Vorschau: Kingdom Come: Deliverance

Wenn wir es mit klassischen Rollenspielen zu tun bekommen, so geht es hier meist darum, mit dem Schwert in der Hand gegen Halunken und allerlei düstere Fantasy-Kreaturen wie Orcs oder Drachen in den Kampf zu ziehen. Die Jungs der Spieleschmiede Warhorse Studios haben sich nun allerdings eine Frage gestellt: Ist es überhaupt notwendig, dass man immer wieder ins Fantasy-Genre abgleiten muss? Auf Basis dessen wurde Anfang 2014 eine Kickstarter-Kampagne zum Spiel Kingdom Come: Deliverance gestartet, bei dem wir es mit einem komplett realistischen Setting zu tun bekommen sollen, welches an historische Geschehnisse angelehnt ist. Wir hatten nun die Gelegenheit, uns mit den Entwicklern zusammenzusetzen und das Spiel etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

vorschau-kingdom-come-deliverance-screenshot-5

Das Ziel: Maximaler Realismus

In Kingdom Come: Deliverance finden wir uns im Jahr 1403 wieder. Der Böhmische König ist tot und sein erster Sohn, welcher nun die Krone trägt, ist ein Taugenichts, den die Belange seines Reiches und seiner Untertanen nicht sonderlich interessieren und der nur darauf bedacht ist, die nächste Flasche Alkohol parat stehen zu haben. Aus diesen Ereignissen folgt, dass er von seinem eigenen Bruder entführt und das böhmische Reich angegriffen wird. Diese Ereignisse und das damit verbundene Leid unter der Bevölkerung lässt sich auch im Verlauf der Geschichte hinter Kingdom Come: Deliverance wiederfinden, insbesondere wenn das eigene Dorf vom Krieg zerstört wird.

Die Welt des Spiels ist 16 km² groß, was sich zunächst nicht nach sonderlich viel anhört. Allerdings sind wir hier auch fast durchgehend zu Fuß unterwegs und das in einer sehr realistischen Spielwelt, die auf aktuellen Satellitenbildern basiert. Zudem hat sich der Entwickler größte Mühe gegeben, sowohl natürliche Orte wie Wälder möglichst naturgetreu nachzubilden, aber auch wurde ein großes Augenmerk auf die damalige Architektur gelegt, sodass uns hier realistische Dörfer und Burgen des 15. Jahrhunderts erwarten. Einige der Gebäude und Burgen existieren selbst heute noch und lassen sich sogar noch besichtigen, was ein erstes Indiz dafür ist, wie realistisch die Welt des Spiels in Wahrheit sein wird.

vorschau-kingdom-come-deliverance-screenshot-2

Im Rahmen der Handlung schlüpfen wir in die Rolle des Sohns eines Schmieds. Während wir in anderen Spielen nach und nach in der Lage sind, die Ränge der Hierarchie aufzusteigen, so werden wir auch in Kingdom Come: Deliverance  mit dem Adel Kontakte knüpfen können. Allerdings werden wir nie über unsere Abstammung hinauswachsen können. Wir sind ein gewöhnlicher Bürger, und auch wenn wir in der Lage sind brenzlige Aufgaben zu meistern, so werden wir nie aus unserem Stand ausbrechen können. Auch hier zeigt sich wieder die Absicht, ein authentisches Rollenspiel aufzeigen zu wollen, was sich sowohl in der Handlung, den Aufstiegsmöglichkeiten und auch der Welt selbst immer widerspiegelt.

Neben der Inszenierung selbst können vor allem die Quests überzeugen, denn diese sollen uns zahlreiche Herangehensweisen anbieten. Die ersten Missionen, die wir zum Spielstart von unserem Vater, dem Schmied, übereignet bekommen, befassen sich mit dem Beschaffen von einem Krug kaltem Bier, dem Eintreiben einer offenen Rechnung beim örtlichen Trunkenbold und dem Kauf von etwas Kohle. Während wir in anderen Spieler nun an die Hand genommen werden und im Idealfall mit einem großen leuchtenden Pfeil direkt zum Ziel geleitet werden, so ist dies in Kingdom Come: Deliverance nicht der Fall. Hier müssen wir uns aufmachen und selbst eine Möglichkeit finden, an die gewünschten Objekte zu kommen. Doch bevor es soweit ist, müssen wir erst einmal herausfinden, wo es diese zu beschaffen gibt.

