Die Welt ist untergegangen! Was Esoteriker dank Maya-Kalender eigentlich erst für den Dezember dieses Jahres vorgesehen haben, kann für uns Videospieler bereits im März zur Realität werden. Wir haben uns in die Postapokalypse des kommenden Download-Titels I Am Alive gewagt und können behaupten immer noch “am Leben” zu sein.
Als einer der wenigen Überlebenden einer zu Beginn noch nicht näher erläuterten Katastrophe, schlagen wir uns in den Ruinen der fiktiven, amerikanischen Stadt Haventon durch. Unser Ziel ist es, Frau und Kind wiederzufinden. Was hier vielleicht stark nach einem „08/15-Aufhänger“ für den nächsten Zombie-Shooter klingen mag, entpuppt sich in unseren Händen jedoch als weit weniger konventionell. Statt Action mit dem Brecheisen wird in recht elegischen Tönen eine erwachsen wirkende Dystopie kredenzt. Statt Railgun und Schrotfilinte nehmen wir in I Am Alive mit einer mickrigen Handfeuerwaffe ohne Munition und einer Machete Vorlieb. Statt auf Horden aggressiver Mutanten, stoßen wir hier nur mit anderen Überlebenden zusammen. Statt straffer, leichtgängiger Spielerei, fühlt es sich hier wirklich so an, als würden wir zu jederzeit um unser Überleben kämpfen.
Das Ende der Welt braucht keine Konventionen
Zu Beginn müssen wir uns einen Weg über eine zerstörte Brücke bahnen, um in den Stadtteil zu gelangen, in dem unser Protagonist vor der Katastrophe mit seiner Familie ansässig war. Über Schutt, Eisenstreben und umgestürzte Pfeiler gelingt es uns mit einigem Aufwand, die andere Seite der Überführung zu erreichen. Zum ersten Mal werden wir hierbei mit der Ausdaueranzeige unseres unfreiwilligen Helden vertraut gemacht. Denn im Gegensatz zu manch anderem, digitalen Herold, kann sich dieser nicht einfach über Stunden von Vorsprung zu Vorsprung hangeln, ohne eine Schweißperle zu verdrücken. Ein kleiner Balken nimmt während des Erklimmens von Hindernissen stetig ab. Ist dieser geleert, beginnt unser Protagonist zu straucheln. Ab jetzt geht die Kletterpartie an die Reserven und zehrt entweder an der Gesundheit oder verkürzt stetig das maximale Volumen der Ausdaueranzeige. Bei letzterer Variante müssen wir fortan mit verringerten Kraftreserven arbeiten, was die nächste emporzusteigende Wand zu einem noch schwierigeren Hindernis macht.
Nur mit Rationen können wir uns wieder aufpäppeln. Eine Flasche Wasser kann unseren Ausdauerbalken zu einem Teil wiederherstellen, Schmerzmittel hingegen steigern unsere Gesundheit. Solcherlei Rationen sind dabei der heilige Gral der zerstörten Nachwelt. Überall halten wir nach vollen Konservendosen, Verbandszeug oder Getränken Ausschau, nur um körperlich fitt zu bleiben. Hierbei kommen auch weitere Überlebende ins Spiel, die entweder mit aller Kraft versuchen ihr Hab und Gut zu verteidigen oder eben mit Gewalt an unsere Habseligkeiten kommen wollen. Statt reißerischem Kampf bringt uns hier meist nur ein kühler Kopf und schnelles Taktieren weiter. Sollten wir angegriffen werden, gilt es zu sondieren. Greifen mehre Personen mit Schlag- oder Stichwaffen an, können wir sie eventuell mit der nicht geladenen Pistole in Schach halten und übermannen. Bei besser bewaffneten Dieben hilft nur das Überraschungsmoment. Wir lassen einen Widersacher an uns herantreten und zücken im letzten Moment unsere Machete um seine Halsschlagader zu öffnen.
Schutt und Asche
Trostlos, dreckig und finster sind die Bilder, die I Am Alive auf unsere Bildschirme bringt. Technisch zwar mit einigen Mängeln behaftet, haben wir es selten mit einer so authentisch wirkenden Nachuntergangs-Welt zutun gehabt wie hier. Schutt, Asche, Häuserruinen und verlassene Autos deuten auf die Katastrophe hin, die hier gewütet haben muss. Matte Grau- und Brauntöne durchziehen die verlassenen Landschaften. Alles scheint mit einer Schicht dichtem Staubs belegt zu sein. Schade nur, dass einige Texturen einen sehr unfertigen oder verwaschenen Eindruck machen und das ganze Bild oft ein wenig zu grobkörnig scheint. Hübsch kann man I Am Alive also in jedem Fall nicht nennen, dafür aber zu jederzeit stimmig. Nur die an einigen Stellen recht offensichtlichen, unsichtbaren Wände hätten es nicht zwingend sein müssen.
Ersteindruck: Gut
Bereits mit der uns zur Verfügung gestellten Preview-Version kann ich eine Aussage gewissenhaft treffen: Noch nie zuvor wurde die Weltuntergangsthematik treffsicherer eingefangen! Die angezogene Handbremse tut diesem Szenario unwahrscheinlich gut. Die hitzigen Kletterpassagen, die ungewöhnlichen Auseinandersetzungen mit anderen Überlebenden und die generelle Atmosphäre verleihen dem Setting Effet. Den sehr guten Eindruck trübten nur kleine Ungereimtheiten und potenziell mögliche Sackgassen, aus denen wir uns nur durch laden älterer Spielstände retten konnten. Doch wir sind guter Dinge, dass uns mit ein wenig Ausbesserung ein richtig toller und vor allen Dingen einmaliger Downloadtitel ins Haus steht.


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