Vorschau: Dawn of War 3

Fans von Echtzeit-Strategie-Spielen dürfen aktuell auf heißen Kohlen sitzen, denn das Jahr 2017 hat es wirklich in sich. So steht neben Spielen wie Halo Wars 2, SpellForce 3 und Sudden Strike 4 auch der Titel Warhammer 40k: Dawn of War 3 in den Startlöchern, in dem wir uns mit Orks, Eldar und Space Marines wieder einmal in epischen Schlachten messen können. Die Hoffnung der Fans fällt dabei nicht ohne Grund groß aus, liegt der letzte Teil doch immerhin über acht Jahre zurück. Wir konnten nun Hand an den Mehrspieler-Modus des Titels legen und uns einen ersten tiefen Einblick über die Geschehnisse machen. Was wir jetzt schon verraten können: Dawn of War 3 könnte sich zum Highlight des Genres in diesem Jahr mausern!

Ganz ohne Zerg-Rush

Das Grundprinzip des nun ersten vorgestellten Mehrspieler-Modus in Dawn of War 3 stellt die Zerstörung gegnerischer Stützpunkte und das Erobern von Ressourcenpunkten in den Vordergrund. Zum Beginn einer Runde besitzt jeder Spieler ein Hauptquartier und muss hier beginnen, Einheiten und Gebäude zu produzieren. Letztere werden durch eine spezielle Arbeiter-Einheit errichtet, die zudem auch oftmals zum Reparieren eigener Einheiten genutzt werden kann. Strategisch ist es hier sehr sinnvoll, direkt zum Start eigene Einheiten auf der Karte in Position zu bringen und wichtige Ressourcenpunkte einzunehmen.

Wer sich zum Beginn einer Runde gut schlägt und es zudem schafft, die Mitte der Karte sowie die dort befindlichen Ressourcenpunkte zu kontrollieren, der wird einen enormen Vorteil im Verlauf einer Spielrunde besitzen. Was uns während unserer Anspiel-Session jedoch auch schnell bewusst wurde ist, dass selbst eine noch so große Armee durch taktisches Kalkül und gut eingesetzte Einheiten-Fähigkeiten schnell zu einem Häufchen Asche dezimiert werden kann. Denn insbesondere die Fähigkeiten der Heldenklassen des Spiels können es sehr in sich haben, die zudem auch sehr umfangreich eingesetzt werden können, dazu aber später mehr. Auch hat der Entwickler Relic Entertainment eine Mechanik in Dawn of War 3 eingebaut, die einen allzu großen Vorteil einer Fraktion ausgleichen soll. So hat die Größe einer Armee direkten Einfluss auf die verdienten Ressourcen, welcher sich deutlich spürbar niederschlägt. Entsprechend wird es nie soweit kommen, dass man absolut chancenlos dasteht.

Fans der Starcraft-Serie werden sich in Dawn of War 3 übrigens auf längere Gefechte gefasst machen müssen, denn ein Zerg-Rush, also das frühe Entsenden eigener Einheiten, mit dem Ziel die gegnerische Basis dem Erdboden gleichzumachen, wird nur schwerlich möglich sein. Das Ziel ist es, den Basiskern der gegnerischen Fraktion zu zerstören, der allerdings erst angegriffen werden kann, sobald zwei Verteidigungstürme und Generatoren zerstört worden sind. Gerade die Türme stellen dabei ein zum Spielstart nahezu unüberwindbares Ziel dar, weswegen der Fokus auf den Aufbau einer gut strukturierten Armee liegen sollte, mit welcher der Kontrahent langsam aber sicher ausgemerzt wird.

Vom Space Marine bis zum großen Waagh!

Insgesamt dürfen sich Fans auf die drei großen Fraktionen der Space Marines, der Orks und der Eldar freuen, die sich zudem allesamt wieder sehr unterschiedlich spielen lassen. Die Eldar stellen so die taktisch anspruchsvollste Fraktion dar, die insbesondere mit Tarnung, Teleportation und sehr speziellen Fähigkeiten aufwartet, wohingegen die Orks vielmehr eine brachiale Gewalt verkörpern. Diese stürzen sich lieber kopfüber, ohne großes Nachdenken, in die Schlachten und sind zudem mehr auf Masse statt Klasse ausgelegt. Die Space Marines hingegen stellen mehr eine Fraktion zwischen diesen beiden dar, die eine gute Mischung aus Feuerkraft und Strategie mit sich bringt und somit auch besonders gut für Einsteiger geeignet ist.

