Vorschau: Project Cars 2

Vorschau: Project Cars 2

Project Cars 2 zeigt sich in der ersten Probefahrt als authentische und realistische Rennsimulation

Mit Project Cars 2 wollen die Londoner Slightly Mad Studios in Zusammenarbeit mit Herausgeber Bandai Namco Entertainment den Nachfolger zum ambitionierten, aber doch technisch unsicheren Vorgänger präsentieren. Sie liefern sich damit ein enges Rennen mit der starken Konkurrenz, bestehend aus F1, Dirt 4, Moto GP 14, Forza Motorsport 7 und Gran Turismo Sport. Nun also heißt es, endgültig die Kinderkrankheiten abzulegen, um Motorsportfans eine Rennsimulation bieten zu können, die sich auf dem Markt durchsetzen kann.

Ob Ihnen das gelingt, durften wir bei einem Hands-On-Event in Frankfurt herausfinden. Die ersten Probefahrten fanden für uns in der Klassikstadt in Frankfurt statt. Diese war mit Rennsitzen, Lenkrad und VR-Brillen perfekt dafür ausgestattet, aber auch ein paar Runden am guten alten Controller durften nicht fehlen. Das Spiel lief auf den leistungsstarken Testrechnern durchgehend flüssig.

Eines vorweg: Grafisch ist Project Cars 2 wie auch schon sein Vorgänger das Maß aller Dinge, um nicht zu sagen ‚Car Porn‘. Die Reflexionen in der Windschutzscheibe oder das Fahren bei Schneegestöber sind eine echte Augenweide. Slightly Mad Studios wissen, wie sie ihre Autos in Szene setzen. Darüber hinaus beeindruckt der Titel mit einer unfassbaren Detailtreue. Jeder Schaltknüppel, jedes Lenkrad, jedes Armaturenbrett und jeder Scheinwerfer ist von Hand designed. Man merkt dem Spiel einfach von Anfang an an, dass es von Rennfahrern wie Ben Collins, Nic Hamilton usw. mitentwickelt wurde und enge Partnerschaften zu den großen Autoherstellern bestehen.

Vorschau: Project Cars 2

Mit dem optimalen Setup ist Project Cars eine Grafikpracht

Wie wird das Fahrgefühl beeinflusst?

Teilweise hatte der Vorgänger mit einem unausgereiften Bremssystem zu kämpfen. Oft fehlte der Grip unter den Reifen oder das Heck der Fahrzeuge brach zu oft aus. Zwar wurde dies mit einem Patch nachgebessert, der Nachfolger soll nun aber on point durch korrekte Physik und perfekter Fahrzeugkontrolle überzeugen – Perfekte Fahrzeugkontrolle im Verhältnis zur Situation. Denn einfach alles hat in Project Cars Einfluss auf eure Fahrdynamik. Da wäre zum einen das übliche: die Streckenverhältnisse, also Nässe und Belag. Aber Project Cars geht noch weiter. Selbst die Temperatur beeinflusst, wie schnell der Motor anläuft und sich die Reifen aufwärmen.

Und wenn die Sonne im Winter tief steht, blendet sie ohne Gnade. Wenn es regnet, sammelt sich Wasser dort, wo die Strecke niedriger ist und lässt kleine Seen entstehen, die Aquaplaning auslösen können. Zusätzlich lässt sich das Wetter in bis zu 20 Optionen genau einstellen, inklusive Zeitrafferfunktion und nun auch vier Jahreszeiten. Die Wettereffekte sind ein echtes Highlight der Serie und bleiben es auch. Weiter geht es mit der Reifensimulation. In Absprache mit diversen Reifenherstellern, bekamen die Entwickler Daten über die Zusammensetzung von Reifen und ihrer Performance auf verschiedenen Belägen. Wenn dann während eines Rennens immer mehr Schotter und Reifenabrieb auf die Strecke gelangt, verändert das auch den Grip.

