Die deutsche Spieleschmiede Daedalic hat Adventure-Fans in den letzten Jahren bestens versorgt: Edna bricht aus, The Whispered World oder Harveys neue Augen hauchten einem schon totgesagten Genre neues Leben ein. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen auch an Deponia. Kann Daedalic sie erfüllen?
Faul. Selbstverliebt. Naiv. Protagonist Rufus ist ein ziemlicher Antiheld, der am laufenden Band scheitert – nicht zuletzt bei seinen diversen Fluchtversuchen. Der sympathische Egomane fühlt sich nämlich zu etwas besserem als einem Dasein auf dem Schrottplaneten Deponia berufen: Rufus zieht es ins Elysium, die privilegierte Sphäre über seiner Heimat.
Also muss ein neuer Fluchtversuch her. Ihr helft Rufus zu Beginn, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Auch wenn natürlich wieder nicht alles glatt geht, schafft es der Gute diesmal zumindest an Bord eines Raumkreuzers. Dort richtet Rufus aber schon das nächste Unheil an: Die Elysianerin Goal stürzt in die Tiefe und so findet sich auch Rufus schnell auf Deponia wieder. In der schönen Unbekannten sieht er jedoch seine Chance, doch noch ins Elysium zu kommen. Aber zunächst muss die gute Goal erst einmal zu Bewusstsein kommen. Und die Konkurrenz ist groß: Nicht nur Rufus hat Interesse an ihr.
Als Spieler freut man sich im ersten Kapitel vor allem am großen Betätigungsfeld. Die Rätsel führen in zahlreiche Ecken von Rufus’ Heimat, die ihr alle frei bereisen könnt: So viel Auslauf hat man in Adventures selten. In dieser Hinsicht braucht Deponia auch den Vergleich mit den alten Genregrößen von Lucas Arts nicht zu scheuen. Bis ihr eine Warteschlange im Rathaus abgearbeitet und Goal wieder aufgeweckt habt, sind zahlreiche ineinander greifende Rätsel an diversen Orten zu lösen sowie einige Minispiele, die sich aber auch überspringen lassen.
Einige der Rätsel im Spiel sind recht abgedreht und erfordern, dass ihr etwas um die Ecke denkt – logisch sind sie aber fast alle. Trial & Error bleibt im gesamten Spielverlauf die löbliche Ausnahme. Das Inventar ist noch überschaubar, mehr als 15 Gegenstände hat Rufus nie im Sack. Versucht ihr sie miteinander zu kombinieren, hat Rufus so manchen humorigen Spruch parat. Anders als bei Jan Müller-Michaelis Erstlingswerk Edna bricht aus hört man hier nicht mehr für jede Kombination einen individuellen Kommentar, was aber nicht stört – zu lachen gibt es immer noch genug. Das Sprachgefühl von Müller-Michaelis, das in vielen Monologen und Dialogen deutlich wird, ist außergewöhnlich und kommt gut zur Geltung, denn die Sprecher verrichten durchwegs ordentliche Arbeit. Besonders Monty Arnold als Stimme von Rufus hat mir richtig gut gefallen.
Seiten:
- Schrott kann so schön sein
- Toller Start - und dann ?



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