Vorschau: NieR Automata

Vorschau: NieR Automata1

NieR Automata: Die Crew ist startklar

NieR: Automata – Rollenspiel-Urlaub im bombastischen Steampunk-Genremix. Sieben Jahre ist es her, dass uns Square Enix mit dem etwas anderen Action-RPG NieR aus dem tristen Rollenspiel-Alltag riss. Dank der abgedrehten Geschichte in Kombination mit dem Kampfsystem, das sowohl Tiefe als auch intuitive Handhabung vorweisen konnte, katapultierte sich der Nischentitel schnell in die Herzen von RPG-Liebhabern und etablierte sich als Geheimtipp und Kultspiel. Auf der E3 2015 platzte schließlich die Bombe: NieR sollte überraschend einen Nachfolger erhalten, der von Platinum Games, dem positiv bekloppten Team hinter Bayonetta und Metal Gear: Rising, umgesetzt werden sollte. Wir haben bereits vorab einige Eindrücke sammeln können, die wir euch in der folgenden Vorschau präsentieren.

NieR Automata: Seltsam aber charmant

Vor einer Woche hat NieR: Automata den Goldstatus erhalten und ab dem 10. März können wir endlich auf die teils rostrote, teils grün gesprenkelte Erde zurückkehren, um uns mit Robotern aller Couleur anzulegen. Bereits auf der E3 2016, der Gamescom und im Rahmen der öffentlich zugänglichen Demo konnten wir NieR: Automata einige Stunden anzocken. Auf einem Event von Square Enix gesellten sich nun zwei weitere Stunden Spielzeit zu unserer Erfahrung mit dem Action-RPG von Platinum Games und geistigem Ableger der Drakengard-Reihe. Eins können wir vorab verraten: NieR: Automata bleibt seinem Vorgänger in puncto Story und Präsentation in allen Belangen treu – Es ist seltsam, bleibt dabei aber immer charmant. Hinzu kommen RPG-Elemente vom Feinsten und ein Kampfsystem zum mit der Zunge schnalzen. Doch dazu später mehr.

Vorschau: NieR Automata2

Noch nie hatte man mehr Mitleid mit Gegnerhorden

Wieviel Mensch steckt im Androiden?

Die Geschichte von NieR: Automata ist schnell erzählt: Eine böse Macht aus dem Weltall hat die Bewohner der Erde mithilfe von Armeen aus Maschinen überfallen und gezwungen, Exil auf dem Mond zu suchen. Die Überlebenden senden nun androide Elitetruppen mit dem Namen „YoRHa“ aus, um gegen die Roboter, die es sich inzwischen auf Mutter Erde gemütlich gemacht haben und den Planeten zu einer rostigen Steampunk-Einöde verkommen lassen, vorzugehen. Das Einsatzteam mehr oder weniger gefühlloser Androiden besteht aus 9S, einer Aufklärungseinheit, die bereits in den ersten Zügen des Spiels ihr Dasein als menschenähnliche Maschine hinterfragt, dem Prototypen A2, einem schweigsamen Einzelgänger und euch, einem Androiden in Frauengestalt mit dem vielsagenden Namen 2B.

Im Verlauf der Handlung werdet ihr darüber hinaus zahlreiche Nebencharaktere kennenlernen, die euch mit Missionen versorgen, Gegenstände für Space-Credits feilbieten oder 2B sogar durch die semi-offene Spielwelt begleiten. Taro Yoko, der kreative Kopf hinter beiden NieR-Teilen ist vor allem für seine emotionalen Geschichten und Charakter-Entwürfe bekannt, die sich erstaunlich gut in die ansonsten eher flache Story einpassen lassen und für einigen Tiefgang sorgen. Das Fundament für eine ergreifende Geschichte rund um Existenzfragen, künstliche Intelligenz und zu erforschende Gefühle ist bereits gelegt. Wir lassen uns überraschen, ob Shakespeare seinen Weg in NieR: Automata findet und die entscheidende Frage gestellt wird: 2B or not 2B?

