Thimbleweed Park: Preview

Wer hat sich denn da in unsere Redaktion verirrt? Grumpy Gamer, Ron Gilbert höchstpersönlich. Ihr fragt euch wieso? Na, um uns seinen neuesten Streich zu zeigen: „Thimbleweed Park“. Bevor ich wie ein kleines Mädchen, das Tickets für ein Konzert ihrer Lieblings-Boyband bekommen hat, beginne zu schwärmen, versuche ich euch nochmal schnell einige Details zu dem Spiel zu nennen.

Die Story beginnt mit den zwei Agenten Reyes und Ray, die den FBI-Agenten Mulder und Scully aus der Kultserie X-Faktor wie aus dem Gesicht geschnitten, oder eher gepixelt, aussehen. Ihr Auftrag ist es, den Mord an einem leblosen, leicht aufgedunsenen Körper in der kleinen Stadt Thimbleweed Park aufzuklären. Und das ist nur Auftakt für eine Story, die ab da nur noch bizarrer wird.

Eine Stadt voller liebenswerter Gestalten

Lasst mich bloß nicht von den Charakteren anfangen. Einer besser als der andere und ich spreche hier lediglich von den vielen Nebencharakteren. Vom Sheriff, der scheinbar ein abgöttischer Wrestling-Fan ist bis hin zum bekifften Verkäufer an der Supermarktkasse und noch weiter zu den „klassischen“ besoffenen Obdachlosen, ist für jeden was dabei.

Nun zu den Hauptcharakteren: Insgesamt gibt es fünf spielbare Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Beginnen wir mit den beiden Agenten, Reyes und Ray. Ähnlich wie ihre Vorlagen aus Akte-X könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein.

Reyes, Ray und ihr neuer Freund

Mit Reyes bekommen wir einen freundlichen, naiven, ehrbaren und stets interessierten Agenten, der durch seine fehlende Erfahrung seine Partnerin hin und wieder ein wenig reizt.

Ray, die Partnerin von Reyes ist mit Abstand eine der besten Frauen in Videospielen. Ihre stets leicht gereizte Haltung gegenüber den Stadtbewohnern und das Gefühl, dass sie stets eine Dialog-Option davon entfernt ist, Gewalt anzudrohen, machen viele ihrer Momente sehr amüsant.

Als nächstes hätten wir da die Erbin der Kissenfabrik, Delores. Diese träumt davon, eines Tages eine Videospielentwicklerin zu werden, um Thimbleweed Park endlich zu verlassen. Könnt ihr auch erraten wo? Na, bei Mmucas Flem natürlich, bekannt für Werke wie Schmar Wors oder Mindiana Schmones. Delores ist der engagierte, liebenswerte und smarte Nerd, der wir immer sein wollten. Übrigens lebt sie in der luxuriösen, riesigen „Mansion“ Mansion – welch origineller Name.

 

 

Ach Ransome, du hast mein Herz erobert

Falls euch die bisherigen Charaktere noch nicht zugesagt haben, kann ich euch vielleicht mit Ransome dem Clown überzeugen. Ransome ist einfach nur herrlich asozial. Einst war er der Star des Circus, jedoch nachdem er verflucht wurde, sehnt er sich sein altes Leben zurück. Es ist schwer zu begründen wie man einen so gemeinen Typen mögen kann, schließlich bringt er Behinderte zum Weinen und flucht am laufenden Band. Vielleicht liegt es einfach daran, dass wir durch ihn auch asozial sein können oder einfach nur daran, dass er verdammt lustig ist, in dem was er tut.

 

 

Der letzte der Bande ist Franklin. Wir konnten ihn zwar leider nicht anspielen, haben ihn aber kurz im Spiel gesehen. Er war nicht unbedingt das Selbstbewusstsein in Person und auch nicht sehr durchsetzungsfähig.

Doch was wären all diese Charaktere ohne die Stadt Thimbleweed Park? Die heruntergekommene Stadt macht ihre Bewohner und die Protagonisten erst glaubwürdig. In gewisser Hinsicht spiegelt sie auch ihre Bewohner wieder, denn sie wirkt schlichtweg aufgegeben, verfallen und ein wenig merkwürdig. Somit gehört die Stadt definitiv zu den Hauptcharakteren des Spiels.

