Vorschau: Agents of Mayhem

Volition: Drei Bekloppte sollt ihr sein

Die zwölf Jünger der Verwüstung – Für lange Zeit ist es ruhig geworden um die Jungs und Mädels von Volition. Die letzte Erweiterung für das urkomischen Action-Spektakel Saints Row IV ist nun beinahe zwei Jahre her und wir haben uns gefragt, welche überzeichneten Charaktere und lila Sexspielzeuge als nächstes hinter den Türen des US-Entwicklers auf uns warten. Seit einem Jahr wissen wir: Volition ist zurück und bringt mit Agents of Mayhem ein Open-World-Helden-Shooter-Adventure-Hybriden, der nicht nur im Saints Row-Universum spielt, sondern gleichzeitig auch den irren Stil der Kultreihe abfeiert. Was der schräge Titel kann, haben wir vorab für euch herausgefunden.

B-Movie Charme als Aufhänger

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August Gaunt: Einer der Unterbosse von L.E.G.I.O.N

Stell dir vor, es ist Krieg und jeder geht hin. So in etwa lässt sich die Prämisse von Agents of Mayhem in einem Satz zusammenfassen. Im futuristischen Seoul ist die Hölle los, denn eine Organisation aus Superschurken droht, mithilfe von Teleporter-Technologie und dunkler Materie, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Unter der Führung des ominösen Verbrechergenies Morningstar überfluten die Truppen von L.E.G.I.O.N (League of Evil Gentlemen Intent of Obliterating Nations) nicht nur die koreanische Metropole, sondern sorgen auf der ganzen Welt für Angst und Schrecken.

Die Lage scheint aussichtslos, doch eine chaotische Truppe unter dem Banner der M.A.Y.H.E.M (Multinational Agency for Hunting Evil Masterminds) stellt sich den Fieslingen, die jedem B-Movie Konkurrenz machen voller Tatendrang und mit jeder Menge Feuerkraft in den Weg. Jeder der zwölf Agenten besitzt dabei seine ganz eigene Motivation, gegen die Superschurken anzutreten. Mit strahlenden Helden haben wir es in Agents of Mayhem also bei Weitem nicht zu tun. Vielmehr lässt sich die Story unter dem Motto „Bad vs. Evil“ zusammenfassen – Chaos, Verwüstung und jede Menge One-Liner inklusive.

Die Inszenierung und der Look erinnern dabei nicht selten an klassische 80er-Jahre Actionhits. Wer also gut ausgearbeitete Charaktere, Realismus und eine oscarreife Geschichte sucht, ist beim Heldenshooter an der falschen Adresse. Vielmehr dreht sich alles um fette Knarren, schnelle Karren, hemmungslose Ballerorgien und jede Menge abstrusen Humor im Saints Row-Stil. Im Vordergrund stehen dabei zwölf Agenten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Eine Ménage à trois der Verwüstung

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Seoul: Zwischen Asia-Stil und Zukunfts-Panorama

Die erste Konfrontation mit Agents of Mayhem ließ uns zunächst etwas stutzig werden. Ein Heldenshooter ohne Multiplayer und Koop? Kann das funktionieren? Wir stürzten uns also ohne viel Federlesen in die offene Spielwelt von Seoul und konnten rund zwei Stunden mit dem verrückten Titel verbringen. Egal, ob ihr euch in der neonbunten Spielwelt austobt und für Chaos unter der Zivilbevölkerung sorgt, Upgrades für eure Waffen sammelt oder in den Missionen unterwegs seid: Ihr verfügt über ein Arsenal aus 12 Agenten, die alle über ihren ganz eigenen Stil und Geschichte verfügen.

Sei es Kingpin aus der Saints Row-Reihe oder der deutsche Hooligan Red Card: Jedes grenzdebile Mitglied der Organisation spielt sich anders. Die einen gehen mit der Schrotflinte in den Nahkampf, die anderen ziehen es vor, aus dem Hinterhalt zu agieren. Der Clou an der Sache: Vor jeder Mission wählt ihr in eurem Hub, der sogenannten Ark, ein festes Team aus drei Agenten aus, mit denen ihr in den Kampf zieht. Wenn es eng wird oder ihr eine spezielle Fähigkeit benötigt, könnt ihr per Knopfdruck zwischen den Figuren wechseln, was für den nötigen taktischen Tiefgang sorgen soll.

Die Volition-Formel: Viel zu tun, viel zu erschießen

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Joule und ihr Geschützturm

In der chaotischen Praxis bedeutet das vor allem eins für euch: Jede Menge Stress. Jeder Charakter verfügt über eine Spezialfähigkeit, die ihr alle paar Sekunden auslösen könnt, über einen Standardangriff, immer abhängig von der ausgerüsteten Waffe und einen Movement-Skill, welcher es euch erlaubt, aus dem Kampfgetümmel zu fliehen, indem ihr euch unsichtbar macht oder euch mit einem saftigen Sprung zurück ins Gefecht zu befördern. Hinzu kommt die Mayhem-Fähigkeit, die ihr immer dann auslösen könnt, wenn ihr für möglichst viel Zerstörung gesorgt habt. Die Folge: Noch mehr Zerstörung, denn der Mayhem-Skills haut in den meisten Fällen erst so richtig rein.

