Vorschau: For Honor

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For Honor: Mittelalter meets Ming-Dynastie meets Mjölnir

Historisch flexibel, spielerisch eine Wucht – In einer Woche ist es soweit. Die neue Marke von Ubisoft, die weg von Open-World und hin zu taktischen Zweikampf führen soll, erscheint am 14. Februar passend zum Valentinstag – Rosenkrieg ist in For Honor also vorprogrammiert. Wir haben uns nach Berlin aufgemacht, um für euch in einem exklusiven Anspielevent die Eindrücke aus der Alpha im letzten Jahr und der Closed Beta am vergangenen Wochenende zusammenzubringen und euch über den Status der wuchtigen Fantasy-Schlachten auf dem Laufenden zu halten. Ob das brandneue Setting und die innovative Spielmechanik bisher überzeigen konnten, erfahrt ihr in unserer Vorschau.

For Honor: Frisch und blutig

Als die Schöpfer von Ubisoft ihr neues Epos rund um Ritter, Samurai und Wikinger auf der E3 2015 ankündigten, war die Verwunderung zunächst einmal groß. Es sollte keine offene Spielwelt, keine Massen an sammelbaren Gegenständen, sondern stattdessen ein Skill-basiertes, geradezu gemächliches Kampfsystem geben? Wir konnten unseren Augen und Ohren nicht glauben. Ubisoft, die in der Entwicklung gern auf Erfolge bestehender Marken aufbauen, haben mit For Honor tatsächlich ein gänzliches neues Spielsystem mit entsprechend frischem Setting vorgestellt. Von diesem Moment an waren unsere Nackenhaare aufgestellt und der Hype entsprechend groß.

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For Honor: Der Hype lodert immernoch in uns

Wir stürzten uns also mit Schwert, Axt und Speer in Alpha und Beta, um herauszufinden, dass die Entwickler absolute Priorität auf die Spielmechanik gelegt haben – ohne Kompromisse und Schnickschnack. Die Geschichte hinter For Honor ist simpel, versucht allerdings ohnehin gar nicht erst, komplex zu wirken oder besonderen Tiefgang zu vermitteln. In der Welt herrscht Krieg zwischen drei großen Fraktionen: Rittern, Samurai und Wikingern. Ein schwelender Friede wurde gebrochen, als die blutrünstige Kriegsherrin Apollyon auf der Bildfläche erscheint und die Anführer der Parteien gegeneinander ausspielt. Seither toben endlose Kämpfe in der mittelalterlich anmutenden Spielwelt und die Soldaten haben inzwischen vergessen, was den Konflikt zwischen ihnen überhaupt ausgelöst hat – So weit so unspektakulär.

Krieg in For Honor: Ménage á trois

Ihr werdet also in die zerrüttete Spielwelt geworfen und müsst sogleich eine Entscheidung treffen: Welche der drei Fraktionen werdet ihr in For Honor repräsentieren? In allen späteren Multiplayer-Gefechten entscheidet diese Wahl darüber, für welche Volksgruppe ihr im sogenannten Faction War Punkte sammelt. Auf einer großen Weltkarte im Stil einer Risiko-Partie habt ihr nach jedem Match die Möglichkeit, Versorgungstruppen zu platzieren, um plattformübergreifend Gebiete einzunehmen und das Territorium eurer Fraktion zu erweitern.

Nach einer festgelegten Zeitspanne gewinnt das Lager, was über den größten Landbesitz verfügt. Je nach Konstellation verändern sich – und das ist eine richtig gute Idee von den Entwicklern – auch die Karten, auf denen gespielt wird. Aus Balancing-Gründen hat dies natürlich keinen Einfluss auf das Gameplay, sondern bietet euch lediglich visuelle Abwechslung. Bis zu 60 verschiedene Variationen sind insgesamt möglich. Möchtet ihr eure Wahl revidieren, könnt ihr das natürlich mit einem Klick tun.