Vorschau: NieR Automata10

Maschinen mit menschlichem Kern

Kampfsystem: Schnell, präzise, fordernd

Im Bereich Gameplay haben es die Entwickler von Platinum Games geschafft, ihren eigenen, abgedrehten Stil in beeindruckender Art und Weise in das NieR-Korsett zu zwängen, ohne die Wurzeln aus dem ersten Teil mit Füßen zu treten. Mit 2B erwartet euch eine Helden, die mit allen Wassern gewaschen ist und vor keinem Kampf zurückweicht. Wer Bayonetta mochte, wird NieR: Automata lieben. Das schnelle und kompromisslos präzise Kampfsystem sorgt für dynamische Begegnungen mit dem Maschinen-Pack, bei denen wir zu keiner Zeit Langeweile verspürten. Neben Schwert, Keule oder Speer steht euch im Kampf ein kleiner Roboter bei, der unentwegt um 2B kreist und Gegner mit Gatling-Gun und Spezialfähigkeiten eindeckt: Die Mischung aus Nah- und Fernkampf begeistert. Darüber hinaus könnt ihr den Pod auch als Taxi benutzen, um sanft von verfallenen Hochhäusern herabzugleiten.

Vorschau: NieR Automata4

Pod-Taxi: Wenn’s mal wieder schnell gehen muss

Sowohl Button-Masher als auch Taktik-Füchse kommen dank der leicht zu verinnerlichenden Kombos auf ihre Kosten. Je nach Position von 2B und Waffentyp entdeckt ihr schnell, dass es weit mehr als nur zwei Arten gibt, die Blecheimer über den Robo-Styx zu befördern. Ihr schwingt immer ein Set aus Primär- und Sekundärwaffe, zusammengestellt aus einer Vielzahl an Klingen und Klöppeln. Daraus ergeben sich etliche Kombinationen, die zum Ausprobieren einladen. Schade hierbei ist lediglich, dass uns bisher lediglich Maschinen-Gegner über den Weg gelaufen sind, die buchstäblich aus der Retorte zu stammen scheinen, da sie sich abgesehen von der Größe und Figur für unseren Geschmack zu sehr ähneln. Wir hoffen auf mehr Abwechslung im finalen Spiel.

Vorschau: NieR Automata8

Wir wünschen uns mehr Vielfalt im Gegnerdesign

In der Third-Person schnetzelt ihr euch quietschvergnügt durch Gegnermassen oder stellt euch den überdimensionalen Maschinen-Bossen, die gern einmal als Kran oder Ölplattform daherkommen. Unsere Idee für den nächsten Teil von NieR: Der ewige Kampf mit dem Riesen-Staubsauger. In klassischer Platinum-Manier nehmen die Endgegner nämlich gern den ganzen Bildschirm ein, die epischen Kämpfe gegen die wortkargen Rost-Schleudern teilen sich zumeist in mehrere Phasen und dauern für gewöhnlich eine ganze Weile an: Wir finden es gut, da für ausreichend Epicness und Heldengefühl gesorgt ist und wir so nicht mit dem Gefühl aus einem Bosskampf gehen, nur mit einem weiteren Robo-Handlanger den Fußboden gewischt zu haben.

Vorschau: NieR Automata5

Android vs. wandelnde Ölplattform

Permanenter Perspektivwechsel

Im Bereich der UI-Elemente und blinkender Anzeigen haben sich die Entwickler sichtlich zusammengerissen. NieR: Automata wirkt in den Kämpfen übersichtlich und gibt euch die Möglichkeit, nahende Projektile zu erkennen und rechtzeitig mit einem Tastendruck auszuweichen – Die Hexenzeit aus Bayonetta lässt grüßen. Dass wir es bei NieR: Automata nicht mit einem reinen Platium-Titel zu tun haben, sondern auch eine Menge NieR-Charme und Taro Yoko steckt, zeigt sich vor allem im Spiel- und Artdesign, das mit einer Menge frischen Ideen an den Start geht. Was im Vorgänger an mancher Stelle angedeutet wurde, wird in NieR-Automata konsequent durchgesetzt.

