Angespielt: Star Trek Bridge Crew

Angespielt: Star Trek Bridge Crew

Logbucheintrag Ingame, Sternenzeit 11.04.2017: Nachdem uns eine Nachricht des Entwicklers Ubisoft erreichte, in der wir eingeladen wurden, in Berlin an einer Preview zu einem Virtual Reality-Spiel teilzunehmen, haben wir sofort Kurs auf den angegebenen Treffpunkt gemacht. Dies sind die Abenteuer, welche wir dort mit Star Trek Bridge Crew erlebten.

Ob Trekkie oder nicht, das Steuern eines Raumschiffes und das Erforschen fremder Galaxien samt unbekannter Lebensformen fasziniert jeden. Red Storm Entertainment verwirklicht dieses Jahr nach etwas Verspätung am 30. Mai diesen Traum und entführt uns mit Star Trek Bridge Crew in unendliche Weiten. Das Spiel wurde speziell für die VR entworfen und soll vier Spielern das kooperative Gefühl des „being on the bridge“ vermitteln, so Game Director Brian Tate.

Der magische Zeigefinger

Zu viert betraten wir in Star Trek Bridge Crew die Brücke der U.S.S. Aegis, dem neuesten Schiff der Förderation, und wurden mit der Erkundung des sogenannten „Grabens“ beauftragt. Hier soll eine bewohnbare Heimat gefunden werden, doch nicht nur die Förderation ist hier unterwegs – auch Klingonen halten sich in der neutralen Zone auf. Die vier einzunehmenden Rollen sind Captain, Steuermann, Chefingenieur und taktischer Offizier. Letztere Stellung übernahmen wir beim Event in Berlin und waren fortan im Gefechtsfall für die Waffen und das Scannen der Umgebung zuständig. Wenn einmal nicht 3 Freunde online verfügbar sind, kann man auch eine KI die übrigen Positionen besetzen lassen, was sicherlich die interaktive Komponente, die das Spiel ausmacht, stark abschwächt.

Die U.S.S. Aegis ist mit der neuesten Technik ausgestattet und so finden wir eine blau beleuchtete Touch-Konsole vor uns, sobald wir die Oculus Rift aufgesetzt haben. Gezeigt wird uns auf dieser eine Karte, auf der wir sowohl das eigene als auch andere Schiffe und Planeten sowie Asteroiden sehen können. Durch das Anklicken eines Objektes auf dieser Hologrammkarte visieren wir etwas an. Bedient wird die gesamte Konsole nur mit dem Zeigefinger, in diesem steckt also die gesamte Macht und Verantwortung eurer Rolle auf der Brücke des Raumschiffs. Mit ihm wird alles angeklickt, Regler geschoben und manchmal auch auf Teammitglieder gezeigt. Die Steuerung ist dabei sehr intuitiv und funktioniert einwandfrei mit den Motion Controllern der Oculus.

Doch was können wir alles mit unserem Zeigefinger tun? Sind wir in einer gewissen Reichweite, ist es dem taktischen Offizier möglich, Schiffe oder Objekte im All zu scannen. Bei neutralen oder auch feindlichen Schiffen können die Waffen, die Schilde, die Motoren oder die an Bord befindlichen Lebewesen gescannt werden. Letztere können wir oder der Ingenieur, sobald sie erfasst wurden, zu unserem Schiff beamen. Sind dagegen Schilde, Waffen und Motoren eines anderen Schiffes gescannt, kann der Ingenieur sich in diese einhacken und sie beispielsweise deaktivieren -sehr nützlich in einer Kampfsituation.

Außerdem verfügen wir über zwei Angriffswaffen: Den Phaser und die Torpedos. Beides muss aufgeladen werden und der Phaser funktioniert nur innerhalb einer gewissen Reichweite. Auch hier sind wir auf den Ingenieur angewiesen, denn er kann die Energie und Reichweite unseres Phasers wie auch des Scanners erhöhen. Das Hoch- und Herunterfahren des Schildes fällt ebenfalls in unseren Zuständigkeitsbereich. Denn gebeamt werden kann nur, wenn das Schild deaktiviert ist, was uns natürlich angreifbar macht.