Besonders spannend sind hier zudem die ganz speziellen Fähigkeiten, die der Spieler bei den unterschiedlichen Fraktionen zur Verfügung gestellt bekommt. Die Eldar offenbaren uns so zahlreiche Einheiten und Möglichkeiten der Tarnung sowie Energieschilden, über die die eigenen Einheiten verfügen. Entsprechend ist hier der Angriff aus dem Hinterhalt, das gefahrlose Ausspionieren und der Transport ganzer Truppenverbände quer über die Karte kein allzu großes Problem. Die Space Marines hingegen verfügen über die altbekannten Landungskapseln, von denen bis zu drei gleichzeitig genutzt werden können. So ist es möglich, in der eigenen Basis einige Einheiten direkt in diese Kapseln zu produzieren, woraufhin diese bei Bedarf in einer Kapsel vom Himmel fallen und so auch direkt hinter oder inmitten von feindlichen Verbänden auftauchen können.

Die spannendste Mechaniken bringen allerdings die Orks mit sich. Während alle anderen Fraktionen durch das Erforschen von Technologien auf stärkere und weiterentwickelte Einheiten zugreifen können, so geschieht dies bei den Orks durch den Bau von bis zu fünf Waagh!-Türmen. Dies sind Verteidigungstürme, die beliebig auf der Karte errichtet werden können und neben dem Angreifen von Feinden auch über eine Waagh!-Funktionalität verfügen. Für alle Neueinsteiger kurz erklärt: Das Waagh! ist ein psychisches Feld, welches von Orks generiert wird und diese stärker macht. Dieses Feld wirkt sich dabei so abstrus aus, dass selbst Technologien, die nicht funktionieren dürften, durch den reinen Glauben der Orks plötzlich einwandfrei arbeiten. Dies geht sogar soweit, dass Waffen, die mit Farbe bemalt werden, größeren Schaden anrichten, und zwar nur weil Orks der festen Überzeugung sind, dass dies Fakt ist – sehr skurril!

Die Waagh!-Funktion dieser Türme ist dabei allerdings ein klein wenig trickreich und verlangt vom Spieler gutes Timing ab. Entscheiden wir uns einen Waagh! auszurufen, so dauert es ungefähr 20 Sekunden, bis dieser Buff zu wirken beginnt. Daraufhin erhalten alle sich in der Nähe befindlichen Einheiten enorme Boni auf Feuerkraft und Geschwindigkeit, was diese Fähigkeit zu einer sehr spaßigen aber auch gefährlichen Mechanik werden lässt. Eine weitere nennenswerte Eigenheit der Orks ist das Recycling, wenn man es denn so bezeichnen möchte. So ist es allen Einheiten der Orks möglich, sich an Schrotthaufen, die durch gegnerische oder eigene Wracks hinterlassen werden, zu verbessern. Diese Einheiten erhalten hier Boni auf Rüstung und die Bau-Einheiten der Orks können hier sogar vergünstigt neue Einheiten kaufen. Entsprechend sollte man sich stets bemühen, den eigenen Müll hinter sich aufzuräumen, zumindest wenn man sich mit Orks konfrontiert sieht.

Wie ein Held eine Schlacht wenden kann…

Vor dem Start einer Mehrspieler-Partie gilt es sich natürlich zuerst für eine Fraktion zu entscheiden. Viel wichtiger ist hier allerdings noch die Auswahl der eigenen Helden und Doktrinen. Insgesamt können wir uns für drei unterschiedliche Helden entscheiden, die allesamt über ganz besondere Fähigkeiten, aber auch entsprechend unterschiedliche Kosten verfügen. Zum Beschwören von Helden bedarf es sogenannter „Elite Punkte“, die erst einmal verdient werden möchten. Da die Stärke der Helden dabei sehr variiert, kosten schwächere solcher Einheiten mal eben drei oder vier Punkte, wohingegen ein Superwalker mit neun Punkten ein ziemliches Loch in die Ressourcenbörse reißen kann. Superwalker stellen hier übrigens die mächtigsten Helden dar, die riesige Mechs und andere Gefährte steuern und verheerend in der Schlacht zum Einsatz kommen können.

