Vorschau: Gwent – Beta

Dass The Witcher 3 das Rollenspielhighlight des Jahres 2015 werden würde, darüber waren sich viele Fans schon vor Release sicher. Ein Überraschungshit war allerdings das Sammelkartenspiel im Rollenspiel: Gwint, oder Gwent, wie es in der englischsprachigen Version heißt. Auf Verlangen der Spieler wird dieses nun auch als eigenständiges Spiel für PC, XBox One und Playstation 4 erscheinen. Seit Anfang November läuft die Closed Beta für XBox und PC. Ob Gwent im Alleingang überzeugen konnte, oder im Schatten des großen Bruders untergeht, habe ich für euch analysiert.

Zunächst startet das Spiel mit einem Tutorial, das auch Leuten zu empfehlen ist, die Gwent bisher nur aus The Witcher 3 kennen, denn das Standalone hat einige Neuerungen gegenüber der Rollenspielversion. Außerdem wird hier nicht nur das Kartenduell an sich erklärt, sondern alles drumherum wie beispielsweise die Deckschmiede. Dort wird für euch dann auch für jede derzeit spielbare Fraktion ein Starterdeck angelegt.

Gwent

Die Deckschmiede – hier mit einem Deck der Nördlichen Königreiche

In der Gwent Beta gibt es bereits verschiedene Arten zu spielen. So könnt ihr zwischen einem Online-Duell, einem Spiel gegen einen Freund oder gegen die KI wählen. Für letztere beiden gibt es allerdings keine Belohnungen. Deswegen habe ich mich für die Preview größtenteils mit dem Online-Matchmaking rumgeschlagen. Allgemein ist mir aufgefallen, dass ich es zu Beginn der Beta noch mit Starterdecks vs. Starterdecks zu tun hatte. Später habe ich es leider kaum noch geschafft Spiele zu gewinnen, und konnte mir erst mit Stufe 11 ein Deck zusammensparen, mit dem ich dann wieder öfter siegreich aus den Kartenschlachten hervorgegangen bin. Spielen könnt ihr Gwent mit Controller, Maus oder Tastatur. Mit der Maus geht es allerdings noch am einfachsten von der Hand, da ihr die Karten nicht einzeln durchscrollen müsst, sondern direkt darauf klicken könnt. Die Steuerung alleine per Tastatur schien mir gerade für Laptops sinnvoll.

P-P-P-Pokerface

Auch beim neuen Gwent geht es nach wie vor in erste Linie ums Abwägen, Vorausplanen und Bluffen. Am Anfang jeder Runde bekommt ihr eine Hand mit zehn Karten. Von diesen zehn könnt ihr drei zufällig austauschen, falls eure Hand euch nicht passt. Wie in The Witcher 3 habt ihr zusätzlich noch eine Anführerkarte, die ihr einmalig pro Match ausspielen könnt. Gewonnen hat, wer am Ende einer Runde mehr Punkte auf dem Feld hat. Der Clue an Gwent ist, dass ihr das gesamte Match mit der Hand bestreiten müsst, die ihr am Anfang gezogen habt. Lediglich am Anfang der zweiten Runde zieht ihr zwei zusätzliche Karten, am Anfang der dritten eine. Ansonsten gibt es neue Karten nur auf die Hand, wenn eine eurer Karten eine entsprechende Fähigkeit besitzt.

Gwent

Ein Match gegen die KI.

Bei der Standalone-Version gibt es, im Vergleich zur Variante aus dem Rollenspiel, viel mehr Karten, die die Punktezahl des Gegners dezimieren können. Außerdem ist mir aufgefallen, dass sich die Taktiken, die ich gerne in der Rollenspielversion angewandt habe, zumindest nicht sofort umsetzen lassen. In The Witcher 3 habe ich gerne auf Finte-Karten gesetzt. Diese ermöglichen es, eine Karte vom Feld wieder zurückzuziehen. Am liebsten habe ich diese in Kombination mit Spion-Karten benutzt. Spione werden auf das gegnerische Feld gelegt, lassen euch dafür aber zwei neue Karten ziehen. Legte die KI in The Witcher 3 einen Spion auf meine Seite, habe ich diesen mit einer Finte auf meine Hand geholt, wieder ausgespielt und zwei neue Karten gezogen. Das ging dann mit mehreren Finten oft hin und her, wodurch beide Parteien die Anzahl der Karten auf ihrer Hand vergrößert haben.