Vorschau: NieR Automata6

2B macht auch von der Seite eine gute Figur

Die flüssigen Haudrauf-Einlagen in der dritten Person werden nämlich in regelmäßigen Abständen von Perspektivwechseln aufgelockert. Findet ihr euch im einen Moment hinter 2B wieder und wirbelt mit dem Schwert umher, kann es sein, dass ihr bereits im nächsten Raum mit einer 2D-Perspektive konfrontiert werdet. 2B in 2D funktioniert genauso flüssig und hervorragend wie in der Third-Person-Perspektive und sorgt für gut portionierte Abwechslung, schließlich handelt es sich bei den 2D-Parts nicht nur um nervige Minigames, sondern vollwertige Spielinhalte. Das Spiel hat jedoch nicht nur zwei Perspektiven auf Lager. Gekonnt werden auch Elemente aus Top-Down-Shootern oder Autoscrollern verbaut. Dieses Repertoire an Perspektiven wechselt sich permanent ab, sodass sich bei uns auch nach Stunden nicht ein Hauch von Ermüdung einstellte.

Vorschau: NieR Automata7

Top-Down ermöglicht ganz neue Möglichkeiten

Chips und Kostüme: Rollenspiel kommt nicht zu kurz

Neben dem dynamischen Action-Anteil von NieR-Automata soll natürlich auch der Rollenspiel-Faktor nicht zu kurz kommen. An alle Japanophilen unter euch schon jetzt die Entwarnung: Natürlich werdet ihr auch die Truppe um 2B wieder mit einer Kollektion kolossaler Kostüme ausstatten können – von seriös bis flippig ist alles dabei. Doch auch über rein dekorative RPG-Elemente hinaus kann das rostige – aber nicht eingerostete – Spielsystem überzeugen.

Im Verlauf des Spiels schaltet, bzw. kauf 2B ein beeindruckendes Arsenal verschiedener Waffen frei, die ihr ganz nach euren Wünschen kombinieren und verwenden könnt. Diese bieten euch individuelle Movesets, die je nach Position variieren. Die leichten und schweren Angriffe verhalten sich auf dem Boden komplett anders als beispielsweise in der Luft schwebend.

Vorschau: NieR Automata9

Wählt eure Waffen weise

Hinzu kommt ein klassisches Loot-System, das auch schon in NieR Anwendung und Erfolg fand. Über die semi-offene Spielwelt sind Unmengen an Items und Crafting-Materialen verstreut, die nur darauf warten, von euch eingesammelt und anschließend verkauft oder verbastelt zu werden. Eure ganz eigene Version der knallharten 2B erschafft ihr mithilfe von Computerchips, die ihr relativ frei in die Androiden einbauen könnt. Ihr habt eine begrenzte Anzahl Steckplätze, die mit den begehrten Chips gefüllt werden. Die Sammlung verschiedener Programme reicht von schlichten Schadens-Modifikationen über spezielle Moves, die ihr freischalten könnt bis hin zu HUD-Elementen, die ihr in NieR-Automata ebenfalls anpassen könnt. Wer also gern auf seine Schadensanzeige verzichtet und dafür lieber 5% mehr Schaden austeilen will, hat jegliche Freiheit, sich seinen ganz individuellen Androiden zu basteln.

Dank dieser Autonomie, die euch das Spiel zugesteht, habt ihr die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad zusätzlich zu den Presets zu beeinflussen, denn die Entwickler haben angekündigt, dass ihr nicht nur euren eigenen Charakter mit Chips verändern, sondern auch die Gegner modifizieren könnt. Wer es vorzieht, sich von Taro Yokos Geschichte berieseln zu lassen, kann NieR: Automata auf den einfachen Schwierigkeitsgrad stellen und den sogenannten Auto-Modus aktivieren. Kämpfe werden in diesem von 2B selbst gesteuert, im Regelfall mit Bravour gemeistert und alles, was ihr fortan tun müsst, ist euch durch die Welt zu bewegen, reale Chips bereitzustellen und die Story zu genießen.

Vorschau: NieR Automata12

Für Story-Liebhaber: Der Auto-Modus

Postanthropologische Spielwelt mit Potenzial

Die Spielwelt in NieR: Automata orientiert sich ganz am Vorgänger. Euch erwartet eine düstere Erde, die entweder rostige Einöden oder grün zugewucherte Metropolen in den Fokus rückt. Denn nicht nur haben die Maschinen im postanthropologischen Zeitalter ihren seelenlosen Stempel auf der Welt hinterlassen, auch die unterdrückte Natur hat sich ihren Platz auf dem Planeten zurück erkämpft und sprießt an allen Ecken und Enden. Man könnte den Entwicklern nun Faulheit attestieren, da die Spielwelt, die wir bisher besuchen durften, im ersten Moment leer und unbewohnt daherkommt, doch wir sind sicher. dass es sich hierbei um eine kalkulierte Design-Entscheidung handelt, denn Leere und Einsamkeit sind bereits seit NieR rekurrierende Motive, die sich zweifelsfrei auch auf die Gruppe spezieller Androiden übertragen lassen, mit denen wir herumreisen.