All dies erzählt uns in einem Tutorial zu unserer Position der Chef der Sternenflotte und schon geht es los auf unsere erste Mission, in der wir aufs Geratewohl einen Krieg anzetteln, da wir in eine neutrale Zone eindringen.

Klare Worte und wilde Gesten

Angespielt: Star Trek Bridge Crew

Ob Zeigefinger oder Fingerguns – Communication is key – and fun!

Doch zuerst sitzen wir und unsere Crew-Mitglieder um eine Konsole herum und können uns gegenseitig anschauen und unsere Position auf der Brücke auswählen. Der Captain wählt hier unsere Mission und den Spielmodus. Wir können unsere Mitspieler jedoch nicht nur ansehen. Wenn wir als Spieler reden, so bewegt sich auch der Mund unserer Figur und auch alle nur erdenklichen Gesten können wir mit den Motion-Controllern produzieren. Ein freundliches Winken oder ein energischer Fingerzeig sind auch auf der Brücke möglich und können als Kommunikationsmittel oder nur als lustige Auflockerung nach einem Sieg verwendet werden. Als wir die erste Mission erfolgreich abgeschlossen haben, konnten wir uns beispielsweise wilde Fingerguns nicht verkneifen.

Sobald wir unsere Positionen auf der Brücke eingenommen hatten, mussten wir erst einmal staunend um uns blicken. Im Blickfeld befand sich der große Monitor, welcher die Sicht auf das vor uns liegende Universum preis gab, um uns herum waren allerlei Bildschirme angebracht und weitere Crewmitglieder eifrig beschäftigt. Mit der Y-Taste des Controllers kann man sogar die Brücke ausblenden und sich im All umsehen – atemberaubend! Allerdings darf man hier keine gestochen scharfen und lebensechten Grafiken erwarten, das Spiel sieht zwar gut aus, aber eben nur gut. Das Gefühl auf einer Weltraummission ein riesiges Raumschiff zu steuern, wird allerdings bis zur Perfektion erzeugt. Einmal am Schaltpult losgelegt und die ersten Passagiere von einem im All driftenden Schiff gerettet, vergingen die 2 Spielstunden wie im Flug. Ohne Zweifel hätten wir noch weitere 2 Stunden unterschiedlichste Missionen absolvieren können, denn nach und nach war unsere Crew immer besser eingespielt und die Befehle wurden klarer.

Zu einem noch größeren Realitätsgefühl trägt die interaktive Brücke bei. Werden wir in einem Kampf getroffen, fliegen Funken aus Konsolen, lodern Feuer auf und es fliegen auch des öfteren Verkleidungen des Schiffes oder tote Rothemden durch die Brücke – wie im echten Leben der Sternenflotte.

Angespielt: Star Trek Bridge Crew

Unendliche viele Missionen erwarten unsere Crew.

Den Hauptteil unserer Zeit verbrachten wir im Story-Modus, welcher eine spannende Geschichte erzählt, indem er nacheinander verschiedenen Typen von Missionen einführt, die immer komplexer werden. Missionen werden unter einem Haupttmissionsziel zusammengefasst, so zum Beispiel Erkunde X oder Rette die Crew Y aus Schiff Z, welche nur der Captain überblicken kann. Im Laufe einer  Mission kann sich der Anfangsfokus allerdings schnell ändern, so tauchten bei einer Rettungsaktion auf einmal Klingonen auf, die uns ordentlich einheizen. Hier ist vor allem der Captain gefragt, der schnell die Situation analysieren, unsere Möglichkeiten durchgehen und sich für eine entschieden muss, welche er uns klar mitteilen muss. Beamen wir die Personen schnell an Bord und warpen uns dann in Sicherheit oder aktivieren wir unsere Schilde und gehen erst einmal ins Gefecht und fahren danach mit der Rettungssituation weiter?

