Angespielt: The Escapist 2

Angespielt: The Escapist 2

The Escapist 2: Open-World im Knast

Wolltet ihr schon immer mal aus einem Gefängnis ausbrechen? Euch dabei einen raffinierten Plan ausdenken, um euch über Jahre hinweg mit einem Plastiklöffel und drei Kaugummis einen Weg in die Freiheit zu schaffen? Naja, um diese kreative Fantasie auszuleben, muss man erstmal ins Gefängnis kommen. Da wir euch davon leider nur abraten können, stellen wir euch mit The Escapist 2 eine Alternative für eure Gefängnisflucht vor.

Der Vorgänger The Escapist kam 2014 als erster Early Access Titel von Mouldy Toof Studios auf Steam heraus. Wenig später wurde das Spiel dann für Microsoft Windows, Xbox 360, Xbox One und PS4 released.

Nun hat Team 17 den Release-Termin von The Escapists 2 bekannt gegeben. Das laut Eigenwerbung „ultimative Knast-Open-World-Spiel“ erscheint demnach am 22. August für PC, PS4 und Xbox One. Die ebenfalls geplante Fassung für Nintendos Switch folgt zu einem späteren noch unbekanntem Zeitpunkt. Wer The Escapists 2 für knapp 20 Euro vorbestellt, kann sich über den Bonus-DLC „The Glorious Regime“ freuen, in dem der Ausbruch aus einem berüchtigten Gefängnis tief im Dschungel auf dem Programm steht.

Angespielt: The Escapist 2

Der Einstieg in den Ausbruch

The Escapist 2 kommt zwar mit buntem 16-Bit Look daher, ist aber ein knallhartes Sandbox-Rätsel Game, das weitestgehend auf Hilfestellungen verzichtet. Zwar gibt es ein Tutorial, in dem einem die grundlegende Spielmechaniken erklärt werden, jedoch fällt der Spieleinstieg in der ersten richtigen Gefängnismap sehr schwer aus. Im Tutorial habt ihr noch klare Anweisungen vom Erzähler, der an einem Strand seinem Kumpel erzählt, wie er den Ausbruch aus der Gefangenschaft geschafft hat.

Die Aufgaben hierbei sind recht simpel: Verlasse deine Zelle zur Morgenvisite, gehe zum Mittagessen, bastel dir aus einer Socke und einem Stücke Seife eine Waffe, ziehe damit jemandem eins über usw. Später muss man mit einer Zange dann die Lüftungsschächte zerschneiden und sich die letzten Meter in die Freiheit unter einer Tür durchbuddeln. Das Spiel scheint also viel Gefängnis-Action und kreative Möglichkeiten zum Ausbruch zu bieten.

Angespielt: The Escapist 2

Im Tutorial liegt ihr am Strand und erzählt von eurem Ausbruch, doch die Freude hält nicht lange an

Einen ganz anderen Eindruck bekommt man allerdings nach der Tutorial-Mission. Das erste Stichwort lautet Routine. In einem Gefängnis ist der Tag der Insassen meist durchgeplant, damit diese nicht auf dumme Gedanken kommen. So ist es auch in The Escapist 2. Um 7 Uhr geht es zum Morning Call, danach zum Frühstück, später zum Jobgespräch, dann Mittagessen, Muskeltraining, Duschen, Abendbrot und schließlich müssen alle um 22 Uhr im Bett sein. Zwischendurch gibt es dann ein paar Stunden Freizeit, jedoch ändert das nichts daran, dass der ganze Tag von vorne bis hinten durchgeplant ist.

Sollte man bei einer dieser Vorgaben durch Abwesenheit auffallen, sorgt das bei den Wachen für Misstrauen – Und das ist sehr hinderlich, wenn man einen Ausbruch plant. Doch so bleibt nicht allzu viel Zeit, sich mit den unzähligen Möglichkeiten des Spiels vertraut zu machen. Darüber hinaus gibt es von Anfang an keine Hinweise, wo oder bei wem ihr im Gefängnis anfangen könntet, um das Ziel des Ausbruches in Angriff zu nehmen. Alles in allem ein sehr zäher Einstieg.