Bei der Wahl der Helden steht aber nicht immer die Schlagkraft im Vordergrund, sodass man sich auch schon mal gegen einen Superwalker entscheiden kann und stattdessen lieber drei schwächere Helden in den Fokus nimmt. Da jeder Held über eigene Fähigkeiten verfügt, sollten selbst kleinere nicht unterschätzt werden. Dies lässt sich anhand der Eldar sehr gut erklären, denn hier verfügt ein Held über die Möglichkeit, sich und alle Einheiten um ihn herum in Stase fallen zu lassen. Wurde diese Fähigkeit aktiviert, kann keine betroffene Einheit mehr angreifen oder angegriffen werden, und das für unsagbar lange 20 Sekunden. Auf diese Weise ist es möglich, die Hälfte einer feindlichen Armee kurzzeitig aus den Kampf zu nehmen, sodass man sich mit geballter Kraft gegen die andere Hälfte richten kann. Ein enormer Vorteil, wozu die eigentliche Kampfkraft des Helden obsolet wird.

Neben den Helden können wir uns aber auch noch für so manche Doktrin entscheiden, wobei es sich zumeist um passive Fähigkeiten handelt. Diese fallen dabei nicht sonderlich spektakulär aus, sollten aber dennoch nicht unterschätzt werden. Durch sie ist es möglich, das eigene Gameplay zu verfeinern und die angepeilte Strategie zu optimieren. Beispielsweise können die Horchposten von Marines so verstärkt werden und erhalten einhergehend die Fähigkeit, eigene Einheiten im Umkreis zu heilen. Insgesamt gibt euch Dawn of War 3 die Möglichkeit, bis zu sechs Doktrinen pro Match mit in die Schlacht zu nehmen, von denen drei individuell ausgewählt und drei weitere durch die Helden selbst mitgebracht werden können.

Jeder Held verdient zudem mit jeder geschlagenen Schlacht Erfahrungspunkte und kann bis zu zehn Level aufsteigen. Hierbei handelt es sich allerdings um ein größtenteils passives System, sodass die Helden dadurch nicht wirklich stärker werden. Stattdessen erhält der Spieler mit jedem Level-Aufstieg Zugriff auf neue Portraits, Skins, oder auch neue Doktrinen. Die Individualisierung spielt in Dawn of War 3 auch in der Farbgebung eine wichtige Rolle, denn die eigene Armee kann hier in unterschiedliche Farbmischungen getunkt werden. Das Besondere: Es gibt über 300 unterschiedliche Farbtöne und –arten, die allesamt auf den originalen Farben von Games Workshop basieren, mit denen man auch dessen Tabletop-Figuren bemalen kann.

Spektakuläre und anspruchsvolle Gefechte
Vielseitige Helden...
Abwechslungsreiche Fraktionen
Strategisch sehr tiefgreifende Möglichkeiten
Frühes Angreifen der gegnerischen Basis kaum möglich
... die vielleicht noch etwas zu mächtig sind
Vielversprechend

Daniel M.

Die lange Wartezeit von rund acht Jahren hat bald ein Ende und nach dem ersten Anspielen lässt sich ohne Zweifel sagen, dass sich diese gelohnt hat. Die Mehrspieler-Schlachten bereiten unfassbar viel Spaß und kommen so actionreich wie auch unberechenbar daher. Ich bin jetzt schon auf die finalen Gefechte gespannt, wenn sich die Spieler die Fähigkeiten und Besonderheiten aller Einheiten eingeprägt haben, denn unbedachtes Vorgehen kann sich durch die teils sehr mächtigen Helden schon mal als äußerst fatal herausstellen. Etwas schade ist lediglich, dass der von uns angespielte Modus keine wirkliche Möglichkeit bietet, einem Gegner schon früh im Spiel zu Leibe zu rücken, allerdings dürfte dies bei vielen Spielern, die lieber erst in Ruhe ihr Heer aufstellen möchten, ebenso auf großen Anklang stoßen. Wir sind gespannt, ob Dawn of War 3 es schaffen wird, sich dieses Jahr die Krone der Strategie-Genres unter den Nagel zu reißen – das Potential besteht durchaus!
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