Hinzu kommt ein Ongoing Voyages-Modus, welcher der Crew zufallsgeneriert Situationen liefert. Es kann sich dabei sowohl um einfache Missionen als auch um sehr knifflige Situationen handeln, bei denen ein Sieg nicht unbedingt möglich ist. Ein wenig Erfahrung sollte man deshalb haben, bevor man sich an diese Aufgaben traut, da Überraschungen aller Art warten. Ein Highlight dieses Modus ist, dass wir nur hier die Originalbrücke der U.S.S. Enterprise betreten können – Was wir uns nach zwei Missionen auf der U.S.S. Aegis natürlich ohne Probleme zutrauten, nur um dann festzustellen, dass früher zwar alles besser, aber auch komplizierter war.

Viele bunte Gummibärchen

Angespielt: Star Trek Bridge Crew

Die Brücke der USS Enterprise ist nur für Knöpfchenexperten.

Überall blinkten bunte Knöpfe und Schalter, an der Wand waren zahlreiche, aber sehr kleine Monitore angebracht, und wir vernahmen die Originaltöne aus der Serie. Die alte Brücke wirkt neben der Aegis wie ein gemütliches Wohnzimmer. Die Geräusche beim Warpen und der schrille Ton des Phasers haben bei uns Gänsehaut verursacht und machen die U.S.S. Enterprise glatt zu unserem Lieblingsschiff.

Die Steuerung der Enterprise ist dagegen alles andere als gemütlich und wird als Hard Mode betrachtet und das zurecht. Statt einer übersichtlichen und selbsterklärenden Touch-Konsole blickten wir auf dieser Steuertafel auf zahlreiche gleich aussehende bunte Knöpfe und Schalter und ein Raster, welches eine Karte darstellte. Wofür die Knöpfe verwendet werden, wird per Druck auf den X-Knopf des Motion-Controllers sichtbar und zwar nur für uns. In diesem Modus sind zwar alle Knöpfe beschriftet, doch trotzdem ist es nicht immer eindeutig, was jeder Knopf macht. Erfahrung macht den Meister. Ziele werden nicht eigenständig angeklickt, man muss sich durchklicken und wer Feind und wer Freund ist, lässt sich dabei nur schwer sagen. Wir mussten deshalb mehrere Male den Captain fragen, ob wir nun das richtige Ziel anvisiert hatten. Auch das moderne Hacken der Systeme anderer Schiffe gibt es 50 Jahre in der Vergangenheit nicht und wir müssen bei gegnerischen Schiffen zuerst das Schild abschießen, bevor wir beamen können.

Teamwork ist absolut notwendig auf der U.S.S. Enterprise, denn wenn nur einer einen Fehler macht oder nicht auf Befehle achtet, zieht dies schnell die Zerstörung des Schiffes nach sich. Nachdem man sich aber in seinem Team eingelebt habt, klappen die Abläufe fast wie geschmiert. Hierfür muss man nicht nur wissen, was die eigene Aufgaben sind, sondern auch was die anderen Crew-Mitglieder machen und wie man diesen und sie einem helfen können. In der zweiten Mission wussten wir beispielsweise, dass der Ingenieur nur das gegnerische Schiff hacken kann, wenn es gescannt war, also taten wir dies gleich zu Beginn und wir konnten uns so schnell einen Vorteil verschaffen. Auch der Steuermann fragte nach, ab welcher Distanz der Scanner und der Phaser einsatzbereit waren, damit er weiß, wie nah er an ein anderes Schiff heranfahren muss.