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For Honor: Variables Kartendesign

Modus Operandi: Multiplayer

For Honor ist Multiplayer-Fokus in Reinkultur. In insgesamt fünf Modi gilt es, seine Fähigkeiten im mal mehr, mal weniger ehrenhaften Kampf zu demonstrieren. Dominion bringt euch den permanenten Kampf um drei Basen, die eure Punkte in die Höhe schnellen lassen, wenn sie eingenommen werden. Hat ein Team 1000 Punkte ergattert, geht es in einem finalen Showdown darum, alle übrig gebliebenen Gegner zu töten, um das Match zu gewinnen. Die Titel Duel und Brawl repräsentieren 1vs1, bzw. 2v2-Gefechte, die nicht nur einiges an Skill verlangen, sondern auch die gewisse Portion an Mindgames.

Elimination ist Dominion für Blutrünstige, die keine Zeit damit verschwenden wollen, Basen einzunehmen, sondern lieber auf Heldenjagd gehen. Kurz: Das Team, das als letztes einen Spieler stellt, gewinnt. Anders als in den anderen Modi gibt es hier keine Möglichkeit, gefallene Kameraden wiederzubeleben. Der letzte Modus nennt sich Skirmish und verbindet die Geschwindigkeit von Elimination mit dem packenden Showdown von Dominion. Uns hat vor allem der Duell-Modus gepackt. Die Spannung, die sich mit schwindenden Trefferpunkten einstellt, ist kaum mit anderen Multiplayer-Titeln zu vergleichen.

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For Honor: Von Dominion bis Duell

For Honor: Schlachten mit Klasse

Als einer von 12 zum Start verfügbaren Helden begebt ihr euch voller Tatendrang auf die Schlachtfelder und werdet schnell feststellen, dass For Honor kein Spiel für den übermotivierten Button-Masher oder Gelegenheitsspieler ist, sondern sich vor allem an kompetitive Vielspieler mit taktischen Ambitionen richtet. Der spielerische Tiefgang erstreckt über das gut ausbalancierte Klassendesign, die Individualisierungs-Optionen bis hin zur ausgeklügelten Block-Mechanik, die zwar im ersten Moment wie ein Quick-Time-Event daherkommt, sich aber im Verlauf der ersten Matches als wirklich durchdacht erweist.

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For Honor: Jede Klasse mit eigenen Kombos

Grundsätzlich besitzen sowohl Ritter, Samurai als auch Wikinger ein Setup aus vier verschiedenen Spielstilen, die sich in unterschiedlichen Klassen manifestieren. Ihr habt die Wahl zwischen einem Allrounder, mit dem ihr sowohl Offensiv als auch defensiv so einiges an Schaden anrichten könnt und einer Art Tank, schwer gepanzert, aber behäbig im Zweikampf. Dazu besitzt jede Fraktion einen Assassinen, der flink um seine Gegner herumtanzt und dank ausgefeilter Kombos schnell und tödlich zuschlägt, aber bereits mit wenigen Schlägen wieder zu Schlamm wird. Zu guter Letzt steht euch zu Release eine Zoning-Klasse zur Verfügung, die ihre Gegner mit Speer oder Hellebarde auf Distanz hält und ihre erhöhte Reichweite nutzt. Wer sich vor dem Start der Open Beta am 09. Februar schon einmal über alle Helden informieren will, kann Ubisofts Micropage nutzen.

Einzigartiges Kampfsystem

Begebt ihr euch mit der Klasse eures Vertrauens auf das Schlachtfeld, rennt ihr ohne viel Federlesen, an der Seite von zahlreichen NPC-Minions in Richtung Gegner-Horden. Die NPCs dienen in For Honor primär als Dekoration, um euch jederzeit das Gefühl von Schlachtenepik zu vermitteln. Die überengagierten blauen und roten Krieger mühen sich Runde für Runde miteinander ab, können den Spieler-Charakteren oder Bots im Getümmel allerdings kaum Schaden zufügen. Ihr pflügt euch also mit gezielten Schlägen durch die belanglosen Massen, um gegen den nächsten richtigen Gegner anzutreten.