Delores, Franklin und Ransome

Old but Gold- das Spiel könnte nicht besser aussehen

Die oldschool’ige Pixelgrafik könnte charmanter nicht sein. Man sollte meinen, dass so eine Optik heutzutage nicht mehr zeitgemäß wäre, aber sie passt perfekt zu der erzählten Geschichte, den Orten und Charakteren. Was einige vielleicht an der Grafik stören könnte, ist die Tatsache, dass man hin und wieder einige Details oder wichtige Items übersehen kann. Aber hey, es ist ein Point-and-Click Adventure, wir sollen uns also überall durchklicken und mal schwachsinnige Dinge probieren. Das gehört zum Spiel dazu. Im Gespräch mit Ron meinte dieser auch, dass die Gamer von heute zu sehr daran gewöhnt sind, sich durch das Spiel führen zu lassen, statt mal auf eigene Faust die Welt zu erkunden.

Oh Internet, wo bist du, wenn man dich mal braucht?

Dieser Punkt führt mich auch direkt zum Gameplay des Spiels. Anders als in „modernen“ Spielen ist man so ziemlich auf sich alleine gestellt in der ewigen Nacht von Thimbleweed Park. Selten wird einem gesagt, wo man hingehen oder was man machen soll. Um den Spieler jedoch nicht ganz im Stich zu lassen, verfügt jeder Charakter über eine To-Do-Liste. In ihr stehen die aktuellen Aufgaben drin, die ihr zu bewältigen habt. Alte sowie neue Spieler des Genres werden die Liste bestimmt als sehr angenehm empfinden, falls man mal einfach nicht weiter weiß. Besonders neuen Spieler soll so der Einstieg in das Genre vereinfacht werden, um Frustmomente zu vermeiden, verriet uns Ron.

Wir sehen uns später, Thimbleweed Park

Wie sehr habe ich das Internet vermisst, als es um die Lösung einiger Rätsel ging. Tut es nicht! Nutzt bloß nicht das Internet bei den Rätseln. Ihr werdet euch nur das Erlebnis versauen und bestimmt auch vieles verpassen, was man durch Herumirren gefunden hätte. Was den Schwierigkeitsgrad der Rätsel angeht, habt ihr die Wahl zwischen Normal und Casual. Einmal einen gewählt, müsst ihr das Spiel mit diesem auch durchziehen. Casual ist hier der Modus für die Neulinge, er bietet ein Tutorial und einfacheres Spielerlebnis, mit weniger Rätseln. Wohingegen sich der Normal-Modus für alle Fans der Lucas-Arts-Adventure der 80-iger Jahre richtet – hier heißt es knobeln und viel probieren. Die Rätsel selbst sind immer gut durch logisches Denken lösbar. Bisher gab es nur ein Rätsel, welches bei mir für Frust gesorgt hat, nachdem ich mich aber ordentlich umgesehen hatte und meine grauen Zellen mal richtig angestrengt hatte, hatte sich das auch in Wohlgefallen aufgelöst.

Das wird euch nach dem Release erwarten:

Im Gespräch mit Ron kamen wir auch auf das Thema zusätzliche Inhalte zu sprechen die nach dem Release folgen würden. So sollen die kaputten Spieleautomaten „repariert“ werden, damit man nebenbei Kleinigkeiten spielen kann. Des Weiteren soll auch noch eine unzensierte Version von Ransome hinzugefügt werden.

Gute Charaktere
Gute Atmosphäre
Guter Humor
Gute Rätsel
Stellenweise zu wenig Hinweise
Vielversprechend

Spaceboy

Ach Thimbleweed Park! Du hast es geschafft, mein Interesse für das Point-and-Click Adventure Genre zu wecken. Obwohl deine Welt nicht eine ist, in der ich mich gerne in Echt aufhalten würde, gibst du das Gefühl, zuhause zu sein. Das Spiel platzt regelrecht vor lauter Charme, Selbstironischem/Schwarzem Humor und 80-iger Jahre Referenzen - jeder wird da was zum Schmunzeln finden. Garantiert.
Vorschau: 2Dark Vorschau: A Plaque Tale – Innocence
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