Angespielt: Star Trek Bridge Crew

Beim Kobayashi Maru Test ging trotz Einspielphase alles drunter und drüber. Nachdem wir das gestrandete Schiff gefunden und gescannt hatten, tauchten zahleiche klingonische Birds of Prey auf. Sofort ging es ins Gefecht, in dem wir zusätzlich noch zahlreichen Hindernissen ausweichen mussten. War ein Gegner zerstört, kam sofort ein neuer. In kleinen Ruhephasen mussten wir unser Schild deaktivieren, um die Besatzung der Kobayashi Maru zu uns zu beamen. Dadurch waren wir dem Beschuss der Klingonen ausgeliefert. Nachdem der Ingenieur schrie: „Sie sind an Bord!“ aktivierte ich das Schild und schoss Torpedos auf die Gegner, während der Steuermann uns in den geeigneten Warp-Tunnel manövrierte. Als der Captain schrie: „Wir müssen weg hier! Warp! Sofort!“ passierte aber nichts. Alle gerieten in Panik: Was hatten wir vergessen? War der Kurs eingestellt? Waren die Warpspulen geladen? Wir waren kurz vor dem Tod, als der Ingenieur verkündete: „Energie ist nicht auf Warp eingestellt!“ Das zu ändern dauerte einige Sekunden und wir bangten um unser Schiff – dann kam das erlösende Warpgeräusch und wir flogen in Sicherheit. Das war knapp! Missionsbericht: 18 von 381 Besatzungsmitgliedern der Kobayashi Maru gerettet und überlebt, noch 2 von 30 Torpedos übrig, erfolgreich abgeschlossen haben wir die Mission allerdings nicht. Wir stehen ja auch noch am Anfang unserer Karriere in der Sternenflotte.

An alle Motion-Sickness-Geplagten: Da wir die ganze Zeit in der gut übersichtlichen Brücke saßen, kommt Übelkeit gar nicht erst auf. Nur wenn man sich allerdings durch einen Druck auf den Y-Knopf im Weltall befindet, sollte man sich nicht zu waghalsig umgucken.

Man braucht leider 4 Spieler mit VR-Brillen, will man nicht immer mit der KI durchs Weltall trudeln, dafür erscheint Star Trek Bridge Crew für alle VR-Typen, also HTC Vive, Oculus Rift und PlayStation VR für 49,99€. Obwohl bereits zahlreiche Fans weitere Brücken, mehr gegnerische Spezies und bestimmte Missionen vorschlugen, halten sich Brian Tate und Game Designer Matthew Wagner sehr zurück, wenn es um kommende DLCs geht. Erst einmal soll das Spiel am 30.05 auf den Markt kommen, Erweiterungen sind derzeit nicht in Arbeit. Das macht allerdings nichts, denn durch die zufallsgenerierten Missionen hat man immer etwas zu tun im unendlichen All und der Spaß geht durch die Abwechslung der Missionen und der Crew nie verloren.

Unglaublich immersiv
Kommunikation und Gesten erhöhen Realitäts- und Spaßfaktor
Steuerung der Aegis ist sehr intuitiv
Geräusche und Optik der Enterprise voller Nostalgie
Zwei Schwierigkeitsgrade
Vier sehr unterschiedliche Positionen spielbar
Unendlich viele Missionen mit unterschiedlichen Anforderungen
Die Grafik ist nicht von einer anderen Welt
4 VR-Brillen-Besitzer müssen erst einmal gefunden werden
Bis jetzt nur 2 Brücken zur Auswahl
Tatsächliche Abwechslung der zufallsgenerierten Missionen nicht bekannt
Vielversprechend

Nele

Star Trek Bridge Crew entführt uns in unendliche Weiten und macht dabei unendlich viel Spaß. Mit insgesamt vier Spielern fühlt man sich auf der Brücke der U.S.S. Aegis wie ein Mitglied der Sternenflotte und meistert zahlreiche Missionen. Teamwork und Kommunikation sind absolut erforderlich, um das Raumschiff unversehrt aus Gefahrenzonen zu warpen. Sowohl im Story- als auch im Ongoing-Missions-Modus warten vier Rollen auf uns sowie unterschiedlichste Missionsziele. Ob man immer vier VR-Brillen Besitzer für eine Reise ins All findet, ist zwar fraglich, hat man sie aber einmal gefunden, kann man sich stundenlang durch den Weltraum warpen. Dass die Optik nicht auf dem neuesten Stand ist, stört bei diesem immersiven Titel nicht im geringsten Maße. Wir hatten galaktisches Vergnügen beim Spielen und wünschen Star Trek Bridge Crew: Live Long and Prosper!
Vorschau: Marvel vs Capcom Infinite Vorschau #2: Prey
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