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For Honor: Neues Block-System

Steht ihr diesem gegenüber, könnt ihr den Widersacher in den Fokus nehmen. Von diesem Momentan an greift das responsive und präzise Kampfsystem. Ihr habt die Möglichkeit, eure Waffe in drei Richtungen zu schwingen oder mit ihr zu parieren. Je nachdem, in welche Richtung ihr den Stick bewegt, verändert sich eure Kampfposition. Der Gegner bedient sich natürlich dem gleichen Prinzip und so entstehen dynamische Kämpfe, in denen es vor allem auf eins ankommt: Timing. Setzt ihr einen Schlag direkt auf der Blockseite des Gegners an oder führt ihn zu schnell aus, verpufft dieser gern mal und ihr kassiert prompt einen Gegenangriff. Das System funktioniert tadellos und lässt jede Menge Raum, den Gegner zu überlisten oder ihn in eine unvorteilhafte Situation zu zwingen.

Über die Block-Mechanik hinaus könnt ihr je nach Charakter so einige Kombos vom Stapel lassen, um entscheidende Treffer zu landen. Diese sind einfach gestaltet, ihr müsst also nicht in Beat’ em up-Manier 20 Tasten in der richtigen Reihenfolge drücken – meist reichen bereits drei Knöpfe zum Sieg. Spielt ihr beispielsweise den Raider der Vikinger-Fraktion und steht einem Assassinen gegenüber, lohnt es sich häufig, das Duell mit einem weitreichenden Axtwirbel zu beginnen, um den Meuchelmörder auf Distanz zu halten – fies nur, wenn dieser schneller ist als ihr und unter der Axt hindurchtaucht.

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For Honor: Taktik statt Button-Mashing

Das Kampfsystem in For Honor läuft ohne Zweifel unter dem klassischen Motto: Easy to learn, hard to master. Wer die Klassen, Kombos und Maps lange genug kennenlernt und bei wem das Block-System sukzessive ins Muscle-Memory eingegangen ist, wird seinen Charakter schnell aufleveln und schon bald die Schlachtfelder dominieren. Eins ist sicher:  Die Kämpfe machen auch nach Stunden richtig Laune.

Charakterprogression und reiche Beute

Um die Spieler auch langfristig an For Honor zu binden, hat sich Ubisoft für ein klassisches Level-System mit Loot-Elementen entschieden. Ihr levelt jedoch nicht euren Spielaccount, sondern jeden Helden einzeln. Wer sich also gern auf Assassinen spezialisieren möchte, kann mit jedem Match Min-Maxing vom Feinsten betreiben. Je höher die Stufe eures Charakters desto mehr Spezialfähigkeiten schaltet ihr frei, die euch entweder einen passiven Boost geben oder aktiv von euch eingesetzt werden können, um den Feind beispielsweise mit einem gezielten Pfeilhagel einzudecken. Im Laufe der Progression erhaltet ihr ein ganzes Arsenal dieser Skills, die euch erste Möglichkeiten der Individualisierung geben. Natürlich schaltet ihr in guter alter Ubisoft-Manier auch etliche Dekorationen frei.

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For Honor: Ubisoft im Inneren

Zusätzlich dazu erhaltet ihr je nach Ausgang der Schlacht am Ende eines Matches begehrte Beute. Jeder Charakter verfügt über zahlreiche Inventarslots, die ihr mit den gewonnenen Gegenständen bestücken könnt. Gerade in diesem Konzept liegt die Langzeitmotivation von For Honor. Helme, Waffen oder Brustpanzer geben euch die Möglichkeit, euren Lieblingscharakter bis in die Spitzen euren Gewohnheiten und Spielstilen anzupassen. Viele der Items kommen mit einem Tradeoff daher. Wer seinen Assassinen also gern mit horrendem Giftschaden ausrüsten möchte, muss im Gegenzug Einbußen in anderen Bereichen in Kauf nehmen. Auch hier wird Min-Maxing großgeschrieben – wir finden es richtig gut.