Das Spielprinzip

Das Spielprinzip von The Escapist 2 lässt sich wie im Vorgänger auch schon zusammenfassen unter: Die Einrichtung erkunden, etwas finden, das einen weiterbringt, es kombinieren und somit Stück für Stück den Ausbruch zu planen. Trial and Error sind hierbei an der Tagesordnung. Bei vielen Insassen lassen sich Quest erfüllen. Diese bestehen klassisch aus Überbringen von Briefen oder Gegenständen und manchmal geht es einfach darum, jemandem eins auf die Nase zu hauen. Mit den Quests lässt sich Geld verdienen, mit dem man wiederum Gegenstände zum Craften kaufen kann.

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The Escapist 2 bietet ein noch umfangreicheres Crafting-System

Das Craften ist in verschiedene Abschnitte unterteilt und nützlichere Dinge erfordern mehr Ressourcen und mehr Bildung. Letztere lässt sich beispielsweise in der Bibliothek durch das Lesen von Büchern erwerben. Sowohl das körperliche Training, als auch das Bücher-Schmöckern ist in simplen und auch etwas einfallslosen Minispielen eingebettet. Leider sind Scheren oder Waffen nicht wirklich erlaubt und sollte man dann doch mal gefilzt werden, bleibt nur noch die Toilette, um verfängliche Dinge runterzuspülen.

Schließlich besteht die Hauptaufgabe des Spiels noch darin, irgendein Schlupfloch in der alltäglichen Routine zu finden. Während man also dem Tagewerk nachgeht, ohne irgendwie negativ aufzufallen, versucht man die Patrouillenpfade der Wachen auswendig zu lernen, oder eine Schwachstelle am Gebäude zu finden.

Kommt einem eine Wache oder ein Haftbruder dann doch mal blöd, kann man sich immer noch mit den Fäusten oder einer Waffe wehren. Meist wird man dann von allen Wachen gesucht und alles endet dann auf der Krankenstation. Erkennen die Männer in Blau dann noch einen zerschnittenen Lüftungsschacht oder sonst etwas Auffälliges, wird sofort der Alarm ausgelöst und wenn man Glück hat, werden die Spürhunde noch im Käfig gehalten.

Angespielt: The Escapist 2

Die Neuerung

The Escapist 2 wartet mit einem neuen Multiplayer auf. In diesem kann man im Koop gegen die KI spielen oder aber auch gegeneinander. Sowohl lokal als auch online können bis zu vier Spieler in einem Gefängnis spielen.

Zum ersten Mal in der Serie wird es einen Drop-in/Dropout-Spielmodus für bis zu vier Spieler geben. Trotzdem muss man um die strengen Gefängniszeitpläne herum arbeiten und gleichzeitig darauf achten, die Aufmerksamkeit der Wärter nicht auf sich zu ziehen. Waffen und gefundene Werkzeuge müssen teilweise heimlich aufbewahrt werden. Auch die Gefälligkeiten für andere Insassen kosten Zeit und bringen lediglich Geld für neue Werkzeuge. Der Weg zur Flucht ist eben ein langer.

Im Vergleich zum Vorgänger hat sich bis auf ein paar neue Crafting-Gegenstände und mehr Möglichkeiten nicht viel getan. Obwohl die Aufmachung verbessert wurde, bleibt The Escapist 2 undurchsichtig und verzichtet auf große Erklärungen. Das mag für den einen eine Stärke, für den anderen eine Schwäche des Spiels sein.

The Escapist 2 erscheint am 22. August 2017 für PC, PlayStation4und Xbox One (später auch für Switch).

Viele Spielmöglichkeiten
Viel Freiheiten für die Entwicklung eines kriminellen Gehirns
Motivation durch Schlupflochsuche
Multiplayer
Zäher Einstieg
Keine Anweisung vom Spiel
Belanglose Quests
Monotone Minispiele beim Lesen oder Trainieren
Immer dieselben Abläufe am Tag
Passabel

Lennart22

Wer schon mit dem ersten Teil seinen Spaß hatte und es mochte, selbst die Möglichkeiten und Grenzen des Spiels auszutesten, der wird auch mit The Escapist 2 auf seine Kosten kommen. Wer allerdings keine Geduld hat, über mehrere Stunden der Tagesroutine zu folgen, nur um dann zu merken, dass der favorisierte Plan nicht funktioniert, der sollte doch lieber zu einem anderen Spiel greifen. Einem Spiel, das mehr anleitet. The Escapist 2 ist ein unbeugsames Knobelspiel, das leider vor allem in der Interaktion mit anderen Insassen an Möglichkeiten zu wünschen übrig lässt. Aber dafür gibt es ja jetzt den Multiplayer.
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