Ihr seid also ständig damit beschäftigt, die Abklingzeiten im Auge zu behalten, um die nächste tödliche Salve Granaten zu schleudern. Hinzu kommt das obligatorische Volition-Special, welches jeden Titel auf kuriose Art und Weise einzigartig macht. In Saints Row IV war es das Jetpack, mit dem wir durch die Welt düsen konnten, in Agents of Mayhem ist es die Sprungmechanik. Wo andere Games nicht einmal über einen Double-Jump verfügen, punktet der Helden-Shooter gleich mit einem Triple-Jump – nicht immer sinnvoll, aber symptomatisch für den Volition-Humor.

Reiner Singleplayer: Ein Schuss ins eigene Bein?

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Ganz allein in der offenen Spielwelt

Mit den vielen verschiedenen Fähigkeiten erinnert das Kampfsystem dabei schon sehr stark an den Klassiker Team Fortress 2 oder den Hype-Titel Overwatch. Das schnelle Wechseln der Helden und die damit verbundene Flexibilität machen die Kämpfe zu einem echten Erlebnis. Auch wenn sich euch zum zehnten Mal in Folge etliche gesichtslose Schergen in den Weg stellen, verspürt ihr eine diebische Freude beim Vaporisieren der Gegnerhorden.

Warum Volition allerdings auf den Multiplayer verzichtet hat, bleibt uns bis heute ein Rätsel, denn gerade das Heldensystem würde sich für 3vs3-Schlachten hervorragend eignen. Wir hoffen, die abgedrehte Geschichte und der wunderbar schwarze Humor, der nicht einmal vor der Grenze des guten Geschmacks Halt macht, können den Titel im Sumpf der Heldenshooter zu etwas Besonderem machen. Zu weiteren Helden in der Entwicklung konnten uns die Jungs von Volition bisher leider keine Informationen geben, was möglicherweise dafür spricht, dass zumindest ein Koop-Modus in der Mache ist. Wir hoffen es sehr.

Agents of Mayhem: Ein ambitioniertes Projekt

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Agents of Mayhem: Sky is the Limit

In unserer ersten Session haben wir schnell gemerkt, dass sich das Team von Volition viel für Agents of Mayhem vorgenommen hat. Zu den Over-the-top-Missionen und dem gelungenen Charaktersystem gesellt sich nämlich ein mannigfaltiges Arsenal verschiedenster Features, die mal mehr, mal weniger zur Inszenierung des Action-Spektakels passen.

Neben der Story habt ihr auch die Möglichkeit, die zwölf Agenten ganz persönlich kennenzulernen. Jede Figur verfügt über mehrere kurze Charakter-Missionen, mit denen ihr nicht nur seine oder ihre Vorgeschichte nachvollziehen könnt, sondern gleichzeitig neue Fähigkeiten und Perks freischaltet. Diese könnt ihr in der Basis ganz euren Wünschen anpassen und somit das Lineup zusammenstellen, welches euch am besten gefällt. Diese RPG-Funktionen sorgen für erstaunlich viel taktische Tiefe und boosten die Langzeitmotivation noch einmal gewaltig.

Wie es sich in Open-World-Titeln eingebürgert hat, gehören natürlich auch zahlreiche Mini-Aufgaben dazu. Festungen von L.E.G.I.O.N warten darauf, von euch eingenommen zu werden, Waffenteile wurden über ganz Neon-Seoul verstreut und zahlreiche Autos wollen freigeschaltet und individuell designed werden. Natürlich freut man sich, wenn man diese kleinen Aufgaben auf dem Weg zur nächsten Mission der Hauptstory erledigen kann, vom Hocker hauen uns die Spielzeit-Strecker in Agents of Mayhem bisher allerdings nicht – dazu verfügen sie bislang nicht über die nötige Vielfalt.

Agents of Mayhem kommt am 18. August mit einem Preis von 59,99€ für PC, PlayStation 4 und Xbox One
Klassischer Volition-Humor
Liebenswert durchgeknallte Charaktere
Gelungenes Heldensystem
Solide RPG-Features
Weder Multiplayer noch Koop
Nebenmissionen nur kurzweiliger Spaß
Vielversprechend

Christian Böttcher

Mit Agents of Mayhem steigt Volition da ein, wo sie nach dem letzten DLC zu Saints Row IV aufgehört haben: Bei kompromissloser 80er-Jahre Action gepaart mit der nötigen Prise schwarzem Humor. Die völlig abgedrehten Charaktere entführen euch in eine Welt, die sich in keinster Weise ernst nimmt und laden zu kurzweiliger, völlig gedankenloser Blockbuster-Unterhaltung ein. Das futuristische Seoul erwartet jene von euch, die sich vor zünftigen Ballereinlagen nicht fürchten und auch vor dem gewissen Maß an taktischer Tiefe dank spontanem Heldenwechsel nicht zurückschrecken. Wir sind gespannt, wie viele der ambitionierten Features es in das fertige Spiel schaffen werden und hoffen darauf, dass ein Multiplayer-Modus zum Release nachgeschoben wird.
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