Ein Fass aufmachen

In Gwent geht das theoretisch auch, nur sind weder Spione, noch Finten (die jetzt Ablenkungsmanöver heißen) in den Starterdecks enthalten. Neue, bessere Karten müssen erst gekauft oder gecraftet werden. Für Echtgeld könnt ihr in dem Free-to-Play-Titel Kartenfässer kaufen, deren Inhalt zufallsgeneriert ist. Je nachdem, wieviele Fässer ihr auf einmal kauft zahlt ihr ca. 1,05€-1,35€ pro Fass, wobei ein Fass insgesamt fünf Karten enthält. Eine Gwent-Karte kostet also zwischen 21 und 27 Eurocent.

Gwent

„Mensch wollen kaufen? Mensch immer recht! Wenn Mensch haben Glitzersteine!“

Es sei noch angemerkt, dass ihr aus einem Fass vier zufällige Karten zieht, und dann nochmal drei, von denen ihr eine aussuchen dürft. Mindestens eine seltene, epische oder legendäre Karte ist dabei garantiert. Natürlich müsst ihr, wie es sich für ein gutes Free-to-Play-Spiel gehört, nicht unbedingt für neue Karten zahlen. Eine weitere Möglichkeit ist es, für ein Fass 100 Erz zu zahlen. Erz bekommt ihr für gewonnene Matches oder, wenn euch der Gegner am Ende des Duells ein „GG“ sendet, wobei ihr für letzteres nur 5 Erz kriegt. Auf die gleiche Weise könnt ihr Scraps bekommen, aus denen ihr Karten gezielt craften könnt. Außerdem bekommt ihr diese Scraps ebenso für das Zerstören von Karten, die ihr nicht braucht. Erz farmen lässt sich übrigens nicht wirklich. Seid ihr an einem Tag eine Stufe aufgestiegen, wird das Aufleveln immer schwerer, und die Belohnung für einen Sieg immer geringer. Erst am nächsten Tag wird es wieder einfacher. Das verhindert einerseits, dass Leute mit zu viel Zeit einen Vorteil haben, andererseits verringert es den Suchtfaktor, und ihr macht nach ein paar Siegen dann doch lieber eure Hausaufgaben (oder spielt etwas anderes ;) ).

Schlechte Karten für Anfänger?

Wie bereits angedeutet, fühlt sich das Spiel ohne Geld auszugeben anfangs etwas grindy an. Bis Stufe 11 habe ich die meisten Spiele verloren oder nur gewonnen, weil der Gegner das Spiel vorzeitig verlassen hat. Mir ist außerdem nicht ganz ersichtlich ob und welche Form von Matchmaking CD Projekt Red nutzt. Da das Level nichts über eventuell gekaufte Karten aussagt, gehe ich derzeit von rein zufälligen Begegnungen aus. Das hat den Nachteil, dass der Gegner einen oft richtig fertig macht, allerdings muss ich zugeben, dass ich dadurch erst gelernt habe, welche Karten ich mir unbedingt zulegen sollte.

Gwent

In der Sammlung könnt ihr Karten zerlegen und craften.

Ein Releasedatum für die Vollversion von Gwent wurde bis jetzt noch nicht angekündigt. Die Beta läuft derzeit nur für den PC und die Xbox One, das Spiel wird später auch für die PS4 erscheinen. Eine Version für Tablets wurde bisher weder negiert, noch bestätigt, allerdings ist die neue Menü-Führung auffällig touch-freundlich. Zu den vier vorhandenen Kartendecks (Nördliche Königreiche, Monster, Scoia’tael und Skellige) kommt in Zukunft noch das Nilfgaard-Deck hinzu. Außerdem ist ein Storymodus angekündigt, zu dem allerdings noch nichts weiteres bekannt ist. Ich bin gespannt, welche Asse CD Projekt Red wohl noch für uns im Ärmel hat.

Faire Bezahloptionen...
Spannende Kartenschlachten
Ansprechend in Bild und Ton
...ohne Echtgeld zumindest anfangs viel Blut und Whine
Vielversprechend

Manuel H.

Der Spielspaß ist nach anfänglichem Zähne-Zusammenbeißen durchaus vorhanden. Es macht Spaß, die Taktik des Gegners zu analysieren, abzuwägen, welche Karten der Gegner wohl für die nächsten Runden bereit hält, und zu bangen, ob die eigene Taktik am Ende aufgeht. Die Bezahloptionen sind fair und es ist auch ohne Geld auszugeben durchaus machbar, allerdings dauert es dann doch etwas länger, an das dann nötige Erz zu kommen. Insgesamt macht Gwent bisher einen vielversprechenden Eindruck. Ob sich dieser mit der Vollversion noch bestätigt, bleibt abzuwarten.
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