Vorschau: Project Cars 2

Wetter und Jahreszeiten haben großen Einfluss auf die Rennen

Ist die Steuerung besser als beim Vorgänger?

Bei all diesem Realismus könnten Anfänger da nicht abgeschreckt werden? Nicht unbedingt. Denn in Project Cars 2 sind die Erfahrungen und das Feedback echter Fahrer mit eingeflossen. Diese hatten im Vorgänger ebenfalls die Unberechenbarkeit der Fahrzeuge bemängelt. Tatsächlich sind Rennboliden jedoch dafür gebaut, dem Fahrer eine größtmöglichste Hilfe zu geben und nicht gegen ihn zu arbeiten. Habt ihr also das passende Setup für die Streckenbedingungen, sollte euch nicht mehr so schnell das Heck ausbrechen.

Trotzdem heißt es erstmal ein Gefühl für jedes Fahrzeug zu bekommen, ehe man etwas risikoreicher fahren kann. Die Gamepad-Steuerung kommt natürlich nicht an ein Lenkrad ran, ist aber besser gelöst als beim Vorgänger. Sollte man mal mit dem Daumen am Pad ausrutschen, wehren sich die Autos etwas früher gegen harte Manöver, sodass einem das Korrigieren leichter fällt. In Rennen gegen die KI, ist allerdings immer noch höchste Anspannung angesagt. Ein kleiner Fehler reicht, um eine Kollision zu verursachen. Im Zweifel solltet ihr also lieber den Computer Gegnern den Vorrang auf die Ideallinie lassen.

Vorschau: Project Cars 2

So detailgetreu wie in Project Cars 2 waren Cockpits noch nie

Die Inhalte

Project Cars 2 wird zum Verkaufsstart insgesamt 62 Strecken enthalten. Diese sind durch das altbekannte Laserscanning perfekt nachgebildet. Neben normalen Kursen sind auch Rally-Cross-Rennen und diverse Offroad-Strecken enthalten. Ein Highlight ist das Mercedes Ice Racing über einem gefrorenen See in Lappland. Dem nichts nach steht der Fuhrpark: Über 180 Autos stehen euch von Anfang an zur Verfügung. Nichts mit Freischalten – Wer von Beginn an mit seinem Traumauto über die Pisten heizen möchte, kann dies tun, erklärt Creative Director Andy Tudor.

Ihr müsst bei uns kein Geld und keine Erfahrungspunkte grinden, um euer Traumauto zu kaufen. Ihr könnt euch sofort hinter das Steuer des McLaren 720S setzen.

Zwar ist eure Auswahl in Forza Motorsport 7 mit etwa 700 Autos größer, jedoch kommt diese in Sachen Details und Anpassungsmöglichkeiten nicht an Project Cars 2 heran. Die Breite an Fahrzeugen ist sowieso überzeugend. Von Hypercars bis GT3, GTE und Karts ist alles abgedeckt, was sich heutzutage so Rennen im Motorsport liefert.

Bei den Spielmodi hat sich Slightly Mad Studios ebenfalls alle Mühe gegeben. Im Karrieremodus könnt ihr beispielsweise Werksfahrer für Hersteller werden. Fahrt ihr gerne und oft Ferrari? Dann wird der italienisch-niederländische Rennstahl das merken und euch als Markenbotschafter haben wollen. Auch bei den virtuellen Meisterschaften könnt ihr entweder Solo oder im Mehrspielermodus so ziemlich alles simulieren. Egal ob echte oder eigene Turniere, ihr könnt von den Fahrzeugseinstellungen bis zum Wetter alles festlegen. Zudem lässt sich in kompakten Quick-Races euer favorisiertes Line-Up speichern und später erneut spielen.

Im Multiplayer gibt es außerdem ein besseres Ranking-System, das die Spieler nach ihrer Fahrweise einordnet. Fahrt ihr also wie der letzte Trucker beim Crash-Derby.. nun dann viel Spaß mit euren Gleichgesinnten auf der Strecke. Motorsport-Virtuosen bleiben somit auch unter sich.

