Für die einen digitales Gift, für die anderen ein spielbares Gedicht. An Quasivorgänger Demon’s Souls schieden sich bereits die Geister. Nachfolger Dark Souls blüht ein ähnliches Schicksal. In unserem Test auf dämonische Herzen und Nieren erfahrt ihr, was Sache ist.
Demon’s Souls stellte in Zeiten des aufkeimenden Casual-Trends der Wii-, iPhone- und Facebook-Ära eine letzte Bastion des Coregamings dar. Ein letzter Rückzugsort für Spieler, die mehr suchten als seichte Unterhaltung und automatisierte Belohnungsstürme. Ein letzter Hort altgediegener Videospielwertschätzung, bei dem für Fortschritt und Entlohnung noch gebührend geschuftet und geschwitzt werden musste. Der Sog aus atmosphärischer Todesangst und seltenen, aber umso euphorischeren Erfolgserlebnissen, konnte jedoch auch Spieler in ihren Bann ziehen, die gar nicht auf der Suche nach der großen Herausforderung waren.
Doch frei von Kritik konnte sich der Titel ebenfalls nicht sprechen. Für ungeduldige Individuen waren weit auseinanderklaffende Rücksetzpunkte und drohender Erfahrungspunkteverlust Charakteristika purer Unfairness. Als Hardcore-Spieler verkam es nicht nur zum Chic, das Spiel aufgrund seines Schwierigkeitsgrades zu lieben und zu schätzen, sondern auch, seinen glorifizierten Kultstatus kritisch zu hinterfragen und das Spiel als ultimativen Blender zu entlarven. Wie also nimmt man sich eines Tests an, bei dem unvoreingenommen Stärken und Schwächen ausgeleuchtet werden müssen? Ganz einfach: Man nehme einen Newbie, jage ihn durch den Vorgänger um genug Vorwissen zu sammeln und lasse ihn daraufhin Dark Souls testen.
Selige Zeiten
Wie kann Dark Souls, das sich mit seinem hohen Schwierigkeitsgrad und dem Slogan „Prepare to Die“ schmückt, passender beginnen, als mit einem toten Protagonisten? Pardon: „Untot“ würde die Sachlage wahrlich passender umschreiben. Das Land Lordran, in dem die Geschehnisse von Dark Souls ihren Platz finden, war ein von steinernen Drachen wohlbehütetes Fleckchen Fantasiewelt. Eines Tages entsprang Feuer dem Erdinneren, das eine starke Macht in sich barg und das Ende des friedvollen Daseins einläutete. Einige Wesen wollten sich schließlich die feurige Macht zueigen machen um die Steindrachen zu stürzen und alleinig über das Land zu herrschen. Diese Wesen nannte man die Fürsten der Flamme.
Zusammen mit dem schuppenlosen Drachen Seath, der die Seinen hinterging, waren die Fürsten der Flamme dazu befähigt, über die Drachen zu obsiegen. Das Zeitalter des Feuers wart eingeleitet und die Welt dem Untergang geweiht. Dämonen bevölkerten von nun an die Ländereien und alle Lebenden wurden zu einem Dasein als verfluchte Untote verdammt. Einige dieser bewahrten sich ihren menschlichen Geist und fristen ihr elendes Dasein noch immer in den Gebieten dieser Welt. Andere jedoch brachen an der Tragödie ihres Daseins, verloren ihren Verstand und verbringen ihr Leben als seelenlose Hüllen ihrer selbst. Zusammengetrieben und eingepfercht wurden sie in ein Asyl der Untoten hoch im Norden Lordrans gesperrt. Eine dieser Entitäten ist der Spieler selbst. Eine untote Hülle, die vom Zeichen der Finsternis gebrandmarkt ist. Jedoch schlummert in ihm noch Wille. Der Wille zu leben. Der Wille zu rebellieren. Der Wille den Fürsten der Flamme entgegenzutreten und für seine Menschlichkeit zu kämpfen.
Bei Anspiel Mord
Seid ihr erst einmal im Spiel angekommen, begrüßt Veteranen ein wohliges Gefühl der Vertrautheit. Auch wenn From Software Dark Souls nicht als direkten Nachfolger zu Demon’s Souls sehen möchte, so kann der Spielablauf die Herkunft doch nicht wirklich verschweigen. Schließlich wartet auch hier Gevatter Tod wieder an jeder Ecke auf den Spieler. Nahezu jede Konfrontation verlangt eure vollste Aufmerksamkeit, jeder Schritt will wohl überlegt sein und und jeder Heiltrank mit Bedacht verzehrt werden. In dieser Fantasywelt gibt es keine Romantik, keine strahlenden Ritter, keine holden Prinzessinnen und schon gar kein Happy End. Stattdessen müsst ihr mit einer düsteren Welt, getränkt in Blut, Furcht, Tod und Tristess Vorlieb nehmen.

Schmerzlich musste unser Held feststellen, dass man um schnaufende Bullen lieber einen großen Bogen macht
Kämpfe fühlen sich geerdet und real an. Mit typischer Bewaffnung wie Streitaxt oder Langbogen wird hierbei der dämonischen Brut entgegengetreten. Bewegungspalette und Steuerung fühlen sich altvertraut an. Die Unterschiede liegen im Detail. So könnt ihr eure digitalen Beißerchen zum Beispiel nicht mehr in klassischen Heilkräutern vergraben, sondern müsst mit mengentechnisch begrenzten Estus-Flakons vorlieb nehmen, die es vermögen, dem untoten Leib wieder Lebensgeister einzuhauchen. Von diesen besitzt ihr je nach Situation fünf bis maximal elf Stück, die sich erst bei Erreichen des nächsten Speicherpunktes wieder auffüllen lassen. Als genannte Rücksetzpunkte dienen diesesmal Leuchtfeuer, die gleichzeitig auch Rastplätze zur Energieregeneration darstellen. Hier könnt ihr, genügend erlangte Dämonenseelen vorausgesetzt, auch die Werte eures Charakters verbessern und später im Spiel Ausrüstungsgegenstände reparieren, aufwerten und unnütze Items ablegen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Spieles ist die Menschlichkeit, die sich ähnlich zur Seelen- und Körperform des geistigen Vorgängers verhält. In der oberen linken Ecke des Bildschirms seht ihr einen Zähler, der den Grad eurer Menschlichkeit zeigt. Ist dieser hoch, seid ihr resistenter gegen Vergiftungen und Flüche, besitzt eine verstärkte Abwehr, verfügt über gesteigertes Glück und die Bewohner der verlorenen Welt treten euch gegenüber freundlicher auf. Doch wie kommt man als Untoter an Menschlichkeit? Ganz einfach! Entweder ihr erwerbt oder erbeutet Gegenstände, die euch diese Eigenschaft verleihen, oder ihr helft oder tötet einen anderen Spieler, in dem ihr als Phantom in dessen Spielwelt dringt.
Seiten:
- Story und Gameplay
- Pro und Contra - Wertung




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