Vorschau: NieR Automata3

Einsamkeit – Auch Androiden fühlen

Die postapokalyptische Erde, auf die wir geschickt werden, präsentierte sich uns als semi-offene Spielwelt, die wir durchstreife können. Ihr habt die Möglichkeit, Stunden in einem Level zu verbringen, um alle Kleinigkeiten und Geheimnisse zu entdecken, könnt euch aber auch schnurstracks auf den Weg zur Hauptmission begeben. Missionen sind ohnehin das Stichwort, denn in NieR: Automata läuft der Spielfortschritt primär über Quests ab, die ihr im Hub, einer interstellaren Raumstation,  erhaltet oder euch auf der Erde von Nebencharakteren  besorgen könnt. Bislang zeigten diese Aufgaben wenig Vielfalt und bestanden zumeist aus Sammel- oder Tötungsaufträgen – für ein modernes RPG vorerst zu wenig.

Das Leveldesign ist vor allem dank der angesprochenen Perspektivwechsel vielversprechend. Hinzu kommen interessante Kamerawinkel und Einstellungen, die NieR: Automata schon jetzt als Kunstwerk auszeichnen. Bisher konnten wir eine rostige Fabrik, überwucherte Großstädte, sowie eine windige Wüstenlandschaft erkunden und sind gespannt, welche Szenarien noch auf uns warten.

Vorschau: NieR Automata11

Reste der menschlichen Zivilisation

Für die passende Atmosphäre sorgt darüber hinaus vor allem die Musik. Auch im Nachfolger zeigt sich Keiichi Okabe für die musikalische Untermalung zuständig, die euch vollends in die Spielwelt eintauchen lässt und euch erst wieder freigibt, wenn die sanften Orchester-Klänge und überraschend wenig kitschigen Frauenstimmen einmal verklingen – auch abseits des Spiels ein echter Genuss.

Einziger Wermutstropfen: Die Grafik des Action-RPG ist nicht mehr ganz zeitgemäß. Mit ein bisschen mehr Power unter der Engine-Haube hätten wir sicher noch tiefer in die Spielwelt eintauchen können. Abseits dem grafischen Mittelmaß hoffen wir jedoch vielmehr auf eine emotionale Verbindung aus Story, Charakteren und Spielwelt, die uns so in ihren Bann zieht wie der Vorgänger.

Präzises Kampfsystem
Perspektivwechsel
Epische Bosskämpfe
Anpassungsfreiheit
Düsteres Setting
Kaum Abwechslung beim Gegnerdesign
Grafik nicht ganz zeitgemäß
Vielversprechend

Christian B

NieR: Automata ist kein typischer AAA-Blockbuster, der den Massengeschmack treffen soll. Vielmehr scheint das kommende Action-RPG mit seinem kompromisslosen Kampfsystem, der gewöhnungsbedürftigen Story und den RPG-Elementen, die einladen, Stunden in den Menüs zu verbringen, vor allem für Rollenspiel-Liebhaber mit Action-Fokus gemacht zu sein. Soweit wir es bisher beurteilen können, haben Platinum Games und Taro Yoko mit dem zweiten Teil der Reihe nicht nur ein Spiel, sondern ein Kunstwerk geschaffen. Permanente Perspektivwechsel sorgen für eine packende Spielerfahrung, die auch nach Stunden auf der düsteren, postapokalyptischen Erde nicht an Reiz verliert. Die Inszenierung mit abgedrehten Einstellungen, Kamerfahrten und die leicht unzugängliche Story rund um Androiden, Maschinen und Menschlichkeit sorgen für Vorfreude auf den 10. März, an dem NieR: Automata endlich erscheint.
Vorschau: Prey Vorschau: 2Dark
Comments