Vorschau: Project Cars 2

Project Cars überzeugt ebenfalls durch sehr variable Schadensmodelle

Technik und VR

Ein beeindruckendes Erlebnis hat der, der sich mit einer VR-Brille in die virtuellen Cockpits begibt. Hier kommen sämtliche Details zum tragen. Über das Interieur der Fahrzeuge kann man nur staunen und selbst beim Blick nach hinten kann man teilweise die Motoren der Edelboliden untersuchen. Hinzu kommt, dass das HUD individuell einstellbar ist und man für den vollen Realismus auch komplett darauf verzichten kann.

Wenn das Rennen dann mit brillanten Motorgeheule losgeht, fällt auch auf, dass man ein ganz schönes Stück tiefer im Sitz ‚liegt‘ – eben ganz so wie in der Realität. Weiterhin arbeitet auch die Fliegkraft bei der Sicht des Fahrers mit. In engen Kurven schiebt sich euer Blickfeld automatisch in die entgegengesetzte Richtung, weil immerhin ordentliche G-Kräfte auf euren Fahrer wirken. Zusammen mit dem Force-Feedback des Lenkrads ist die Immersion wahrhaft perfekt. Näher kann man nicht an ein echtes Rennerlebnis herankommen – Jedenfalls nicht ohne seine eigenen vier Wände zu verlassen. Positiv hervorzuheben ist der sparsame Einsatz von Motion Blur. Das Geschwindigkeitsgefühl überträgt sich ohnehin sehr gut. Lediglich die Zuschauer und teilweise die Streckenumgebung fallen nicht ganz so detailliert aus.

Für den PC unterstützt Project Cars die aktuellste Soft- und Hardware. Nur die Unterstützung der PlayStation VR ist noch unklar. Auf dem PC könnt ihr die Rennsimulation wie schon beim Vorgänger mit Oculus Rift und HTC spielen. Auf den 4K-Bildschirmen vom Hands-On-Event sieht das Spiel umwerfend aus und liefert gleichzeitig eine tadellose Performance ab. Wie dies dann bei den Konsolen-Versionen aussieht, bleibt abzuwarten. Project Cars 2 wird am 22. September 2017 für PC, PS4 und Xbox One erscheinen.

Hoher Realismus und Detailgrad
Großer Umfang an Strecken und Autos
Verbesserte Fahrzeugkontrolle
Imposante Grafik
Alles von Beginn an freigeschaltet
Verbesserter Online-Wettbewerb
Einzigartige VR-Erfahrung
Immer noch schwieriges Wagenhandling
Großer Unterschied beim Fahren mit Lenkrad oder Gamepad
Bombastisch

Lennart S.

Trotz des überschwemmten Marktes für Motorsport-Simulationen scheint Project Cars 2 etwas ganz besonders zu sein. In Sachen Realismus, Authentizität und Wagenphysik kann dem Titel niemand das Wasser bzw. das Motoröl reichen. Von den Fliegkräften im Cockpit über die thermischen Einflüsse auf Motor, Karosserie und Reifen bis zu den dynamischen Veränderungen der Streckenoberflächen - Project Cars 2 bietet eins der intensivsten Rennerlebnisse in der Geschichte der Videospiele. Das Feedback aus dem ersten Teil wurde produktiv umgesetzt, sodass nun auch das Fahren an sich echten Spaß macht. Egal ob mit Lenkrad und VR oder mit Controller, die Fahrzeuge lassen sich besser kontrollieren, auch wenn auf dem Gamepad viel Kontrolle verloren geht. Anfänger dürften hier und da Schwierigkeiten mit der Steuerung haben. Trotzdem ist Project Cars 2 eins der technologisch fortschrittlichsten Rennspiele und gibt euch gleichzeitig die volle Freiheit, zu entscheiden, wo und mit was ihr fahren wollt.
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