Dialogen werden außerdem von den deutschen Synchronstimmen der Fernsehserie Leben eingehaucht, bzw. im englischen O-Ton von den entsprechenden Schauspielern eingesprochen. Vorbildlich.
Technisch kann mit diesem Prunk allerdings nicht ganz mitgehalten werden. Zwar präsentiert sich das neue Game-of-Thrones-Spiel durchaus detailliert und weiß mit schön ausstaffierten Kulissen zu gefallen, doch gerade für ein stark auf seine Narrative fokussiertes Spiel, wie dieses, wirken die Gesichtsanimationen leider viel zu marionettenhaft und steif. Außerdem trübten einige Popups und kleinere Schnitzer den guten Eindruck. Schade, denn auch wenn wir für das Erfassen der Rahmenhandlung während des kurzen Anspielens nur wenig Zeit hatten, so machte diese doch bereits jetzt sehr viel Lust auf mehr. Da Autor R.R. Martin höchstselbst die Geschehnisse des Spiels abgesegnet hat, sind wir guter Dinge.
Spielerisch zur Krone
Das Gameplay von Game of Thrones: Das Rollenspiel konnte uns bereits über weite Strecken überzeugen. Zwar müssen wir in der Kampagne mit vorgefertigten Charakteren vorlieb nehmen, doch lassen uns Cyanide trotz vordefinierter Hintergrundgeschichte die Wahl zwischen verschiedenen Klassen. Soll es lieber ein gewiefter Fernkämpfer statt eines klingenschwingenden Nahkämpfers sein? Ein subtil agierender Schleicher statt eines weisen Magiers? Die volle Optionsbreitseite gibt es zwar nicht, doch begrüßen wir die vorgegebenen Möglichkeiten doch sehr. Genretypisch dürfen natürlich auch Attribute und Fähigkeiten nicht fehlen. Besonders interessant finden wir hierbei die wählbaren Charaktereigenschaften. Euer Held kann zwar ein „geborener Anführer“ sein, bekommt aber für die Wahl dieser positiven Eigenheit auch gleich noch eine schlechte aufgehalst. Diese Eigenschaften bringen unterschiedliche Vor- und Nachteile in den restlichen Spielverlauf und bringen ein wenig frischen Wind in die Charaktererstellung.
Kämpfe laufen in Echtzeit ab, können allerdings jederzeit durch die „Active Pause“-Funktion in eine Art Zeitlupe versetzt werden. Während dieser können dann Fähigkeiten und Aktionen gewählt und die nächsten Schritte geplant werden, so dass genügend Raum zum Taktieren bleibt. Über eventuelle Begleiter in diesen Auseinandersetzungen habt ihr zudem auch meist volle Kontrolle, was die Bandbreite für mögliche Strategien weiter potenziert. Pro Recken können bis zu drei Skills ausgewählt werden, die dann nach und nach auf dem Schlachtfeld Verwendung finden. Während des kurzen Anspielens empfanden wir das System als gelungen, muss sich bei längerem Spiel allerdings erst noch beweisen.
Ersteindruck: Sehr gut
Ich bin unbefleckt an das neue Cyanide-Spiel herangegangen. Das nach einhelliger Meinung etwas misslungene Game of Thrones: Genesis ist an mir, bekennender Strategie-Muffel, komplett vorbeigegangen. Umso mehr freut mich die Umsetzungen des erdigen Fantasy-Epos als Rollenspiel. Eine in seinen Grundzügen bereits unheimlich spannende und authentische Geschichte, tolle Dialoge und das gelungene Spielprinzip entfachten bei mir bereits Vorfreude auf das Endprodukt. Die größtenteils klassischen Mechaniken und die noch etwas holprige Technik reißen zwar keine Bäume aus, doch nehme ich solcherlei Ungereimtheit gern in Kauf, wenn mich die Handlung ähnlich fesselt wie Buch und Serie.




2 Kommentare für “ Preview: Game of Thrones – Das Rollenspiel ”
SethSteiner (19 Posts)
24.01.2012 um 18:13
Dialoge und gute Story gut und schön aber das Spiel wirkt unheimlich rustikal auf mich, spielerisch wie äußerlich. Irgendwie fehlt mir da die Innovation, schließlich sind die Charaktere ja auch wieder nur Männer. Ein Saints Row The Third liefert einen hammergeilen Charaktereditor und jeweils vier Stimmen pro Geschlecht – und ist nicht mal ein Rollenspiel. Und dann kriegt man sowas vorgesetzt. Na ja.
PeterParker
24.01.2012 um 19:59
Was wie cool. Hätte eher gedacht es wird nicht gut. Schön das auch mal positive Überraschungen gibt.