Vorschau: Prey

In den vergangenen Jahren hat Bethesda geschafft, wovon viele Publisher nur träumen dürfen: Ein vielseitiges und zugleich ausgesprochen hochkarätiges Spiele-Portfolio auf die Beine zu stellen. Besonders bemerkenswert daran ist, dass sich das Studio nicht zwanghaft an etablierten Marken orientiert und bei diesen den jeweils zehnten Teil auf den Markt bringt. Stattdessen begeht man hier mutigere Schritte von vollen Neuinszenierungen alter Franchises wie Doom, über die Veröffentlichung von Zusatztiteln wie Fallout Shelter im Mobile Bereich, bis hin zur Entwicklung gänzlich neuer Marken wie Dishonored. Mit Prey hat sich das Studio dabei für eine etwas ältere Marke entschieden, wobei die Neuauflage mit dem Game aus dem Jahr 2006 nichts mehr gemein hat.

Angriff der Mimics

Die erste Entscheidung, die wir in Prey fällen müssen, ist die Wahl des Geschlechts des Protagonisten. Dabei hat man sich hier auf das Wesentliche fokussiert und stellt uns zwei vorgefertigte Charaktere zur Auswahl, die beide auf den ungeschlechtlichen Namen Morgan Yu hören. Ist dies geschehen, so wachen wir auch schon in unserem luxuriösen Apartment im Jahr 2032 auf, von wo aus wir uns auch direkt auf den Weg zu unserer Arbeit in der Talos I Forschungseinrichtung begeben. Hier gehört es zu unseren Aufgaben an diversen Tests teilzunehmen, denn wir stellen uns hier quasi als Versuchskaninchen zur Verfügung um deren Forschung intensiv voranzutreiben.

Nach dem Verlassen unseres Apartments springen wir in den Fahrstuhl, welcher uns auf das Dach des Wolkenkratzers bringt. Hier wartet auch schon ein Helikopter auf uns, in dem wir auch rasch durch die Stadt zur Forschungseinrichtung befördert werden, wo es dann gilt einige sehr simple Aufgaben in mehreren Testräumen zu absolvieren. Im Verlauf dieser Tests werden wir von einigen Wissenschaftlern beobachtet und analysiert, zumindest bis es zu einem kleinen Zwischenfall kommt. Der führende Wissenschaftler greift hier nach seiner Kaffeetasse und wundert sich, dass diese leer ist. Der Grund ist so simpel wie kurios, denn seine richtige Tasse steht noch immer auf dem Tisch. Nur für den Bruchteil einer Sekunde konnte hier wahrgenommen werden, wie sich ein schwarzes, spinnenartiges Alien, ein sogenanntes Mimic, während des Tests auf dem Tisch begeben und die Gestalt der Kaffeetasse angenommen hat.

Noch ehe der Wissenschaftler sich besinnen kann, wird er auch schon von dem fremdartigen, schwarzen Tentakel-Wesen angegriffen, welches ihm sogleich das Leben aussaugt und tötet. Daraufhin strömt Gas in unsere Versuchskammer und wir verlieren das Bewusstsein, sehen aber noch in unseren letzten Sekunden wie Sicherheitspersonal gegen diese neuartige Bedrohung kämpft. Kurze Zeit später erwachen wir dann wieder in unserem Bett als wäre nie etwas passiert, ohne Erinnerung daran wie wir zurückgekommen sind. Allerdings wird sehr schnell klar, dass es nicht nur einen Mimic gegeben hat und dass viele Menschen ihr Leben lassen mussten.

Warnung: Der folgende Absatz enthält einen Story-Spoiler und sollte nur auf eigene Gefahr gelesen werden

Willkommen auf der Talos I

Nach dem Verlassen unseres Apartments ist es nun an uns, den Geschehnissen auf den Grund zu gehen. In diesem Rahmen wird uns auch etwas sehr Beunruhigendes bewusst, denn unser gesamtes Leben ist eine Farce. So stellt unser Apartment nur eine Kulisse dar und selbst die pulsierende Metropole und der Flug im Helikopter waren allesamt nur inszeniert. Bewerkstelligt wurde dies durch hoch-entwickelte Displays, die den freien Himmel, die Stadt und selbst den Flug zur Arbeit suggerierten. Diese Displays lassen sich durch Gewalteinwirkung zerstören, und zum Vorschein kommen dahinter die eigentlichen Forschungseinrichtungen, die unser gesamtes Leben überwacht haben. Nach kurzer Erkundungszeit wird uns zudem eine weitere Wahrheit bewusst: Die Talos I ist nicht etwa ein Forschungsgebäude, sondern eine ganze Raumstation, auf der wir uns die gesamte Zeit befunden haben – und diese ist von Mimics überrannt worden.