Einen Kernpunkt der Spielerfahrung soll zudem das Reputations-System des Spiels darstellen, denn je nachdem, mit wem man sich verbündet, wie man mit Dorfbewohnern umgeht und wie man sich grundsätzlich verhält, so verändert sich auch das eigene Ansehen. Um das besagte Geld beim Trunkenbold einzutreiben, ist es beispielsweise möglich, diesen zu überreden. Schlägt dies fehl, können wir aber auch mit Gewalt versuchen, an unser Geld zu kommen, was jedoch wiederum das Ansehen bei der Person beschädigt. Scheitern wir mit dem Beschaffen, so können wir auch zu unserem Vater zurückkehren, der das dann zwar akzeptieren kann, aber uns gleich für weniger nützlich ansieht. Außerdem gilt es hier zu berücksichtigen, dass das Ansehen auch durch Hörensagen weitergetragen werden kann. So erzählen betroffene Personen über deren Erlebnisse, was unser Ansehen sowohl schädigen als auch steigern kann, je nach Art unserer Handlungen. Dies kann sogar so weit gehen, dass ein ganzes Dorf uns beim ersten Blickkontakt mit Mistgabeln davonjagt.

vorschau-kingdom-come-deliverance-screenshot-4

Hoher Wiederspielwert durch verschiedene Herangehensweisen

Die Reihenfolge, in welcher bestimmte Quests absolviert werden, soll in Kingdome Come: Deliverance ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Denn so lassen sich vielleicht gänzlich neue Herangehensweisen entdecken, um bestimmte Aufgaben abzuschließen. Um unsere Erfolgsaussichten generell zu verbessern, empfiehlt es sich, viel mit den Menschen der Welt zu reden, da auf diese Weise die Wortgewandtheit unseres Charakters gesteigert werden kann. Dies gilt auch für alle anderen Fähigkeiten, wozu auch der Umgang mit unterschiedlichen Waffen gehört, die allesamt mit einem eigenen Skilllevel daherkommen und durch fortlaufende Verwendung verbessert werden können.

Da die Erfolgsaussichten verschiedener Quests nicht immer garantiert sind und viele Aufgaben auch verpasst werden können, wird natürlich ein hoher Wiederspielwert generiert. Dieser wird noch durch die Schnellspeicher-Systematik unterstützt, die auf eine ganz spezielle Art daherkommt. Um zu Speichern ist es notwendig, einen Schnaps zu trinken. Speichern wir allerdings zu häufig, so kann unser Charakter eine Alkoholabhängigkeit entwickeln, die wiederum negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Attribute haben kann. Damit soll der Spieler angeleitet werden, nicht alle fünf Minuten zu speichern, sondern zu lernen, mit den getroffenen Entscheidungen zu leben.

vorschau-kingdom-come-deliverance-screenshot-1

Das Kampfsystem in Kingdom Come: Deliverance kommt ebenfalls mit einer etwas eigenen Mechanik daher. So können wir mit unserer Waffe insgesamt sechs unterschiedliche Körperbereiche des Gegners attackieren. Dies macht insbesondere deshalb Sinn, da das physische Kollisionsmodell korrekt berechnet wird und Rüstungen keine festen Werte besitzen. Während in anderen Spielen eine Rüstung beispielsweise 20 Punkte Verteidigung liefert, so schützt eine Rüstung in Kingdom Come: Deliverance nur die Stellen, auf der Sie anliegt. Liegen die Beine frei, so sind diese besonders anfällig für Angriffe.

Ebenfalls verfügt unser Charakter nicht über eine feste Anzahl an Lebenspunkten. Werden wir von einem feindlichen Schwerthieb getroffen, so werden wir verletzt und anstelle von HP verlieren wir Stamina und erleiden Verletzungen. Stamina wird für eigene Angriffe benötigt, sodass wir mit erlittenen Verletzungen im Verlauf eines Kampfs immer behäbiger agieren und weniger Aktionen durchführen können. Verletzungen selbst müssen zudem auch individuell behandelt werden, indem wir beispielsweise Bandagen anlegen. Allerdings werden diese dadurch nicht sofort geheilt sondern benötigen einige Zeit, bis die Verletzungen verschwinden. Glücklicherweise hat man sich bei der Verletzungsdauer gegen allzu viel Realismus entschieden.

vorschau-kingdom-come-deliverance-screenshot-3

Eine authentische Welt des 15. Jahrhunderts
Kein "An-die-Hand-genommen-werden"
Sehr freie Art und Spielweise
Spannendes Reputations-System
Viele Inhalte fehlen aufgrund der Alpha-Version noch
Vielversprechend

Daniel M.

Der erste Eindruck hinter Kingdom Come: Deliverance ist großartig. Nicht nur wird uns eine wunderschöne und detaillierte Welt präsentiert, auch machen die zahlreichen spielerischen Aspekte des Titels und vor allem der Grad an Realismus Lust auf mehr. Dies beginnt bei den vielen Freiheiten und den Herangehensweise an bestimmte Aufgaben und reicht auch über die Notwendigkeit, sich selbst seinen Weg zu bahnen, ganz ohne, dass mittlerweile leider übliche „An-die-Hand-genommen-werden“. Aktuell befindet sich das Spiel allerdings weiterhin in einer Alpha-Phase, sodass viele Inhalte noch nicht implementiert sind, wozu beispielsweise die Gesichtsanimationen bei Dialogen gehören. Wir sind auf jedenfalls gespannt wie Kingdom Come: Deliverance zum Release aussehen wird und was für ein Abenteuer uns hier erwartet!
Vorschau: Sniper Ghost Warrior 3 Vorschau: Steep
Comments
Du musst eingeloggt sein, um kommentieren zu können!