Es geht um Liebe – in vielerlei Hinsicht. Der Erfinder der Lindenstraße Hans W. Geißendörfer zeigt in der Verfilmung seines eigenen Drehbuchs was Liebe und Vertrauen bewirken können und welche Schmerzen ein Drogenentzug mit sich bringt.
“In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.” (Johannes 16,33)
Eva (Anna Maria Mühe) und Jo (Max von Thun) sind Junkies, Heroin ihre Droge. Eva stammt aus gutem Hause in Bamberg. Sie wollte Jo nah sein, nun ist sie abhängig. Freunde haben sie keine mehr, zu ihren Familien so gut wie keinen Kontakt. Sie scheinen kurz vorm Abgrund, doch beide wollen clean werden. Als Eva erfährt, dass sie schwanger ist, beschließt das junge Paar nach Neuseeland auszuwandern. Ihnen fehlt das Geld und jeder Versuch die nötigen Mittel für die Tickets nach Neuseeland zu bekommen, schlägt fehl. Sie beschließen dem Ladenbesitzer Plauen (Roland Eugen) das Geld aus der Kasse zu stehlen, doch der Plan geht schief. In ihrer Hilfslosigkeit unterläuft Eva ein schwerer Fehler. Die Polizei ist schon unterwegs und Jo wird auch noch gefasst. Völlig geschwächt, von Jo getrennt und mit plagenden Entzugserscheinungen schafft sie es, sich über Umwege in einem Hochhausflur zu verstecken. Sie belauscht gezwungenermaßen einen Streit zwischen einem Ehepaar. Am nächsten Morgen flüchtet sie sich in die Wohnung des Lehrers Paul Krämer (Axel Prahl), welcher sich am Vorabend mit seiner Frau gestritten hat, und nimmt ihn als Geisel. Langsam bahnt sich eine fast väterliche Beziehung zwischen Eva und Paul an, sodass sie ihm von ihren Plänen und Jo erzählt. Derweil geht Jo durch die Hölle. Auch er ist auf Entzug und das auch noch im Gefängnis. Doch durch die Kraft ihrer Liebe, schafft es das Paar, trotz der Entfernung miteinander zu kommunizieren. Als Pauls Frau Gisela nach Hause kommt, nimmt Eva auch sie zur Geisel, doch Gisela (Kirsten Block) kann sich befreien und alarmiert die Polizei. Paul verhilft Eva zur Flucht und nicht nur das, er will ihr auch helfen Jo zu befreien und den Weg nach Neuseeland ebnen. Ob er das schafft, sei dahin gestellt.
Hans W. Geißendörfer hat nicht nur ein sehr realitätsnahes Drehbuch verfasst, er hat auch einen unvergleichlichen Film geschaffen. Das Thema Drogen und vor allem Heroin, sind Tabuthema und werden in der Öffentlichkeit lieber vermieden. Doch Geißendörfer versteht es, das Thema mit der nötigen Vorsicht aber der richtigen „Dosis“ anzupacken. Die Wahl seiner Darsteller ist mehr als gelungen. Neben der exzellenten Leistung Anna Maria Mühes hat auch Axel Prahl seine Rolle als Paul Krämer großartig umgesetzt. Die Kontinuität mit der Geißendörfer die Emotionalität des Films aufrecht erhält, mag für manche als Überschuss empfunden werden, ist aber das Herzstück des Films.
Besonders die musikalische Untermalung ist hervorzuheben. Neben der eingespielten Begleitmusik, die nicht nur hervorragend im Timing ist, sondern auch perfekt zur jeweiligen Situation passt, begeistert besonders das Klavier- und Gitarrenspiel von Eva und Jo. Hervorzuheben ist die Szene, in der Jo im Gefängnisaufenthaltsraum Evas Lieblingsstück auf einer Gitarre spielt und sie zeitgleich in der Wohnung ihrer Geiseln die Hände über das Klavier gleiten lässt.
In der Welt habt ihr Angst wurde fast gänzlich ohne Fördermittel gedreht, unter anderem auf Grund der Behandlung des Tabuthemas Heroin. Dem Film an sich ist dieser Umstand nicht anzumerken, dennoch sei gesagt, dass die Thematisierung eines solchen Problems durchaus förderungswürdig ist. Zumal die Umsetzung nicht als „Drogenfilm“ bezeichnet werden kann, sondern als Ode an die Kraft und Liebe eines jungen Mädchen.
In der Welt habt ihr Angst ist ab 03. März 2011 in den Kinos zu sehen. Für mehr Informationen zum Film lest das Interview mit Hans W. Geißendörfer.




>>