Im Folgenden gilt es, sich erst einmal zu orientieren. In guter alter Half Life-Manier sind wir zum Beginn auch nur mit der simpelsten Bewaffnung ausgerüstet: Einem Schraubenschlüssel. Dieser hilft uns zwar die Mimics zu töten, allerdings kann dieses Unterfangen auf nächster Nähe relativ gefährlich werden, sodass es notwendig ist, die Augen nach besserer Bewaffnung offen zu halten. Bereits in der ersten Spielstunde wird zudem sehr schnell klar, dass das Backtracking in Prey eine erhebliche Rolle einnehmen wird. So sind viele Wege zum Beginn noch versperrt, können aber zu einem späteren Zeitpunkt begangen werden.

 

Wir sind nicht allein

Nach dem Angriff der Mimics wird eines sehr schnell klar: Es gibt fast keine menschlichen Überlebenden. Via Computerterminal können wir allerdings den Status der Besatzung erfahren und so herausfinden, wo wir andere Charaktere des Spiels finden können, die bislang nicht den lebensaussaugenden Fängen der Mimics zum Opfer gefallen sind. Allerdings ist es oft nicht einfach, unbeschadet durch die Bereiche der Spielwelt zu gelangen, denn die Mimics können überall lauern. Das Fatale daran ist, dass sie quasi jede physische Gestalt annehmen können und wir uns dadurch nie wirklich sicher fühlen dürfen, denn schon der nächste Stuhl oder das nächste Sektglas können eine tödliche Gefahr darstellen. Entsprechend darf man sich hier auf ein nervenaufreibendes Gameplay freuen, welches sehr stark an ein Dead Space erinnert und auch für einiges an Paranoia sorgt.

Wie wir es schon aus den Dishonored Spielen kennen, so bescheren uns die Arkane Studios in Prey auch wieder zahlreiche Möglichkeiten, um an unser Ziel zu gelangen. So sind nicht immer nur Schlüsselkarten notwendig, um in bestimmte Bereiche vorzudringen, auch lassen sich unkonventionelle Wege finden, die allerdings oft auch gewisse Voraussetzungen mit sich bringen. Beispielsweise werden viele Passagen durch Barrikaden versperrt. Solche Objekte können von uns zwar aufgenommen werden, allerdings untergliedern sich diese, je nach Schwere, in unterschiedliche Kategorien. Entsprechend müssen wir je nach Kategorie einen passenden Neuromod verwenden, denn sonst können wir auch mit noch so großem Muskeltraining einen Kühlschrank nicht stemmen.

Neuromods stellen in Prey das Fähigkeiten-System dar. Diese lassen sich, sofern man die Augen aufhält, im Verlauf des Spiels finden und in das Auge unseres Charakters implantieren. Dank dieser Modifikationen können wir verschiedene aktive und passive Fähigkeiten freischalten, wozu nicht nur das Tragen und Werfen schwerer Objekte gehört. Auch gibt es so Boni durch das Essen von Nahrung, die Möglichkeit defekte Geräte im Spielverlauf zu reparieren sowie diverse andere Vorzüge, die unter anderen auch im Kampf sehr hilfreich werden können.

Ein besonderes Spielzeug, welches wir sehr früh im Spiel erhalten, stellt die GLOO-Cannon dar. Diese Waffe verschießt Gelschaum, welcher sich bei Berührung mit einer Oberfläche aufplustert und verhärtet. Diese Waffe kann im Kampf eingesetzt werden, um Mimics für kurze Zeit erstarren zu lassen, aber auch abseits solcher Konfrontationen kann sie sich als sehr hilfreich erweisen. Dank ihr lassen sich so gänzlich neue Wege begehen, was durch das Errichten von künstliche Treppen und Plattformen an Wänden bewerkstelligen lässt. Auf diese Weise können wir an sonst nicht erreichbare Bereiche gelangen und so vielleicht das eine oder andere Geheimnis entdecken. Etwas schade ist allerdings, dass der Gelschaum nur an anderen Objekten angebracht werden kann, nicht aber an bereits platzierten Geldschaum. Denn so witzig dieses Feature auch ist, so passiert es auch sehr schnell, dass man den Halt beim Klettern verliert und in die Tiefe stürzt, da der Schaum nur sehr wenig Oberfläche bietet.

Atemberaubende Inszenierung
Nevenkitzel dank fieser Alienfähigkeiten
Viele Möglichkeiten ans Ziel zu gelangen
Interessante Waffenmechaniken
Gelschaum haftet nicht an Gelschaum
Bombastisch

Daniel M.

Nach dem ersten Trailer auf der E3 im vergangenen Jahr war ich von Prey noch nicht sonderlich überzeugt. Das Gameplay, die Idee und das Leveldesign wirkten zwar solide, allerdings fehlte noch das gewisse Etwas. Diese Sorge konnte ich allerdings im Verlauf unserer Anspielsession des Spiels bei Bethesda direkt abwerfen und es folgte ein großartiges Spielerlebnis, welches sich am besten als eine Mischung aus Dead Space, Dishonored und Bioshock interpretieren lässt. Etwas schade ist zwar, dass wir noch keine der Alien-Psi-Fähigkeiten ausprobieren durften, aber alleine in der ersten Stunde gibt es schon so viel Spannendes und Nervenaufreibendes zu erleben, dass wir uns hier wohl auf einen weiteren bombastischen Titel der Arkane Studios freuen dürfen.
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