Kampagne – Nicht mehr als ein Bonus

Auf einem For Honor-Event in Berlin konnten wir neben dem Multiplayer, der uns bisher in allen Punkten überzeugen konnte, erstmals Teile der Singleplayer-Kampagne anspielen. In alter Ubisoft-Manier hat natürlich auch For Honor, das eigentlich als reiner Multiplayer-Titel auf der Agenda stand, einen Story-Modus spendiert bekommen. Hier steht die Kriegsfürstin Apollyon im Mittelpunkt, die mit zahlreichen Intrigen und Winkelzügen die Anführer der verfeindeten Clans gegeneinander ausspielt und somit droht, den Krieg zwischen Wikingern, Rittern und Samurai eskalieren und die Welt ins Chaos stürzen zu lassen.

Der Singleplayer bedient sich den exakt gleichen Spielmechaniken wie der Multiplayer und genau hier liegt unserer Meinung ein Problem an den kurzen Einzelspieler-Passagen, die wir uns anschauen konnten. Das Spielsystem funktioniert nach nur dann tadellos, wenn wir als Spieler uns bewusst sind, dass auch unser Gegenspieler über seinen nächsten Schachzug nachdenkt, abwägt und verbissen kämpft. In einem kurzen Bossfight am Ende der Session werden wir durch die KI zwar auch gefordert, jedoch bleibt das Duell-Feeling auf der Strecke. Unterstützt wird dieser Mangel noch durch die Tatsache, dass Schwierigkeit in der Singleplayer-Kampagne vor allem dadurch entsteht, dass plötzlich mehrere Gegner ins Spiel kommen. Leider ist der Kampf gegen mehr als einen Widersacher bisher nur semi-ausgereift. Kamera-Probleme, hektisches Hin- und Herwechseln und ungenaue Attacken ließen den Spaß am Story-Modus schnell verfliegen.

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For Honor: Kampagne lässt uns vom Pferd fallen

Auch die phänomenale Optik und kompromisslos flüssigen Animationen, auf die das Entwicklerteam besonders stolz ist, konnten diesen Eindruck nicht schmälern. Eine Verfolgungsjagd zu Pferde, die zwar packend inszeniert, aber schwammig in der Steuerung war, zeigte sich uns noch als Höhepunkt der kurzen Singeplayer-Session. Betrachtet man die Kampagne jedoch lediglich als kleinen Bonus zum Multiplayer-Konzept, das For Honor ansonsten verfolgt, kann man dem Titel, der am 14. Februar erscheint, eigentlich keine Fehler attestieren. Wir sind gespannt, ob Ubisoft die Wucht der Mehrspieler-Kämpfe noch auf den Singplayer übertragen kann und verbleiben mit einem grollenden: For Honor!

Forderndes Kampfsystem
Easy to learn, hard to master
Ausgereiftes Klassensystem
Ausgereiftes Progression-System
Schickes Artdesign und gute Grafik
Solo-Kampagne nicht mehr als Bonus
Vielversprechend

Christian B.

Mit For Honor macht Ubisoft genau das wahr, was sich viele Spieler vom Entwickler-Schwergewicht gewünscht haben: Innovation. Das neue Franchise wirkt frisch und unverbraucht, die Spielmechanik so ganz anders als man es von Ubisoft gewohnt ist und in Kleinigkeiten doch so vertraut. Die Multiplayer-Schlachten mit Rittern, Samurai und Wikingern sind leicht zugänglich, bieten im Nachgang jedoch das Potenzial, komplex und taktisch anspruchsvoll zu werden. Das Progression-System, die atmosphärischen und schweißtreibenden Duelle und das präzise neue Block-System machen For Honor für uns zu einem richtig heißen Eisen in 2017. Wir können es kaum erwarten, endlich in die offene Beta zu starten und am 14. Februar den Release zu feiern.
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